"Ich glaube mir gefรคllt es hier", singt Annie auch in dieser Neuverfilmung des Musicalhits - und die jungen Fans werden ihr zustimmen.
Abgesehen von Bรผhnenfassungen populรคrer Filmerfolge wie "Der Kรถnig der Lรถwen" oder "Chitty Chitty Bang Bang", ist "Annie" das kindertauglichste Musical. Die zweite Verfilmung des Bรผhnenklassikers entfernt sich weit von der Vorlage, prรคsentiert sich als familienfreundliches Update, das die dรผstersten Momente des Originaltextes ausspart und ganz auf die Natรผrlichkeit von Hauptdarstellerin Quenvenzhanรฉ Wallis setzt.
Darstellerisch gefordert wird die Entdeckung aus "Beasts of the Southern Wild" hier mit der Anforderung Permanentlรคcheln nicht. Zudem wird ihre Gesangsleistung hierzulande unbeurteilt bleiben, weil man sich, wie schon bei John Hustons "Annie", entschloss, die Bรผhnen-Songs deutsch einzusingen. Gerade bei der Titelfigur ist das Ergebnis besser als noch bei Huston, aber im Mix mit hinzugefรผgten Popsongs, unter anderem von Sia, so merkwรผrdig wie mitunter die Kluft zwischen Jamie Foxx' Sprech- und Gesangsstimme. Die Zielgruppe, junge Mรคdchen mit Girl-Entourage oder Begleitfamilie, wird sich davon nicht stรถren lassen, sondern mitfiebern mit dem aufgeweckten Pflegekind, das davon trรคumt, endlich seine Eltern zu finden, sich bis dahin aber mit einer rotzigen, verbitterten und notgeilen Pflegemutter (Cameron Diaz) zufriedengeben muss. Als Milliardรคr Stacks (Jamie Foxx) wรคhrend seines Wahlkampfs fรผr den Bรผrgermeisterposten Annie vor einem schweren Unfall bewahrt, wittert sein Berater die groรe Chance, das Image des unnahbaren Keimphobikers aufzubessern. So zieht das positive Energiebรผndel in das sterile Penthouse von Stacks ein und stellt sein Leben wie auch das seiner Vizeprรคsidentin (Rose Byrne) auf den Kopf.
Vom finsteren Subtext der Groรen Depression der 1930er Jahre befreit und ins New York der Gegenwart verlegt, ist dieses moderne Update fรผr junge (brave) Zuschauer perfekt geschnรผrt. Wallis hat Charme, Foxx und Byrne spielen erwachsene Kinder, die Choreografie hat Wipp-Faktor, soziale Medien sind dramaturgisch eingebunden, und einen niedlichen Hund gibt es auch noch. "Annie" ist ein wรคrmendes musikalisches Mรคrchen fรผr die Winterzeit, das die im Marketing gezeigte Scheu, als Musical wahrgenommen zu werden, nicht nรถtig hรคtte. kob.