Wer den Urlaub als Statussymbol nutzt, sieht ganz schön alt aus, wenn die schönsten Wochen des Jahres plötzlich wegen Geldmangel ins Wasser fallen. Um sein Image zu retten, verbringt Manager Albert Bursche mit Frau und Tochter 14 Tage versteckt im hauseignen Keller statt in der Südsee. Ein Aufenthalt, der Konflikte aufbrechen und Herbert Knaup als gestressten Spießer neue Facetten seines Könnens demonstrieren läßt.
Die Bursches wohnen in einem Nobel-Vorort Münchens, Papa verdient die Moneten, Mama und Tochter geben sie aus. Ganz einfach. Doch als der Finanzmanager von seinem Anlageberater aufs Kreuz gelegt wird, der mit den Millionen seiner Kunden verschwindet, steht das Leben plötzlich Kopf. Papa ist pleite, die geplante Reise in die Südsee platzt. Erst am Flughafen klärt Albert Bursche seine perplexe Familie auf. Nach einigem Hin und Her landen die Drei im ungemütlichen Keller, wo sie die Zeit bis zum Ferienende totschlagen müssen. Nicht nur, daß der Kollege und Nachbar (Ben Becker als Stinkstiefel ideal besetzt) sich als intrigantes Schwein entpuppt, auch zwischen den Familienmitgliedern kriselt es. Als dann auch noch ein jugendlicher Einbrecher zu dem Trio stößt, ein defekter Haupthahn die kleine Kellerwelt unter Wasser setzt, gibt es nur noch eins: Flucht nach vorn!
Wer zuletzt lacht, lacht am besten - könnte man die Philosophie dieser satirischen Familien- und Gesellschaftskomödie bezeichnen. In seinem ersten Kinofilm skizziert Thomas Bahman "the worst case", der in der High Society passieren kann: Finanziell nicht mit den anderen mithalten zu können. Deshalb bemüht sich Albert Bursche auch mit aller Kraft, sein Gesicht zu wahren, statt die Wahrheit zuzugeben. Denn Wahrheit heißt Schwächen. Der Schein bestimmt das Bewußtsein! Mit Situationskomik skizziert Bahmann das Dilemma, ohne seine Protagonisten lächerlich zu machen. Trotz flotter Unterhaltung verzichtet "Südsee, Eigene Insel" nicht auf ernste Untertöne, karikiert genüßlich Statussymbole und Mittelstandsträume, entlarvt die nette Vorstadtidylle als Haifischbecken. Der ganz normale Alltag, sprich Wahnsinn zeigt sich hier von seiner besten Seite. Das Personal ist bis in die Gastauftritte (u.a. Franka Potente als Supermarktkassiererin) vom Feinsten. Zwar verschießt der Regie-Debutant den größte Teil seines Pulvers in der ersten Hälfte, in der zweiten Hälfte wird zeitweise nur nachtarockt, aber dennoch hält sich die Stimmung. Und wenn am Ende der langweilige Karrierist Bursche die subversive Lust des Bösen entdeckt und schlitzohrig seine Feinde ausbootet, sollte auch das Publikum zufrieden sein. mk.
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