Mit der Faust in die Welt schlagen. Roman - Lukas Rietzschel  [Gebundene Ausgabe]

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Produktinformationen

Details
EAN / ISBN-139783550050664
Höhe21 cm
AutorLukas Rietzschel
ProduktformGebundene Ausgabe
Auflage6
Seitenanzahl320
HerausgeberUllstein Buchverlage
Erscheinungsdatum 2018
HauptbeschreibungZwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es. Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs. Eine hochaktuelle literarische  Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.
Breite12.8 cm
SpracheDeutsch

Kundenbewertungen Gegenwartsliteratur (ab 1945) (3)

Gesamtbewertung

4.0 von 5 Sternen

Johanna M. (22.10.2018)
Gekaufter Zustand: Wie neu
So wichtig
Das Cover ist sehr passend zur Geschichte, ich mag es sehr gerne. Der Schreibstil ist sehr gut und poetisch, was mir sehr gut gefällt. Das Thema des Buches ist so wichtig und tiefgehend, wie ich kaum ein Buch gelesen habe. Ich stamme selber aus Ostsachsen und kenne die Städte sehr gut, ich fand mich also in vielen Situationen wieder aber auf der Seite, dass ich vieles nich verstehen kann. Dieses Buch hat mich tief berührt und gehört zu meinen must reads! Ich möchte nichts aus dem Buch erzählen weil ich denke es sollte jeder selber lesen und drüber nachdenken. Ich werde noch sehr viel darüber nachdenken und kann dem Autor für so ein wichtiges Buch und seine Geschichte. Danke für nachdenkliche und tiefberührte Lesestunden. Ich habe bei dem Buch etwas länger gebraucht als sonst weil ich es immer wieder weglegen musste!
Sabine W. (21.10.2018)
Gekaufter Zustand: Sehr gut
Erschütternde Trostlogiskeit
Inhalt: "Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es. Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs. Eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land." Meinung: Der Roman ist in 3 Bücher unterteilt und ist in verschiedene Zeitebenen eingeteilt, was den langsamen Abrutsch der beiden Protagonisten noch deutlicher werden lässt. Im Buch geht es um zwei Brüder, die in Sachsen aufwachsen. Was den Roman besonders macht ist die Trostlosigkeit und langsam aufkeimende Feinseligkeit gegenüber den Sorben/Ausländern. Durch die Eltern vernachlässigt, da diese viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind geraten die beiden Jungen an Ramon und Menzel - Nazis. Hier wird durch Langeweile und Hoffnungslosigkeit schon einmal drauf los geprügelt oder Sachbeschädigung betrieben. Mich erschüttert auch, dass diese Kinder so wenig Erziehung genießen - und wenn dann die falsche Art und Weise davon. Man merkt von Anfang an, dass der Absturz und die Richtung in die die Jungs ihr Leben gehen werden bereits vorgegeben scheint. Der Autor schafft es diese Hoffnungslosigkeit und Dunkelheit zu Papier zu bringen. Der Schreibstil sagt mir persönlich leider nicht zu - ich fand ihn sehr zäh und langatmig - was dem Buch und der Geschichte aber nicht geschadet hat. Ich denke sogar dass das beabsichtigt und ein wichtiges Stilmittel für den Autor ist. Obwohl es mir nicht zu 100% gefallen hat, ist es ein wichtiges Buch, gerade in anbetracht unserer derzeitigen politischen Lage.
Anne H. (27.09.2018)
Gekaufter Zustand: Wie neu
Deprimierend und wichtig
Neschwitz in Ostsachsen. Ein kleiner Ort, in der Nähe von Kamenz und Bautzen. Hier wachsen Philipp und sein Bruder Tobi auf, geboren Anfang / Mitte der 1990er Jahre. Nachwendezeit, die Eltern bauen ein Haus, raus aus der Platte. Hier gibt es Sorben und zweisprachige Ortsschilder, Steinbrüche und Tongruben im Wald, stillgelegte Fabriken und brachliegende LPG-Betriebe. Viel Platz, viel Leere, die sich auch in den Menschen nach der Wende spürbar findet. Alles ist anders, auch elf Jahre nach der Wiedervereinigung, im Jahr 2000, als die Handlung des Romans einsetzt, fühlt sich das noch so an. Die Mär der blühenden Landschaften im Osten muss sich wie ein Albtraum anfühlen. Und wie Vereinigung schon mal gar nicht. In dieser Atmosphäre erhält der Leser einen Einblick in das Leben der beiden Jungs, man bekommt ein Gespür dafür, wie sich die äußeren Umstände in den Menschen, ihrem Reden und vor allem ihrem Nichtreden, ihrem Fühlen manifestieren. Philipp und Tobi wachsen in einer Welt ohne Antworten auf. Auch wenn sie Fragen stellen, z.B. nach einem ausgebrannten Balkon in Hoyerswerda, fährt der Opa lieber schnell daran vorbei. Aufklärung findet nicht statt. Latenter Rassismus ist oftmals gegenwärtig, man schimpft über die Polacken auf der Autobahn, über die katholischen Sorben, denen es immer viel besser gehe, und die „Bonzen“, Lehrer, Beamte, Ärzte, sind auch nicht viel besser. Rietzschel zeigt in drei Abschnitten des Buches, vereinfacht gesagt, Philipps und Tobis Grundschulalter (2000-2004), Jugendzeit (2004-2006) und jungem Erwachsenenleben (2013-2015), was diese Umstände mit ihnen machen. Wie Sprachlosigkeit und Schweigen sich wandeln in Gewalt, Vandalismus und Fremdenhass. Wie zwei Brüder damit umgehen, was sie in Dingen und Menschen sehen, wie sie sich, ihre Rollen in den gewählten Gruppen und in „ihrem“ Land besetzen und welche Auswirkungen es auf sie hat. Bis zum letzten Abschnitt ist unklar, welcher Bruder mehr zu was tendiert, wer sich tiefer hinab ziehen lässt in rechte Gewalt, wer „nur“ zum Mitläufer taugt, wer zum Täter wird, denn in diese Richtung tendieren zwischenzeitlich beide. Das Buch endet offen. Unklar, wie die Wege der beiden weiter verlaufen, es sieht so aus, als könne sich zumindest einer teilweise lösen, der andere vielleicht nicht. Vielleicht aber doch, weil dann da doch noch ein Fünkchen „mehr“ ist. Etwas auf das man hoffen kann, aber nur vielleicht. Und das ist genauso traurig, wie die Atmosphäre über weite Strecken des Buches. Und auch das passt, denn es ist ein trauriges, ein schwieriges, ein wichtiges Thema und Buch. Happy-End nicht angebracht. Man kann sich der dem Buch voran gestellten Meinung des Verlegers nur anschließen: ja, „Mit der Faust in die Welt schlagen“ ist ein wichtiges Buch. Es ist kein einfaches Buch, es deprimiert, es macht mitunter wütend und man schüttelt den Kopf vor Unverständnis. Mich hat es sehr bewegt und ich habe auch immer, wenn ich es zur Seite legte, weiter darüber nachdenken müssen. Es liefert keine Erklärungen, erzählerisch gesehen für mich „show not tell“ in Bestform. Rietzschel schildert Verhältnisse in Ostsachsen, Beziehungen zwischen Menschen, macht auf Sprachlosigkeit, Verschlossenheit und Perspektivlosigkeit aufmerksam, lässt den Leser Tristesse und Ausweglosigkeit der Protagonisten spüren. Er erklärt nicht, „und so wurde aus xy ein Nazi, deshalb ist er in diese Kreise geraten, deshalb macht er da jetzt mit und redet so. Das passiert alles, und der Leser muss es sich für sich selbst finden zu erklären, warum das so ist. Mir hat das sehr gut gefallen, weil für mich das vorherrschende bei diesem Buch wirklich das Fühlen der herrschenden Atmosphäre, die Natur der zwischenmenschlichen Beziehungen und das Fühlen des Einzelnen war, welches dann eben zu etwas führt. Man kann es versuchen anhand dessen nachzuvollziehen (nicht zu verstehen) und zu einem Schluss kommen. Wobei der tatsächliche Schluss des Buches an sich für mich ein offener ist. Ein interpretationsfähiger – zum Glück. Auch wenn mir verschiedene Varianten möglich erscheinen, ist doch eine - vielleicht tatsächlich nur langfristig – positive Deutungsoption enthalten. Und das möchte ich einfach hoffen. Fazit: Lesen. Und darüber reden. Das finde ich ganz wichtig. Lest Artikel, die zum Buch erschienen sind oder schaut Berichte an, vor allem wenn ihr aus dem Westen kommt, hier geboren seid und nie im Osten gelebt habt. Mir hat eine Leserunde wirklich sehr beim Verstehen des Gesamtgefüges in Sachsen, der Nachwendezeit geholfen, ohne die ich vieles einfach in meinem Unverständnis der Situation hätte versumpfen lassen müssen, so hat mehr Hintergrundwissen in diesem Fall für mich entscheidend zum Gesamtverständnis des Buches beigetragen.