Nach "Monsieur Claude und seine Töchter" überzeugt ein grandioser Christian Clavier erneut in einer Glanzrolle.
Wer kennt das nicht? Da beginnt ein Tag wie er besser nicht sein könnte und dann driftet alles in einen Albtraum. Genau das passiert dem 60jährigen Zahnarzt Michel Leproux, der auf dem Flohmarkt eine seltene Jazz-Platte von einem gewissen Neil Youart findet und gerne ein paar Euro zu viel dafür zahlt. Der Titel "Me, Myself and I" passt genau auf diesen Egoisten, der nur eines will, für sich allein die Musik genießen. An diesem Samstag eine Unmöglichkeit. Die Gattin beichtet ihm ganz plötzlich eine Uralt-Affäre, seine vernachlässigte Geliebte und beste Freundin seiner Frau steht mit Gewissensbissen vor der Tür, der 30jährige Filius schleppt eine Gruppe von "Sans Papiers" an, die angeheuerten Schwarzarbeiter sorgen für einen Wasserschaden und das vom nervigen Nachbarn organisierte Hausfest wird auch noch in seine Wohnung verlegt. Keine Stunde Ruhe.
Das zu Grunde liegende Theaterstück von Florian Zeller ist bestes Boulevardtheater: zeitlos, leicht verständlich und mit populärem Humor, dazu gibt es erotische Verwicklungen und das übliche Türenschlagen und Rennen von einem Raum in den anderen. Nur wenige Szenen spielen außerhalb der Wohnung. Diese Zutaten mischt Patrice Leconte zu einer bösen und gleichzeitig herzlichen Komödie und kann sich dabei auf ein tolles Personal stützen. Allen voran Christian Clavier ("Monsieur Claude und seine Töchter"), der souverän den Menschenfeind à la Molière mimt, der glaubt, mit einem heißen Bad Carole Bouquet als leicht depressive Ehefrau bei Laune zu halten und vergeblich Valérie Bonneton als hysterische Gespielin beruhigen will. So richtig heftig wird mit allen möglichen Vorurteilen gespielt. Im Stil und der Tradition von Georges Feydeau, einem der erfolgreichsten und letzten Autoren des Vaudevilles, nimmt Leconte die Doppelmoral der Bourgeoisie unter die Lupe, ein Hort der Lüge und des schönen Scheins, die widerborstige spanische Zugehfrau könnte einem Almodovar-Film entsprungen sein, der fleißige polnische Handwerker entpuppt sich als fauler Portugiese und das Nachbarschaftsfest sorgt nicht für Friede, Freude, Eierkuchen, sondern provoziert Unfrieden und Streit. Wenn am Ende des Chaos-Tages überraschend ein ganz unverhoffter Moment der Ruhe und Besinnung einkehrt, liebt man diesen verrückten Haufen, vor allem den Mann, der eigentlich doch nur von einer Stunde Ruhe träumte. mk.
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