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Beschreibung

Drei Jahre nach "Kleines Arschloch" begeben sich Walter Moers und Michael Schaacks Trickfilmcompany (diesmal unter der Regie von Hayo Freitag) wieder auf hohe Zeichentricksee, um eine weitere populäre Cartoonfigur des Autoren im Kino vor Anker gehen zu lassen. Die Kinokassenzeichen stehen auf Taifun: Denn nicht nur sind die Flunker-Münchhausiaden von "Käpt'n Blaubär" künstlerisch deutlich ambitionierter umgesetzt als die respektlosen Arschloch-Streiche. Das aberwitzige Duell des alten Seebären mit seinem Erzfeind (und Fernschachgegner) Prof. Dr. Feinfinger spricht eine wesentlich größere Zuschauerschicht an: Kids sollten an den bunten Abenteuern Spaß haben, Erwachsene werden die cleveren Gags und Helge Schneiders Galaauftritt als Feinfinger (und sein Zepter) genießen. Lügen haben in diesem erquicklichen und nicht nur in Anbetracht seiner extrem kurzen Produktionszeit von gerade einmal einem Jahr ausgesprochen ansprechend-durchdacht realisierten Segeltörn durch die letzten unerschlossenen Passagen der Weltmeere nicht lange, sondern blaubehaarte Beine. Wie in den Folgen von Blaubärs TV-Serie, die sich mehr auf Walter Moers' überbordende Erzählfantasie und die Synchro mit Wolfgang Völz als Titelheld und Edgar Hoppe als des Käpt'ns rechte Hand Hein Blöd verläßt als auf ausgefeilte Animation und dramatische Stringenz, sieht sich auch im Film ein sichtlich in die Jahre gekommener Blaubär vor die Aufgabe gestellt, seine drei neunmalklugen Bärchen-Enkel mit Geschichten aus seiner glorreichen Vergangenheit in den Schlaf zu wiegen. Wie immer wollen sie ihrem Opi keinen Glauben schenken, tun seine heldenhaften Erzählungen ab als Manifestation seiner Angst vor dem Älterwerden. Doch dann tritt Blaubärs Erzfeind (und Fernschachgegner) Prof. Dr. Feinfinger mit diabolischen Erfindungen wie Personenfaxgerät und Gedankenabsaughaube auf den Plan, und als es ihm nicht gelingt, den Gegenspieler in eine Folienkartoffel zu verwandeln oder mit Krokodilpiraten auszuschalten, werden die Bärchen kurzerhand in sein entlegenes Domizil entführt. Startschuß für ein Abenteuer, in dem Blaubär nicht nur die Grundzüge der Seefahrt neu erlernen muß, sondern auch Flauten, Feinfingers Wellenzwergen, Doppelvulkanen mit marodierenden Maulwürfen mit Furzsprache trotzen muß, um die Bärchen aus den Klauen des gelernten Bösewichts zu befreien. Ein Heidenspaß für Kids. Aber ein Film, in dem Immobilien-Haie (mit Krawatte und Handys) die Meere unsicher machen, das Hauptquartier des Schurken im kapitalistischen Meer verborgen ist und die Helden nur dank eines Aufstandes meuternder Arbeiter gerettet werden können, zielt auch auf die Unterhaltung von Erwachsenen ab. Der mutige Balanceakt - "Kleines Arschloch"-Popularität auf der einen, "Felidae"-Anspruch auf der anderen Seite - gelingt mühelos. Trumpfas freilich ist der Auftritt des völlig losgelösten Helge Schneider als Prof. Dr. Feinfinger, der als grell überzeichnete Schizo-Neurotiker-Mischung aus Goldfinger, Dr. Evil und Lex Luthor alle Klischees von Film- und Comic-Bösewichten auf die Hörner nimmt und das 80minütige Schmuckstück auf ein durchgedrehtes Level absurd-dadaistischen Deliriums hebt. Die Zeichner stehen dem Voicetrack Schneiders in nichts nach: Wild eingestreute Zitate, die von der Bibel über "Hamlet" und Augsburger Puppenkiste bis "Der rote Korsar" und Vincent-Price-Klassiker reichen, machen "Käpt'n Blaubär" überdies noch zu einer vergnüglichen Entdeckungsreise durch die Popkultur. Eine schöne Bescherung, fürwahr. ts.

Hersteller: Universum Film, Neumarkter Str. 28, München, 81673, info@universumfilm.de

Warnhinweise und Sicherheitsinformationen

Informationen nach EU Data Act

Technische Daten


Erscheinungsdatum
20.11.2000
Sprache
deutsch
EAN
0743217528294
Herausgeber
Universum Film
Titel in Originalsprache
Käpt'n Blaubär
Auszeichnungen
Deutscher Filmpreis 2000 (Kategorie "Filmpreis in Gold, bester Kinder- und Jugendfilm")
Altersfreigabe
0
Bildformat
16:9
Laufzeit
78 m
Datenträger Typ
DVD
3.0
Aus 1 Bewertungen zu Käpt'n Blaubär
Aus 1 Bewertungen zu Käpt'n Blaubär
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Alle Bewertungen, die wir veröffentlichen, wurden von echten rebuy Nutzer:innen geschrieben.
Genialer Film - fragwürdiges DVD-Konzept
Nina - Bewertet am 25.02.2015
Zustand: Sehr gut
Ich habe den Film bereits vorher mehrere Male im TV und auf VHS gesehen und bin seither rundum begeistert. "Käpt'n Blaubär" ist nicht nur etwas für Kinder, sondern - auch dank des Kultstatus der Hauptfigur - ein echter Spaß für Erwachsene. Besonders genial: Helge Schneider als Prof. Dr. Feinfinger, das größenwahnsinnige Verbrecher-Wissenschaftler-Künstler-Genie (Blaubärs Erzrivale und Fernschachgegner!)! Leider macht es - zumindest bei meiner Ausführung der DVD - die eingebaute Multi-Angle-Option sehr müßig, den Film zu gucken. Alle zehn Minuten verändert sich das Bild plötzlich vom voll animierten Zeichentrick zum skizzierten Schwarz-Weiß-Standbild-Film im Reißbrett-Stil. Bis jetzt habe ich leider noch nicht rausfinden können, wie man das abstellt. Sehr schade.
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