Da horcht man auf: Norah Jones überrascht gleich auf den ersten zwei Titeln ihres vierten Albums mit mehr Verspieltheit und Rhythmus als früher, im weiteren Verlauf dann auch mit mehr Synthesizer-Klangfarben und rockigen Akzenten wie in "Stuck". Neben Wurlitzer-Orgel spielt sie auch mal E-Gitarre, während Konzertflügel und Jazz-Flair in den Hintergrund treten. Und das tut gut.
Die gute alte Wurlitzer-Orgel trägt viel zum angenehm warmen Sound des Albums bei, aber auch Synthesizer und Bass erhöhen den Flausch-Faktor. Im Opener "Chasing Pirates" pulst dazu ein sublimer, aber unwiderstehlicher Rhythmus; der folgende Track, "Even Though", verführt dank der rhythmischen E-Gitarre mit dezentem Reggae-Flair, und auch "Young Blood" hat leichte Synkopen-Schlagseite mit Bacardi-Feeling, diesmal allerdings liefern Marimba und Fender Rhodes statt Wurlitzer die Keyboards-Polsterung. Zwischendurch schaltet die Künstlerin aber auch in den nachmitternächtlichen Schummerblues wie mit "I Wouldn't Need You", wo dann der Flügel ein paar Megaperls in den Schonwaschgang einfließen lassen darf.
Der Song "Light As A Feather", wo Norah Jones selbst zur akustischen und zur E-Gitarre greift, entspricht mit seinem luftigen Balladenflair exakt seinem Titel, während auf "Waiting" die Stimme ganz im Mittelpunkt steht und vom Glockenspiel umschmeichelt wird. Wenn die Produktion so minimalistisch an den Kern der Sache geht wie hier, fällt indes auch auf, dass Norahs Stimme in vielen Tracks einen Tick zu viel verhallt wurde; weniger wäre mehr gewesen, was sich dann gegen Ende in "December" zeigt.
Unterm Strich addieren sich die 13 Songs zu einem Programm, das viele neue Facetten der Künstlerin in den Vordergrund rückt, ohne dabei ihre bekannten Stärken und Markenzeichen über Bord zu werfen. Sie addieren sich zu einem verspielten Programm, in dem Norah Jones mit versierten Mitstreitern, unter ihnen Gitarrist Marc Ribot, allerlei neue Klangfarben ausprobiert und dabei besonders schöne Resultate in der Koppelung von Analogsounds (Wurlitzer, Fender Rhodes) mit Gitarren und Synthies (auch ein Casio taucht auf) erzielt. Und wenn sie zum Schluss in "Man Of The Hour" nur singt und sich dazu auf dem Konzertflügel begleitet, wird die Sache rund.
Klarer Fall: "The Fall" ist ein herbstliches, verhaltenes Album für graue Winterabende.
Manfred Gillig-Degrave
Da horcht man auf: Norah Jones überrascht gleich auf den ersten zwei Titeln ihres vierten Albums mit mehr Verspieltheit und Rhythmus als früher, im weiteren Verlauf dann auch mit mehr Synthesizer-Klangfarben und rockigen Akzenten wie in "Stuck". Neben Wurlitzer-Orgel spielt sie auch mal E-Gitarre, während Konzertflügel und Jazz-Flair in den Hintergrund treten. Und das tut gut.
Die gute alte Wurlitzer-Orgel trägt viel zum angenehm warmen Sound des Albums bei, aber auch Synthesizer und Bass erhöhen den Flausch-Faktor. Im Opener "Chasing Pirates" pulst dazu ein sublimer, aber unwiderstehlicher Rhythmus; der folgende Track, "Even Though", verführt dank der rhythmischen E-Gitarre mit dezentem Reggae-Flair, und auch "Young Blood" hat leichte Synkopen-Schlagseite mit Bacardi-Feeling, diesmal allerdings liefern Marimba und Fender Rhodes statt Wurlitzer die Keyboards-Polsterung. Zwischendurch schaltet die Künstlerin aber auch in den nachmitternächtlichen Schummerblues wie mit "I Wouldn't Need You", wo dann der Flügel ein paar Megaperls in den Schonwaschgang einfließen lassen darf.
Der Song "Light As A Feather", wo Norah Jones selbst zur akustischen und zur E-Gitarre greift, entspricht mit seinem luftigen Balladenflair exakt seinem Titel, während auf "Waiting" die Stimme ganz im Mittelpunkt steht und vom Glockenspiel umschmeichelt wird. Wenn die Produktion so minimalistisch an den Kern der Sache geht wie hier, fällt indes auch auf, dass Norahs Stimme in vielen Tracks einen Tick zu viel verhallt wurde; weniger wäre mehr gewesen, was sich dann gegen Ende in "December" zeigt.
Unterm Strich addieren sich die 13 Songs zu einem Programm, das viele neue Facetten der Künstlerin in den Vordergrund rückt, ohne dabei ihre bekannten Stärken und Markenzeichen über Bord zu werfen. Sie addieren sich zu einem verspielten Programm, in dem Norah Jones mit versierten Mitstreitern, unter ihnen Gitarrist Marc Ribot, allerlei neue Klangfarben ausprobiert und dabei besonders schöne Resultate in der Koppelung von Analogsounds (Wurlitzer, Fender Rhodes) mit Gitarren und Synthies (auch ein Casio taucht auf) erzielt. Und wenn sie zum Schluss in "Man Of The Hour" nur singt und sich dazu auf dem Konzertflügel begleitet, wird die Sache rund.
Klarer Fall: "The Fall" ist ein herbstliches, verhaltenes Album für graue Winterabende.
Manfred Gillig-Degrave