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★★★★★
☆☆☆☆☆
...gehe ich auch
Marla M. - Bewertet am 15.08.2025
Zustand: Exzellent
Zuerst einmal hat mir das Buch haptisch sehr gut gefallen, es ist trotz der 400 Seiten leicht und das Design des Umschlags und des Einbands gefällt mir sehr gut.
Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung lag, aber sprachlich war es leider sehr sperrig. Manchmal waren zudem die wechselnden Zeitformen… und Perspektiven verwirrend und die Entscheidung, warum welche Zeit- und Erzählformen gewählt wurden, hat sich mir nicht erschlossen.
Nichtsdestotrotz war die Geschichte des Buchs unheimlich mitreißend und die beiden Hauptcharaktere schillernd und vielschichtig. Mira habe ich über den Verlauf der Geschichte immer mehr nachfühlen gelernt und auch Bijoux' Geschichte hat mich stark berührt. Gerade unter dem Gesichtspunkt transgenerationalen Traumas, dem Hintergrund der Geschichte Kongos und seiner Diaspora und der einfühlsamen Erzählweise von Christina Fonthes war dieses Buch eine bedeutsame Lektüre.
!Achtung!: Das Buch behandelt viele schwierige Themen - es geht um Queerfeindlichkeit, sexuelle Gewalt und Femizide.
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☆☆☆☆☆
Große Themen
Julia P. - Bewertet am 05.08.2025
Zustand: Exzellent
"Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes war ein Genuss. Vor allem tut es sehr gut, eine queere Geschichte mit kongoleischer Perspektive zu lesen.
Im Zentrum des Romans stehen zwei Frauen: Bijoux, eine junge lesbische Frau, die zu ihrer Tante nach London geschickt wird. Und Mira, die ein Leben… voller Verlust lebt. Was anfangs wie ein Konflikt zwischen Generationen wirkt, wird schnell komplexer. Es geht um Selbstbestimmung, Trauma und um Liebe - queere Liebe, Liebe in der Familie, Mutterliebe. Auch einen Hauch Geschichte und politischen Aktivismus bekommt man mit. Die Geschichte spielt in Kinshasa, Brüssel, Paris und London.
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr ansprechend. Sie schreibt elegant, aber schnörkellos. Vor allem das Foreshadowing, bei dem man einige Plot Twists schon erahnen kann, hat mich abgeholt.
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☆☆☆☆☆
Zuhause kann ich ich sein.
Helene r. - Bewertet am 29.07.2025
Zustand: Sehr gut
Mit ihrem Debütroman „Wohin du auch gehst“ erzählt die Autorin Christina Fonthes eine emotional mitreißende, lebhafte Geschichte über das Leben von queeren Afrikaner:innen und generationsübergreifenden Fehlern.
Wie es von dem Verlag Diogenes gewohnt ist, sagt das Cover von alleine nicht viel aus. Es… ist eine schwarze Frau mit einem Afro abgebildet, die die lesende Person direkt anschaut. Hierbei könnte es sich um eine der Protagonistinnen Bijoux oder Mira handeln, richtig deutlich wird es jedoch nicht. Auch der Buchdeckel ist sehr schlicht, in einem dunklen Blau, gehalten. Bestimmt hätte man eine etwas auffälligere Gestaltung wählen können, was jedoch nicht mit der Devise des Verlages übereinstimmt.
Die Themen sind sehr hart und vielfältig. Es geht um Selbstbestimmtheit, Sexualität, Vergewaltigungen, Religion, Geschlechterrollen und Vorurteile. Diese Themen werden an der Geschichte von Mira und Bijoux dargestellt. Bijoux ist queer und ihre Tante kann dies nicht akzeptieren. Aber auch Mira hat in ihrem Leben bereits schlimmes erlebt und konnte dies nicht wirklich aufarbeiten. Die Geschichte ist allesamt rund und auch zum Ende tun sich stetig Plot Twists auf. Manchmal kann man diese vorahnen, meist kommen sie jedoch aus dem Nichts. Es war wirklich bis ganz zum Ende spannend.
Auch die Charaktere sind sehr authentisch. Man kann insbesondere mit den Protagonistinnen sympathisieren und deren Geschichte nachvollziehen.
Der Schreibstil ist erwähnenswert, da immer wieder Begriffe aus der Sprache der Einheimischen aus der Demokratischen Republik Kongo verwendet, da dort die Charaktere herkommen. Die kann für einige Menschen bestimmt etwas verwirrend wirken, hat mir jedoch geholfen mich in die Geschichte einzufühlen.
Ich kann den Roman allen Menschen empfehlen, die ihr Sichtfeld erweitern wollen, speziell in dem Bezug auf das Verständnis von Queerness in Mittelafrikanischen Ländern, spezifisch Kongo. Ich kann die Empfehlung nicht auf eine Altersgruppe festmachen, da ich denke, dass fast alle Menschen etwas finden, mit dem sie resonieren können.
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☆☆☆☆☆
Schweigen ist eine Sprache – und dieser Roman übersetzt sie
Mirjan S. - Bewertet am 25.07.2025
Zustand: Exzellent
Was bedeutet es, zu sich selbst zu stehen, wenn Familie, Religion und Gesellschaft etwas anderes verlangen? Christina Fonthes' Roman "Wohin du auch gehst" stellt diese Frage mit Wucht, Tiefe und vielschichtiger Emotionalität. Ein Buch, das mich nicht losgelassen hat.
Schon der Klappentext hat mich… neugierig gemacht, die Leseprobe dann restlos überzeugt. Und ich kann sagen: Die 400 Seiten sind intensiv, literarisch durchdrungen von Schmerz, Hoffnung, Liebe und Wut. Ich bin durch sie hindurchgeflogen und wurde dabei immer wieder innegehalten.
Denn Fonthes erzählt in poetischer, atmosphärisch dichter Sprache die Geschichte von Bijoux, die nach politischen Unruhen im Kongo zu ihrer Tante nach London geschickt wird. Dort verliebt sie sich in ein Mädchen, während sie in einem religiös geprägten Haushalt aufwächst, der von Regeln, Schuld und Schweigen geprägt ist.
"Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." (S. 15) – Dieser Satz beschreibt nicht nur das emotionale Klima, in dem Bijoux aufwächst, sondern auch den Sound des Romans. Fonthes beherrscht es meisterhaft, das Unsagbare zwischen die Zeilen zu schreiben: koloniale Traumata, sexualisierte Gewalt, religiöse Indoktrination, lesbische Liebe und der unbändige Wunsch nach Zugehörigkeit.
Die Figuren, allen voran Bijoux und Tantine Mireille, sind vielschichtig und glaubhaft. Mira etwa wirkt lange wie eine Gegnerin, bis ihr eigener Schmerz deutlich wird. Die Art, wie Fonthes unterschiedliche Frauenschicksale verwebt, hat mich bewegt. Dabei spart sie Gewalt nicht aus. Doch auch diese Momente sind fein eingebettet: nie voyeuristisch, nie effekthascherisch.
Der Roman verhandelt große Themen: Kolonialismus, postmigrantische Identität, queeres Begehren und queere Identität, religiöse Machtstrukturen und generationsübergreifende Traumata. Das Glossar mit Lingala-Begriffen ist hilfreich, wobei ich mir die Erklärungen/Übersetzungen lieber als Fußnoten gewünscht hätte. Besonders gelungen finde ich, wie Fonthes die inneren Konflikte von Bijoux mit ihrer Umgebung verschränkt: London, Kinshasa, Paris – all diese Orte sind nicht nur Kulisse, sondern emotionale Koordinaten.
Fazit: "Wohin du auch gehst" ist ein literarisch eindrucksvolles Debüt, das mit seiner sprachlichen Kraft und thematischen Dichte besticht. Es erzählt davon, wie schwer es ist, sich selbst zu finden, wenn die Welt einen in Rollen zwingt. Die emotionale Tiefe, die gesellschaftliche Relevanz und die eindrucksvoll gezeichneten Figuren machen das Buch für mich zu einem Lesehighlight. Es klingt lange nach und erinnert an Werke von Bernardine Evaristo, Chimamanda Ngozi Adichie, Mirrianne Mahn oder Amanda Peters.
Vielen Dank an @lovelybooks.de, @diogenesverlag und @christinafonthes für das kostenlose Rezensionsexemplar.