Philosophien sprachlicher Gewalt. 21 Grundpositionen von Platon bis Butler [Gebundene Ausgabe]

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Produktinformationen

Details
EAN / ISBN-139783938808986
ProduktformGebundene Ausgabe
Auflage1
HerausgeberVelbrück
Erscheinungsdatum 2010
InhaltsverzeichnisSteffen K. Herrmann und Hannes Kuch, Philosophien sprachlicher Gewalt. Eine Einleitung 1. Burkhard Liebsch, Platon – Leben und Tod, Sprache und Gerechtigkeit 2. Alfred Hirsch, Hobbes – Sprache und Terror 3. Georg W.Bertram, Hegel – Anerkennung und beschädigte Verhältnisse 4. Gerald Posselt, Nietzsche – Sprache, Rhetorik, Gewalt 5. Pascal Delhom, Buber – Das bedrohte Gespräch und die Verletzlichkeit der Sprechenden 6. David Lauer, Wittgenstein – Die Gewalt des Namens 7. Christoph Demmerling, Adorno – Die Gewalt des Begriffs 8. Steffen K. Herrmann, Levinas – Von der Gewalt des Angesichts zur Gewalt des Schweigens 9. Antje Kapust, Merleau-Ponty – Pathographien als Enteignung von Würde 10. Hannes Kuch, Austin – Performative Kraft und sprachliche Gewalt 11. Marc Rölli, Deleuze – Macht, Gewalt und delokutionäre Sprechakte 12. Isabell Lorey, Foucault – Monstrologische Grenzen und die Gewalt des Diskurses 13. Robin Celikates, Habermas – Sprache, Verständigung und sprachliche Gewalt 14. Sybille Krämer, Frankfurt – Bullshit oder: (k)eine Publikumsbeschimpfung 15. Johannes-Georg Schülein, Derrida – Über die Ur-Gewalt der Sprache 16. Robert Schmidt und Volker Woltersdorff, Bourdieu – Der zwanglose Zwang symbolischer Gewalt 17. Vera Alyosxa Tudor, Wittig – Sprache als Intervention, Intervention in Sprache 18. Christian Neuhäuser, Margalit – Die Sprache der Erniedrigung 19. Nikita Dhawan, Spivak – Subalternes Schweigen und die Politik der Repräsentation 20. Mattias Iser, Honneth – Die Gewalt der Missachtung 21. Paula-Irene Villa, Butler – Subjektivierung und sprachliche Gewalt Die Autorinnen und Autoren
HauptbeschreibungSprache und Gewalt können ohne Zweifel gegeneinander wirken: Die dialogische Kraft des Gesprächs vermag den gewaltsamen Konflikt zu suspendieren. Zugleich jedoch bilden Sprache und Gewalt nicht nur einen Gegensatz, sondern sind auch aufeinander bezogen: So können wir in der Sprache vergangene Gewalttaten wieder wachrufen oder zukünftige androhen. Doch Sprache und Gewalt sind auch ineinander verwoben: Sprache selbst kann verletzen. Die Edition fragt nach diesem intrinsischen Zusammenhang von Sprache und Gewalt. Sie zeigt anhand von unterschiedlichen philosophischen Grundpositionen, dass sich die Gewalt der Sprache vom ›verletzenden Sprechakt‹ auf der einen bis hin zur ›strukturellen Ur-Gewalt‹ der Sprache auf der anderen Seite erstreckt. Die ›Gewalt der Sprache‹ entfaltet der Sammelband anhand von ausgewählten Autorenportraits, die vom philosophischen Klassiker (Platon oder Hobbes) bis hin zu viel diskutierten Gegenwartsdenkerinnen und -denkern reichen (Honneth oder Butler). Ihren philosophischen ›Gesprächspartnern‹ nähern sich diese Porträts dabei auf unterschiedlichen Wegen: Ein Teil der Beiträge hat eher einführenden Charakter und stellt einen etablierten Denker im Diskurs um sprachliche Gewalt vor (etwa Nietzsche oder Derrida). Ein anderer Teil der Beiträge setzt sich mit solchen Philosophien auseinander, bei denen sprachliche Gewalt ein bisher nur wenig beachtetes Motiv darstellt (etwa bei Hegel oder Wittgenstein). Ein letzter Teil schließlich widmet sich gerade jenen Philosophen, bei denen Sprache und Gewalt Antipoden bilden (etwa Buber oder Habermas), um diese Entgegensetzung gegen den Strich zu lesen. Drei unterschiedliche Zugänge zu Philosophien sprachlicher Gewalt lassen sich also unterscheiden: Der rekonstruktive Zugang arbeitet ein bestimmtes Konzepte sprachlicher Gewalt bei einem Philosophen heraus. Der konstruktive Zugang erarbeitet ein spezifisches Verständnis sprachlicher Gewalt mit einer bestimmten Philosophin. Der dekonstruktive Zugang schließlich versucht die Überlegungen eines Philosophen zur Entgegensetzung von Sprache und Gewalt gegen diesen selbst zu denken. Rekonstruktion, Konstruktion, Dekonstruktion – das sind also die grundlegenden Lektürestrategien der Beiträge. Während die rekonstruktiven Beiträge eine Einführung in die festen Größen der noch jungen Debatte um sprachliche Gewalt bieten, erschließen die Beiträge mit konstruktiven und dekonstruktiven Lesarten das Potenzial bislang weitgehend vernachlässigter Positionen. Auf diese Weise macht diese Edition eine ganze Reihe philosophischer Grundpositionen überhaupt erst für den Diskurs um sprachliche Gewalt zugänglich. Deren Bandbreite lässt sich holzschnittartig folgendermaßen unterteilen: (1) Als Beleidigung, Herabsetzung oder Demütigung kann sprachliche Gewalt in Form von konkreten Sprechakten auftreten. Diese Ebene der Gewalt ist im Anschluss an John L. Austins ›performative Äußerungen‹ untersucht worden: Sprechen ist in dieser Hinsicht nicht nur ein Tun, sondern zugleich auch ein An-Tun. Im Anschluss an Austins Konzept des Performativen hat Pierre Bourdieu gezeigt, dass das Kränkungspotenzial der Rede in gesellschaftlichen Praktiken und Konventionen wurzelt. (2) Stärker sozialphilosophisch angelegte Theorien fragen dagegen eher nach den Bedingungen der Möglichkeit menschlicher Verletzbarkeit durch Sprache. Philosophinnen und Philosophen dieses Paradigmas versuchen die Verletzbarkeit durch Worte vor dem Hintergrund zu verstehen, dass Sprache nicht nur Medium der Information oder Verständigung ist, sondern vor allem eine Instanz, welche die Einzelnen durch ihre Ansprache ins Leben ruft. Während die Anrufung mit dem Eigennamen Identität stiftet, so argumentiert etwa Judith Butler, droht in der beleidigenden Benennung mit Schimpfnamen der traumatische Verlust von Identität. (3) Eine weitere Perspektive wird von diskursanalytisch orientierten Ansätzen wie etwa denjenigen von Michel Foucault oder Gayatri Spivak eingebracht. In diesem Rahmen wird die der Sprache innewohnende Gewalt in historisch situierten Regulierungen dessen verortet, was überhaupt zur Sprache kommen kann. (4) Der Zusammenhang von Sprache und Gewalt kann jedoch noch fundamentaler verstanden werden: So unterschiedliche Philosophen wie Nietzsche, Adorno oder auch Derrida haben auf je verschiedene Weise herausgearbeitet, inwiefern Gewalt nicht nur mit Worten ausgeübt wird, sondern in der Struktur der Sprache selbst liegt, weil die Verfahren der Prädikation und Identifikation darauf beruhen, vom Einzelnen zu abstrahieren, um damit das Ungleiche auf einen Nenner zu bringen. Bereits der Sprache als Logos kommt dieser Perspektive zufolge daher immer schon eine eigene Gewaltsamkeit zu.
SpracheDeutsch

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