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Beschreibung
Heutzutage ist der Name des Schriftstellers Hans Grimm nur noch wenigen bekannt, „Volk ohne Raum“ dagegen noch vielen geläufig, als ein auch in den „Büchmann“ aufgenommenes Schlagwort, nicht als Titel des Buches, das 1356 Seiten umfasst und in mehreren Auflagen gedruckt wurde. Etwa eine Million Exemplare sollen verkauft worden sein. Kein Wunder, dass der Bekanntheitsgrad Grimms auf dieses Buch zurückgeht. Noch weniger erstaunlich, dass die Nationalsozialisten sich des schlagwortartigen Buchtitels bemächtigten, konnte er doch geopolitisch eingesetzt werden. „Volk ohne Raum“ wurde zur Devise für die spätere Eroberungspolitik Hitlers, vor allem in Polen und der UdSSR. Aus seinem antidemokratischen und antiliberalen Denken hat Grimm, der sich gegenüber Goebbels als „Nationalsozialist außerhalb der Partei“ bekannte, nie ein Hehl gemacht. Seit 1927 mit Goebbels freundschaftlich verbunden, wurde Grimm 1933 zum Senator der Preußi-schen Akademie der Künste ernannt und war zwischen 1933 und 1935 Präsidialrat der Reichsschrifttumskammer. „Volk ohne Raum“ hatte Grimm so bekannt gemacht, dass er schon 1928 zu einem von ihm angestrebten Gespräch bei Hitler vorgelassen wurde. Zu denen, die außerdem mit Grimm zusammenkamen, gehörten neben anderen der Politiker Alfred Hugenberg, der Journalist Paul Fechter, der Schriftsteller Arnolt Bronnen, aber auch der Diplomat Ulrich von Hassell, in späteren Jahren führendes Mitglied des Widerstands. Anhänger Grimms betonen gern diese andere Seite in seiner Biographie: Ab 1934 veranstaltete Grimm - ohne parteiliche Erlaubnis - die „Lippoldsberger Dichtertreffen“. Deren etwas „negative Tendenz“ und Briefe Grimms an Innenminister Frick über Wahlfälschungen führten zum Konflikt mit seinem einstigen Förde-rer Goebbels, der dem Schriftsteller gar mit KZ-Einweisung drohte. Danach kühlte Grimms Begeisterung für den Nationalsozialismus etwas ab – ganz erloschen ist sie nie. Immerhin: Seine Position in Akademie und Reichsschrifttumskammer führten dazu, dass er oft um Hilfe und Rat gebeten wurde, die er bereitwillig gab, ohne dabei politische Rücksichten zu neh-men. Als Grimms ehemaliger militärischer Vorgesetzter Paul Landau seiner jüdischen Her-kunft wegen die Existenzgrundlage zu verlieren drohte, versuchte Grimm ihm gemeinsam mit dem Balladendichter Börries von Münchhausen versuchten Landau zu helfen, letztlich ver-geblich. Andererseits hat Grimm kaum eine Gelegenheit ausgelassen, seine Distanz zu Ju-den und besonders zu jüdischen Kollegen zu betonen. Nach 1945 verstieg er sich sogar da-zu, die Anzahl der ermordeten Juden schlichtweg in Abrede zu stellen. Grimm konnte für sich geltend machen, nie „Pg.“ gewesen zu sein. An Hitler freilich hielt er mit Einschränkungen fest: „Ich schätze Hitler nicht als ersten Ranges. Aber wer ist das über-haupt? Er hat etwas zuwege gebracht aus der Not der Zeit heraus, was unbedingt notwendig ist, und was wir anderen nicht zuwege gebracht haben, und was, wenn wir überhaupt eine nationale Zukunft haben wollen, unbedingt nicht verloren gehen darf ,sondern nur wieder sauber gemacht werden muss.“ Im übrigen unterschied er einen angeblich ursprünglichen, sauberen Nationalsozialismus vom „Hitlerismus“. Und nach Kriegsende schlug er neonazisti-sche Töne an. Wer also war Hans Grimm? Manfred Franke liefert in diesem Buch einen Beitrag zur Klärung seines politischen Denkens. Er hat dazu den Nachlass Hans Grimm herangezogen, der im Deutschen Literaturarchiv in Marbach / Neckar (DLA) aufbewahrt wird. Franke wertet insbe-sondere Grimms Briefe aus, denn in ihnen hat sich Grimm oft unmittelbarer geäußert als in den von vornherein zur Publikation bestimmten Texten. Franke zitiert aus zahlreichen bisher unveröffentlichten Quellen und leistet nicht nur einen Beitrag zur politischen Biographie Hans Grimms, sondern gibt auch wesentliche Einblicke in das Beziehungsgeflecht völkisch-nationaler und nationalsozialistischer Intellektueller bis in die Anfänge der Bundesrepublik hinein – ein Kontinuum also weit über die NS-Zeit hinaus.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
26.01.2009
Sprache
Deutsch
EAN
9783894981921
Herausgeber
SH-Verlag
Sonderedition
Nein
Autor
Manfred Franke
Seitenanzahl
200
Auflage
1
Einbandart
Taschenbuch
Buch Untertitel
Ambivalenzen im politischen Denken und Handeln des Schriftstellers Hans Grimm
Schlagwörter
Schriftsteller, Nationalsozialimus
Höhe
205 mm
Breite
12.5 cm

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