Zwei Wertewelten prallen bei Isabel Coixets sensiblem Drama aufeinander, als eine Autorin aus Manhattan bei einem indischen Taxifahrer Fahrstunden nimmt.
Die Filme von Isabel Coixet lassen sich nicht leicht kategorisieren, die Katalanin ist bekannt für (Liebes-)Dramen wie "Mein Leben ohne mich" oder "Eine Karte der Klänge von Tokio", in denen sie komplizierte Beziehungen analysiert. Um Kommunikation geht es dabei gerne - was sagen wir einander, was nicht, was passiert augenscheinlich, was unter der Oberfläche. Ein treffliches Beispiel hierfür ist ihre zehnte Leinwandarbeit "Learning to Drive - Fahrstunden fürs Leben", bei der sie nach "Elegy oder die Kunst zu lieben" wieder mit Patricia Clarkson und Ben Kingsley kooperiert.
Diesmal müssen ihre Helden, um mit ihrem Leben voran zu kommen, zu sich selbst finden. Einerseits die erfolgreiche, egozentrische New Yorker Autorin Wendy, die aus allen Wolken fällt, als ihr Mann ihr eröffnet, dass er sie verlassen will - und diesmal endgültig. Andererseits der in sich ruhende Sikh Darwan, Taxifahrer und Fahrlehrer, der vor der arrangierten Hochzeit mit einer Frau steht, die er nicht kennt. Die zwei treffen aufeinander, als Wendy Fahrunterricht nimmt. Sie benötigt einen Führerschein, um ihre Tochter (Grace Gummer), die in Vermont lebt, besuchen zu können.
Sensibel, humorvoll und mit viel Einfühlungsvermögen erzählt die Regisseurin eine ebenso einfache wie bewegende Geschichte über Neuanfang, Culture Clash und eine sich langsam anbahnende Freundschaft. Zögerlich nähern sich die gegensätzlichen Charaktere einander an, ihre unterschiedlichen Wertewelten werden diskutiert, ihre gegensätzlichen Lebensentwürfe beleuchtet. Ruhig bleibt der Ton, für die mild-humorvollen Momente ist Kingsley zuständig, der gewohnt nuanciert und überzeugend agiert - genauso wie Clarkson als prototypische Stadtneurotikerin.
Mit einem klassischen, im besten Sinne altmodischen Schauspielerfilm bekommt man es hier zu tun. Der Fokus liegt auf den beiden Protagonisten, die Nebenfiguren, etwa der entfremdete Gatte (Jake Weber), dienen primär dazu, diesen noch mehr Kontur zu verleihen. Präzise bringt der deutsche Untertitel auf den Punkt, worum es hier geht, ganz beiläufig kommen dabei auch "schwere" Themen wie Rassismus zur Sprache. In allen handwerklichen Belangen perfekt umgesetzt ist diese unspektakuläre, glaubhafte Seelenschau, die nie zu amerikanischem Kitschkino mutiert. geh.