Liebe, Intrige und hohe Politik - in seinem warmherzig-humorvollen "Nähkästchenfilm" erzählt Roger Michell von einem geschichtsträchtigen Wochenende 1939 am Sommersitz von Präsident Roosevelt.
Er war in vielerlei Hinsicht der ungewöhnlichste aller US-Präsidenten: Franklin Delano Roosevelt. Er brachte es auf vier Amtsperioden, führte das Land mit seinem "New Deal" aus der "Großen Depression" und wurde für seine "Good Neighbor Policy", seine staatsinterventionistische Sozial- und Wirtschaftspolitik, geschätzt. Zudem war er ein extrem reicher Mann, seit einer schweren Erkrankung im Jahr 1921 auf einen Rollstuhl angewiesen und obendrein - geduldet von seiner hemdsärmeligen Gattin Eleanor - ein notorischer Schürzenjäger. Letzterer Aspekt steht im Mittelpunkt von "Hyde Park on Hudson".
An einem Juni-Wochenende im Jahr 1939, der Zweite Weltkrieg steht kurz bevor, erwarten Roosevelt und seine Frau auf ihrem Titel gebenden Landsitz hohen Besuch: Als erste britische Monarchen überhaupt beehren King George VI und seine Gemahlin - das bekannte Paar aus "The King's Speech" - die USA mit einer Stippvisite. Unter den handverlesenen Gästen weilt auch Margaret 'Daisy' Stuckley, eine entfernte Cousine des Staatsoberhaupts, mit der er eine Liebesaffäre unterhält.
Für den Mann, nicht den politischen Strippenzieher, interessieren sich Regisseur Roger Michell ("Notting Hill") und Drehbuchautor Richard Nelson ("Etham Frome") in dieser warmherzigen, mit leichter Hand inszenierten Komödie. Laura Linney "erblüht" vom schüchternen Landei zur selbstbewussten Mätresse, arrangiert sich mit ihrer Nebenbuhlerin, der Sekretärin des Präsidenten, und führt als Off-Erzählerin durch die Handlung. Der Zuschauer wird Zeuge eines stürmischen Wochenendes voller Heimlichkeiten. US-Pragmatismus trifft auf britischen Snobismus, (Polit-)Differenzen werden bei Whiskey im Herrenzimmer beigelegt, beim offiziellen Picknick - very shocking! - Hot Dogs serviert und am Ende rücken Nationen wie Personen näher aneinander als zu vermuten stand.
Herz des Films ist der groß aufspielende Bill Murray, der den Präsidenten schlitzohrig zum Leben weckt, genüsslich seine Zigaretten raucht und als Charmeur alter Schule im Stil eines Cary Grant die Damenwelt verzaubert. Als royales Paar - er geerdet, sie hochnäsig - gefallen Samuel West und Olivia Colman, Olivia Williams spielt die First Lady mit Esprit und scharfem Witz. Bestes britisches "Klassenkampf"-Kino in der Tradition von James Ivory, von Lol Crawley in wunderbaren flirrenden Sommerbildern fotografiert, erlesen ausgestattet und mit einem akkurat swingendem Soundtrack versehen. 'S wonderful! 'S marvelous! geh.