Science-Fiction-Drama von Christopher Nolan über die waghalsige Suche nach einer zweiten Erde und die Zukunft der Menschheit.
Ein Jahr, nachdem Alfonso Cuarón die Zuschauer spektakulär ins Weltall schickte, legt Christopher Nolan Matthew McConaughey den Raumanzug an. Doch anders als "Gravity", der fast ausschließlich das Auge ansprach, zielt Nolan vor allem aufs Herz. Der Regisseur, der sich mit Blockbustern wie der "Dark Knight"-Trilogie und "Inception" auf dem Hollywood-Olymp verewigte, drehte mit "Interstellar" seinen emotionalsten Film. Zwar verzichtet er nicht auf smarte Gedankenspiele, die bereits "Inception" prägten, doch philosophische Fragen über die Eigenart von Menschlichkeit, die Bedeutung des Individuums vs. einer ganzen Spezies sowie die zerstörerische Kraft der Zeit werden nie zum Selbstzweck, sondern bleiben eingebettet in eine bewegende Geschichte über die tiefe Liebe zwischen Vater und Tochter.
Angesiedelt in nicht allzu ferner Zukunft ist die Welt Opfer verheerender Ernteverluste. Die Ernährung der Menschheit ist aussichtsloses Ziel aller Regierungen. Und so ist auch Cooper, einst bester Pilot der NASA, mittlerweile Farmer, der gegen die Staubstürme ankämpft. John Steinbecks "Früchte des Zorns" kommt einem dabei in den Sinn, und Nolan zitiert ganz offen aus Terrence Malicks "In der Glut des Südens". Doch da die Hoffnung bekannterweise zuletzt stirbt, hält ein geheimes NASA-Projekt für Cooper noch die größte Aufgabe seines Lebens bereit: Vor Jahren wurden Astronauten durch ein Wurmloch in entfernte Galaxien geschickt, um nach einer Erde 2.0 Ausschau zu halten. Nun gibt es vielversprechende Nachrichten aus den Tiefen des Alls.
Die eigentliche Reise in die unendlichen Weiten gerät Nolan im Mittelteil dann etwas zu lang und ist nicht immer zwingend erzählt. Auch die Erwartungen an die Optik kann der vor allem auf diesem Gebiet so visionäre Filmemacher nicht immer erfüllen. Teilweise greift Nolan gar auf eigene Bilder zurück, die er bereits in "Inception" auf die Leinwand zauberte. Am stärksten ist das von Nolan und seinem Bruder Jonathan verfasste Script, wenn es ganz nahe an seiner Hauptfigur und dessen Zweifeln ist. Als Cooper etwa nach einem Erkundungstrip, der für ihn nur Stunden, in Erdenzeit aber mehrere Jahrzehnte dauerte, die in der Zwischenzeit gesendeten Videobotschaften seiner Familie sichtet und in Zeitraffer das Erwachsenwerden seiner Kinder erlebt, kann man sich der Kraft der Szene nicht entziehen. Und wie Nolan am Schluss das Schicksal der Menschheit mit dem kleinen Kosmos eines Kinderzimmers und den unverrückbaren Konsequenzen darin getroffener, ganz persönlicher Entscheidungen verbindet, ist schlicht großes Kino. mahe.
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