Mit seinem Mix aus sanfter Coming-of-Age-Story und augenzwinkernder Karl-May-Hommage hat André Erkau im wahrsten Wortsinne einen besonderen Kinderfilm realisiert.
Der "Besondere Kinderfilm", eine Förderinitiative des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, der Filmwirtschaft und einiger Förderanstalten, hat es sich zum Ziel gesetzt, Projekte für ein junges Publikum zu unterstützen. Das von Anja Kömmerling und Thomas Brix verfasste Drehbuch zu "Winnetous Sohn" war Sieger der ersten Ausschreibung. Nun hat es André Erkau nach der Komödie ("Arschkalt") und der Dramödie ("Das Leben ist nichts für Feiglinge") mit viel Liebe zum Detail und den Figuren sowie voller Wortwitz und Situationskomik für die Leinwand adaptiert.
Zentraler Charakter der Geschichte ist der zehnjährige Max, der trotz Übergewicht, blassem Teint und dicker Brille in seinem tiefsten Inneren ein echter Indianer ist und sich deshalb auch wie ein Häuptling kleidet. Als er davon erfährt, dass man bei den Karl-May-Festspielen einen Darsteller für den Sohn Winnetous sucht, setzt er alles daran, diesen Part zu bekommen. Doch dazu muss er nicht nur reiten und Bogen schießen lernen, sondern auch seine privaten Probleme - die Eltern stehen kurz vor der Trennung - in den Griff bekommen.
Erkaus Kinderfilm ist deshalb so besonders, weil er seine Hauptfigur ernst nimmt, deren Schwierigkeiten thematisiert, aber immer wieder mit humorvollen Einschüben die Handlung auflockert. Spaß machen dabei die indianischen Weisheiten wie "Der weiße Mann hat die Uhr, aber wir haben die Zeit" oder "Bewahre die Wärme der Sonne in Deinem Herzen", in denen gleichzeitig auch so viel Wahrheit steckt, und die vielen namhaften erwachsenen Nebendarsteller wie Uwe Ochsenknecht als mürrischer General und Festspielleiter, Armin Rohde als tumber Sheriff oder Katharina Marie Schubert als herzensgute Squaw. Über der langsam wachsende Beziehung zwischen Max und dem gleichaltrigen, extrem introvertierten Morten, der Indianer anfangs komplett doof findet, kann Erkau außerdem längst vergessen geglaubte Werte wie Vertrauen und Freundschaft, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit transportieren.
So ist der kinotauglich bebilderte (imposante norddeutsche Windräderlandschaft) und mit einem eingängigen, Morricone-mäßigen Soundtrack untermalte Film zum einen augenzwinkernde Hommage an den großen Karl May, zum anderen auch ein sensibler Blick in das Gefühlsleben eines Zehnjährigen, mit dem man über seine Skurrilität viel lachen kann, der dabei aber selbst nie zum Gespött wird. lasso.
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