Das zweite Album des Londoner Trios scheut weder Bombast noch Pathos, weder Industrial-Samples noch Gitarrenwände, weder Leidensgesang noch Synthiegedöns, um sich schon frühzeitig um den Titel Depripop-Produktion des Jahres zu bewerben.
Sänger und Gitarrist Harry McVeigh, Bassist Charles Cave und Schlagzeuger Jack Lawrence-Brown werfen sich in den zehn Songs mächtig in Pose und gönnen sich keinen Durchhänger.
Die Produktion schichtet mit Halleffekten und Streichersamples eine mächtige Wall of Sound auf, der Gesang klingt oft melodramatisch und düster und richtet Grüße aus der Echokammer aus. Manche Songs - wie zum Beispiel "Streetlights" mit seiner melodischen Synthie-Signatur - erinnern auch an frühe Pioniere des Technopop wie Gary Numan oder OMD.
Und nicht nur wegen der kühlen, strengen Covergestaltung drängen sich auch Vergleiche mit den beiden Senkrechtstartern von Hurts auf: Während bei Hurts die beiden Musiker selbst das Covermotiv sind, zeigt "Ritual" zwei weibliche Pendants, die wie ein Ei dem anderen gleichen, ansonsten aber mit der Band nichts zu tun haben. Auch musikalisch hantieren die drei Londoner ähnlich wie die beiden Hurts-Männer aus Manchester gern mit Weltschmerz und großen Gesten. In den Texten schlägt das Trio, der Albumtitel deutet es schon an, oft religiöse Töne an, ob im Track "Bigger Than Us" oder im Stück "Holy Ghost".
Und immer wieder erreichen die Songs in den Refrains - wie in "The Power & The Glory" - mit leidenschaftlichem Gesang hymnische Qualitäten oder spielen gar mit sakralen Orgelfiguren wie "Bad Love". Mit all diesen hervorragenden Zutaten ist "Ritual" zum großen Wurf in bester britischer Synthiepop-Tradition geworden. Wer auf Tears For Fears oder Nine Inch Nails steht, wird an diesem Kraftpaket seine helle Freude haben - aber auch jeder andere anspruchsvolle Pophörer.
Manfred Gillig-Degrave
Das zweite Album des Londoner Trios scheut weder Bombast noch Pathos, weder Industrial-Samples noch Gitarrenwände, weder Leidensgesang noch Synthiegedöns, um sich schon frühzeitig um den Titel Depripop-Produktion des Jahres zu bewerben.
Sänger und Gitarrist Harry McVeigh, Bassist Charles Cave und Schlagzeuger Jack Lawrence-Brown werfen sich in den zehn Songs mächtig in Pose und gönnen sich keinen Durchhänger.
Die Produktion schichtet mit Halleffekten und Streichersamples eine mächtige Wall of Sound auf, der Gesang klingt oft melodramatisch und düster und richtet Grüße aus der Echokammer aus. Manche Songs - wie zum Beispiel "Streetlights" mit seiner melodischen Synthie-Signatur - erinnern auch an frühe Pioniere des Technopop wie Gary Numan oder OMD.
Und nicht nur wegen der kühlen, strengen Covergestaltung drängen sich auch Vergleiche mit den beiden Senkrechtstartern von Hurts auf: Während bei Hurts die beiden Musiker selbst das Covermotiv sind, zeigt "Ritual" zwei weibliche Pendants, die wie ein Ei dem anderen gleichen, ansonsten aber mit der Band nichts zu tun haben. Auch musikalisch hantieren die drei Londoner ähnlich wie die beiden Hurts-Männer aus Manchester gern mit Weltschmerz und großen Gesten. In den Texten schlägt das Trio, der Albumtitel deutet es schon an, oft religiöse Töne an, ob im Track "Bigger Than Us" oder im Stück "Holy Ghost".
Und immer wieder erreichen die Songs in den Refrains - wie in "The Power & The Glory" - mit leidenschaftlichem Gesang hymnische Qualitäten oder spielen gar mit sakralen Orgelfiguren wie "Bad Love". Mit all diesen hervorragenden Zutaten ist "Ritual" zum großen Wurf in bester britischer Synthiepop-Tradition geworden. Wer auf Tears For Fears oder Nine Inch Nails steht, wird an diesem Kraftpaket seine helle Freude haben - aber auch jeder andere anspruchsvolle Pophörer.
Manfred Gillig-Degrave