Doug Ellin wirft in der Spielfilmversion seiner gleichnamigen Kultserie einen halb voyeuristischer, halb satirischer Blick hinter die Kulissen Hollywoods.
"Eine Art Sopranos Junior in Hollywood", hatte Serienschöpfer Doug Ellin im Sinn, als er 2004 "Entourage" HBO anbot. Die Geschichte eines aufstrebenden jungen Stars, der im Haifischbecken Hollywood scheitert, hatte er im Sinn. Die Verantwortlichen des Pay-TV-Senders wollten aber Comedy statt Drama, eine Show über einen erfolgreichen Schauspieler - und sie behielten Recht. Das Konzept kam bei den Sehern an, die acht Staffeln der inzwischen seit drei Jahren abgesetzten Serie wurden Kult.
Nun sind die Sonnyboys um Publikumsliebling Vincent Chase (Adrian Grenier) wieder da, für die Leinwand von Ellin persönlich in Szene gesetzt. Im Opener geht's kurz auf eine Yacht vor Ibiza. Die Drinks sind kalt, die Mädels heiß und Vince frisch geschieden. Nur ein paar Tage hat seine Ehe gedauert - "länger zumindest als die von Britney Spears", weiß einer aus dem Kumpelquartett, zu dem noch Vincents Halbbruder, Dumpfbacke Johnny Drama (superb: Kevin Dillon), Manager Eric (Kevin Connolly), genannt "E", sowie Partytier und Fahrer Turtle (Jerry Ferrara) gehören.
Als Inspiration für Vincent haben (wohl) Leben und Karriere des Unterwäschemodels, Hip-Hoppers und Schauspielers Mark Wahlberg gedient, der bei der Serie wie auch beim Film als Produzent firmiert. Eine gallige, souverän gehandhabte (Hochglanz-)Satire bekommt man geboten, die wie eine Quasi-Dokumentation anmutet. Als Action-Auteur will sich Vince versuchen, tatkräftig unterstützt wird er von seinem zum Studioboss aufgestiegenen Agenten Ari Gold, in dessen Part Jeremy Piven glänzt, der als fintenreicher Fiesling schon mit einem Golden Globe und drei Emmys belohnt wurde.
Lustvoll wird mit der Traumfabrik abgerechnet, im Hintergrund ziehen ein texanischer Rinderbaron (Billy Bob Thornton) und sein grenzdebiler Sohn (Haley Joel Osment) die (Finanz-)Fäden. Hinter den Glitzerfassaden tun sich Abgründe auf, Kreditkarten und Bettfedern glühen, der Alkohol fließt in Strömen. "I said I'd go, put myself on show. But I'm still trying to figure it out", kommentieren hellsichtig die Brit-Rocker von Royal Blood. Zig Promis, darunter Liam Neeson, Mike Tyson, Pharrell Williams, Jessica Alba und Kelsey Grammer, der gerade seinen Psychiater aufgesucht hat, geben sich in Cameos die Ehre. Am "Sunset Boulevard" hat sich nichts verändert - mehr Schein als Sein. geh.