Als medienwirksamer Selbstdarsteller ist der Wendler schon ziemlich gut - ob in einer Dokusoap auf Sat.1 oder beim öffentlich ausgetragenen Disput mit Howard Carpendale. Noch besser ist er freilich allemal mit seiner Musik. Die neue CD verdeutlicht, dass er von seinem hohen Anspruch nicht ablässt, dem deutschen Schlager eine dauerhafte Frischzellenkur zu verpassen.
Denn der Wendler, das sollte man nicht vergessen, ist Musiker durch und durch. Seit 2000 hat er ein gutes Dutzend Alben veröffentlicht. "Jackpot" ist sein vierter Longplayer bei Sony Music Ariola - und er überragt die Vorläufer in Sachen Songwriting und Produktion noch um ein beträchtliches Stück. Dabei bleiben der 37-jährige Künstler und sein langjähriger Produzent Hermann Niesig ihrem Konzept treu: Sie verbinden konsequent die Melodienseligkeit des deutschen Schlagers mit der Beatlastigkeit der Dancemusik und kreieren damit tatsächlich etwas Neues.
Auch auf "Jackpot" arbeiten alle Songs mit Ausnahme der atmosphärischen Ballade "Sommerregen" mit harten Bässen und durchgehenden Bassdrums, wie man sie vom Techno kennt. Von der elektronischen Musik übernahmen Wendler und Niesig auch das minimalistische Prinzip, auf allen überflüssigen Zierrat wie überbordende Arrangements oder einen dritten Songteil nach Strophe und Refrain zu verzichten.
Doch die beiden sind auch offen für Experimente geblieben und lassen beim Beitrag für die Kulturhauptstadt 2010, "Wir aus dem Revier", E-Gitarren losrocken oder setzen im Titel "Dieser Brief" einen Frauenchor ein. Auch ein kleines "Da Da Da"-Zitat von Trio darf einmal kurz aufleuchten. Eine wichtige Rolle für Wendler spielen auch die Texte, in denen er mitunter mit selbstkritischen Formulierungen überrascht. "Piloten wie wir haben keine Angst, fliegen viel zu hoch, stürzen dabei tief", singt er etwa im Eröffnungstrack des Albums. Auch ansonsten durchziehen immer wieder Loser-Typen und Männer, denen die Frau davongelaufen ist, seine Texte. Damit bilden sie einen angenehmen Kontrast zu den Macho-Projeketionen, die er mit weit aufgeknöpftem Hemd live vor seinen Fans verkörpert.
Erstaunlich ist auch, dass ihm die Inspiration nicht ausgeht. Jedes Jahr ein neues Album - das ist eine hohe Meßlatte, an der "Jackpot" allerdings nicht scheitert. Mit dieser CD untermauert Michael Wendler seinen selbstgesteckten Anspruch, "König des Popschlagers" zu sein.
Dietmar Schwenger
Als medienwirksamer Selbstdarsteller ist der Wendler schon ziemlich gut - ob in einer Dokusoap auf Sat.1 oder beim öffentlich ausgetragenen Disput mit Howard Carpendale. Noch besser ist er freilich allemal mit seiner Musik. Die neue CD verdeutlicht, dass er von seinem hohen Anspruch nicht ablässt, dem deutschen Schlager eine dauerhafte Frischzellenkur zu verpassen.
Denn der Wendler, das sollte man nicht vergessen, ist Musiker durch und durch. Seit 2000 hat er ein gutes Dutzend Alben veröffentlicht. "Jackpot" ist sein vierter Longplayer bei Sony Music Ariola - und er überragt die Vorläufer in Sachen Songwriting und Produktion noch um ein beträchtliches Stück. Dabei bleiben der 37-jährige Künstler und sein langjähriger Produzent Hermann Niesig ihrem Konzept treu: Sie verbinden konsequent die Melodienseligkeit des deutschen Schlagers mit der Beatlastigkeit der Dancemusik und kreieren damit tatsächlich etwas Neues.
Auch auf "Jackpot" arbeiten alle Songs mit Ausnahme der atmosphärischen Ballade "Sommerregen" mit harten Bässen und durchgehenden Bassdrums, wie man sie vom Techno kennt. Von der elektronischen Musik übernahmen Wendler und Niesig auch das minimalistische Prinzip, auf allen überflüssigen Zierrat wie überbordende Arrangements oder einen dritten Songteil nach Strophe und Refrain zu verzichten.
Doch die beiden sind auch offen für Experimente geblieben und lassen beim Beitrag für die Kulturhauptstadt 2010, "Wir aus dem Revier", E-Gitarren losrocken oder setzen im Titel "Dieser Brief" einen Frauenchor ein. Auch ein kleines "Da Da Da"-Zitat von Trio darf einmal kurz aufleuchten. Eine wichtige Rolle für Wendler spielen auch die Texte, in denen er mitunter mit selbstkritischen Formulierungen überrascht. "Piloten wie wir haben keine Angst, fliegen viel zu hoch, stürzen dabei tief", singt er etwa im Eröffnungstrack des Albums. Auch ansonsten durchziehen immer wieder Loser-Typen und Männer, denen die Frau davongelaufen ist, seine Texte. Damit bilden sie einen angenehmen Kontrast zu den Macho-Projeketionen, die er mit weit aufgeknöpftem Hemd live vor seinen Fans verkörpert.
Erstaunlich ist auch, dass ihm die Inspiration nicht ausgeht. Jedes Jahr ein neues Album - das ist eine hohe Meßlatte, an der "Jackpot" allerdings nicht scheitert. Mit dieser CD untermauert Michael Wendler seinen selbstgesteckten Anspruch, "König des Popschlagers" zu sein.
Dietmar Schwenger