Schuld-und-Sรผhne-Epos รผber einen zum รuรersten getriebenen Bankrรคuber und einen Polizisten, der widerwillig zum Helden wird.
Mit "Blue Valentine" hatte sich Derek Cianfrance als eines der interessantesten Talente der amerikanischen Independentszene empfohlen, der seinen beiden Hauptdarstellern Ryan Gosling und Michelle Williams ungewรถhnlich intensive Leistungen abrang. Auf hรถchstem Niveau arbeiten nun auch die Schauspieler seines zweiten Films. Es ist ein faszinierendes und packendes Werk, das auf epischer Leinwand gemalt wurde und doch vor allem intime Charakterstudie ist, mit dem der Filmemacher das mit dem Debรผt abgegebene Versprechen einlรถsen will.
Es ist auch Cianfrances zweite Zusammenarbeit mit Ryan Gosling, der hier in einer Rolle zu sehen ist, die wie ein leises Echo seiner Figur aus "Drive" wirkt: ein mit Tattoos รผbersรคter Motorradstuntfahrer im zerfledderten Metallica-Shirt, der seinen Job auf dem Rummel kรผndigt, als er wieder Kontakt mit einer jungen Frau aufnimmt, mit der er eine Affรคre hatte, und erfรคhrt, dass er Vater eines einjรคhrigen Sohnes ist. Um an seinem Leben Teil haben zu kรถnnen und von dem Gefรผhl erfรผllt, fรผr ihn sorgen zu mรผssen, beginnt er Banken auszurauben. Cianfrance hat seine Geschichte aus der amerikanischen Kleinstadt Schenectady, was in der Indianersprache "Ort unter den Pinien" heiรt, als ambitioniertes Schuld-und-Sรผhne-Epos angelegt, das รผber 15 Jahre hinweg drei groรe Geschichten erzรคhlt.
Auf Goslings Handlungsstrang folgt die Geschichte eines aufrechten Cops, gespielt von "Silver Linings"-Star Bradley Cooper, der an den Folgen eines heldenhaften Einsatzes zu zerbrechen droht. Schlieรlich bringt der Film die beiden mittlerweile jugendlichen Sรถhne der beiden Mรคnner zusammen, die ernten, was die Vรคter gesรคt haben. Ein intensiver Film, der sich erzรคhlerisch ein paar ausgesprochen mutige Dinge erlaubt, die einem den Atem rauben. Doch hรคtte er davon profitiert, wenn er trotz einer Laufzeit von 140 Minuten vielleicht noch 20 Minuten lรคnger gewesen wรคre: Die Zuspitzung der Konflikte kommt zu schnell, wirkt, wie auf einer Checkliste abgehakt, um restlos zu รผberzeugen. Das hรคtte dieser รผber weite Strecken elektrisierende und immer sehenswerte Film รผber Mรคnner, die von ihrem inneren oder รคuรeren Schmerz zu extremen Handlungen getrieben werden, allemal verdient. ts.
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