Die reichhaltige französische Popszene bringt vermehrt auch Bands und Künstler hervor, die mit englischsprachigen Songs ihre Chance auf dem internationalen Markt suchen. Dazu gehört auch das junge Duo Cocoon, das mit seinem Debütalbum in Frankreich mit mehr als 75.000 verkauften Exemplaren schon Goldstatus erlangt hat. Nun kommt mit rund einjähriger Verzögerung auch das deutsche Publikum in den Genuss der feingliedrigen Folkpop-Kollektion von Mark Daumail und Morgane Imbeaud.
Das junge Duo bezirzt den Hörer in seinen unaufdringlichen, sparsam instrumentierten Songs mit zarten, berückend schönen Gesangsharmonien, filigranem Akustikgitarrenpicking und sanftem Klavierspiel. Dazu erklingen wahlweise eine fragile Ukulele und sanfte Flötentöne wie in der lockeren, leichtfüßigen Nummer "Chupee", exquisit arrangierte, behutsame kammermusikaliche Streicher- und Bläser-Beigaben wie im wehmütig wirkenden Song "Cliffhanger" oder auch mal eine countryeske Steel-Gitarre wie in der balladesken Aufnahme "Paperboat".
Die Lieder von Cocoon pendeln zwischen elegischer Eleganz und zartbitterer Melancholie wie im Opener "Take Off" und fast heiterer Beschwingtheit wie in "Owls", einem mit dezentem Groove zum Mitwippen und Fingerschnippen animierendem Kleinod.
Mit ihrem leisen, entspannten, gepflegten und sensiblen Erscheinungsbild empfehlen sich Cocoon somit als Entdeckung für Anhänger der Kings Of Convenience, von Belle & Sebastian, Simon & Garfunkel, Sophie Zelmani oder den Bowerbirds.
Die ganz besondere doppelbödige Qualität ihrer Songs offenbart indes erst genaueres Hinhören mit Fokus auf die Texte. Die scheinbar so beschauliche, romantische, sanftmütige und verträumte Musik von Cocoon kontrastiert Mark Daumail nämlich mit ironischer Schärfe in seinen lyrischen Spitzen und Sarkasmen. So entpuppt sich der "Christmas Song" als lakonisch-satirisches Anti-Weihnachtslied. Da bekommt ein geldgieriger Gott ("Take Off") ebenso sein Fett ab wie ein bigotter Kinderschänder ("Cliffhanger") oder eine Prostituierte, die sich selbst belügt, indem sie glaubt, der Ausstieg aus dem Gewerbe lasse sie endlich die ersehnte Liebe finden ("Seesaw").
Der aparte französische Akzent, mit dem Daumail und seine Partnerin solche treffsicheren Attacken vortragen, verstärkt noch die Abgründigkeit eines Albums in geistiger Verwandtschaft zu Englands genialem Popzyniker Luke Haines und dessen letzter Band Black Box Recorder.
Frank Medwedeff
Die reichhaltige französische Popszene bringt vermehrt auch Bands und Künstler hervor, die mit englischsprachigen Songs ihre Chance auf dem internationalen Markt suchen. Dazu gehört auch das junge Duo Cocoon, das mit seinem Debütalbum in Frankreich mit mehr als 75.000 verkauften Exemplaren schon Goldstatus erlangt hat. Nun kommt mit rund einjähriger Verzögerung auch das deutsche Publikum in den Genuss der feingliedrigen Folkpop-Kollektion von Mark Daumail und Morgane Imbeaud.
Das junge Duo bezirzt den Hörer in seinen unaufdringlichen, sparsam instrumentierten Songs mit zarten, berückend schönen Gesangsharmonien, filigranem Akustikgitarrenpicking und sanftem Klavierspiel. Dazu erklingen wahlweise eine fragile Ukulele und sanfte Flötentöne wie in der lockeren, leichtfüßigen Nummer "Chupee", exquisit arrangierte, behutsame kammermusikaliche Streicher- und Bläser-Beigaben wie im wehmütig wirkenden Song "Cliffhanger" oder auch mal eine countryeske Steel-Gitarre wie in der balladesken Aufnahme "Paperboat".
Die Lieder von Cocoon pendeln zwischen elegischer Eleganz und zartbitterer Melancholie wie im Opener "Take Off" und fast heiterer Beschwingtheit wie in "Owls", einem mit dezentem Groove zum Mitwippen und Fingerschnippen animierendem Kleinod.
Mit ihrem leisen, entspannten, gepflegten und sensiblen Erscheinungsbild empfehlen sich Cocoon somit als Entdeckung für Anhänger der Kings Of Convenience, von Belle & Sebastian, Simon & Garfunkel, Sophie Zelmani oder den Bowerbirds.
Die ganz besondere doppelbödige Qualität ihrer Songs offenbart indes erst genaueres Hinhören mit Fokus auf die Texte. Die scheinbar so beschauliche, romantische, sanftmütige und verträumte Musik von Cocoon kontrastiert Mark Daumail nämlich mit ironischer Schärfe in seinen lyrischen Spitzen und Sarkasmen. So entpuppt sich der "Christmas Song" als lakonisch-satirisches Anti-Weihnachtslied. Da bekommt ein geldgieriger Gott ("Take Off") ebenso sein Fett ab wie ein bigotter Kinderschänder ("Cliffhanger") oder eine Prostituierte, die sich selbst belügt, indem sie glaubt, der Ausstieg aus dem Gewerbe lasse sie endlich die ersehnte Liebe finden ("Seesaw").
Der aparte französische Akzent, mit dem Daumail und seine Partnerin solche treffsicheren Attacken vortragen, verstärkt noch die Abgründigkeit eines Albums in geistiger Verwandtschaft zu Englands genialem Popzyniker Luke Haines und dessen letzter Band Black Box Recorder.
Frank Medwedeff