Vor 15 Jahren veröffentlichte der russische Pianist Evgeny Kissin bereits eine Referenzaufnahme von Sergei Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3. Nun legt er mit der Neuaufnahme einen weiteren Maßstab fest: Der Pianist ist gereift in seiner emotionalen Ausdrucksfähigkeit und ergänzt die Aufnahme um das äußerst schwierige und kantige Konzert Nr. 2.
Es gilt als Tour de Force selbst für versierte Pianisten und fordert alles. Bei seiner Uraufführung verstörte es gar die Zuhörer, dem "die Haare zu Berge standen" und das "vor Schreck erstarrt" war. Geschrieben nach dem qualvollen Tod seines Vaters, verarbeitet Prokofjew in seinem zweiten Klavierkonzert Trauer, Wut und Schmerz, an denen sich der Pianist messen muss. An technischer Perfection mangelt es Evgeny Kissin nicht, diese Aufgabe zu meistern. Ihm zur Seite steht mit Dirigent Vladimir Ashkenazy ein weiterer Pianist, dem Prokofjew mit seiner Musik ein Seelenverwandter ist.
Ashkenazy treibt Kissin mit der Philharmonia Orchestra an, er peitscht ihn auf und kitzelt ihn je nach Bedarf, um den Vorgaben Prokofieffs gerecht zu werden. Und Kissin, der wie Ashkenazy ein Schüler der russischen Klavierschule war, meistert diese Aufgabe bravourös. Er gibt dem gewaltigen Klavierkonzert Nr. 2 selbst im treibenden "Scherzo: Vivace" die richtige Kontur und spielt im gewaltigen "Finale: Allegro tempestoso" die Schönheit dieses Werks heraus. Im Gegensatz dazu steht das Klavierkonzert Nr. 3, das zu den populärsten Klavierkonzerten des 20. Jahrhunderts zählt. Komponiert in der Bretagne, wohin Prokofjew vor der Oktoberrevolution geflohen war, vermischt es die tiefen russichen Gefühle mit der leichten Lebensart im Exil. Die noch "brave" Aufnahme des Wunderkinds Kissin, die 1994 mit dem damals 13-jährigen erschien, revidiert er von Grund auf. Gefühlvoll und verträumt, aber auch explosiv im Finale behauptet er sich als Meister für dieses Konzert.
Birgit Schlinger
Vor 15 Jahren veröffentlichte der russische Pianist Evgeny Kissin bereits eine Referenzaufnahme von Sergei Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3. Nun legt er mit der Neuaufnahme einen weiteren Maßstab fest: Der Pianist ist gereift in seiner emotionalen Ausdrucksfähigkeit und ergänzt die Aufnahme um das äußerst schwierige und kantige Konzert Nr. 2.
Es gilt als Tour de Force selbst für versierte Pianisten und fordert alles. Bei seiner Uraufführung verstörte es gar die Zuhörer, dem "die Haare zu Berge standen" und das "vor Schreck erstarrt" war. Geschrieben nach dem qualvollen Tod seines Vaters, verarbeitet Prokofjew in seinem zweiten Klavierkonzert Trauer, Wut und Schmerz, an denen sich der Pianist messen muss. An technischer Perfection mangelt es Evgeny Kissin nicht, diese Aufgabe zu meistern. Ihm zur Seite steht mit Dirigent Vladimir Ashkenazy ein weiterer Pianist, dem Prokofjew mit seiner Musik ein Seelenverwandter ist.
Ashkenazy treibt Kissin mit der Philharmonia Orchestra an, er peitscht ihn auf und kitzelt ihn je nach Bedarf, um den Vorgaben Prokofieffs gerecht zu werden. Und Kissin, der wie Ashkenazy ein Schüler der russischen Klavierschule war, meistert diese Aufgabe bravourös. Er gibt dem gewaltigen Klavierkonzert Nr. 2 selbst im treibenden "Scherzo: Vivace" die richtige Kontur und spielt im gewaltigen "Finale: Allegro tempestoso" die Schönheit dieses Werks heraus. Im Gegensatz dazu steht das Klavierkonzert Nr. 3, das zu den populärsten Klavierkonzerten des 20. Jahrhunderts zählt. Komponiert in der Bretagne, wohin Prokofjew vor der Oktoberrevolution geflohen war, vermischt es die tiefen russichen Gefühle mit der leichten Lebensart im Exil. Die noch "brave" Aufnahme des Wunderkinds Kissin, die 1994 mit dem damals 13-jährigen erschien, revidiert er von Grund auf. Gefühlvoll und verträumt, aber auch explosiv im Finale behauptet er sich als Meister für dieses Konzert.
Birgit Schlinger