Nach einem schweren Schicksalsschlag begibt sich Audrey Tautou auf eine emotionale Reise und gewinnt wieder Lust am Leben.
"La délicatesse", so der Originaltitel, ist David Foenkinos' achter Roman und rührte Leser in 21 Sprachen zu Tränen. Die sollten auch bei der Leinwandadaption fließen. Am Anfang möchte einem das Herz aufgehen bei diesem idealen Paar.
Nathalie und François sind füreinander geschaffen, feiern ihre ewige Liebe, wo immer es geht, ob in dem kleinen Pariser Café, wo sie sich kennen gelernt haben, in der Métro vor großflächigen Reiseplakaten oder beim sonntäglichen Familienessen mit den Eltern, wo sie sich für ein Schäferstündchen am Nachmittag zurückziehen. Von einem Tag auf den anderen steht die junge Frau alleine da. Nach dem Unfalltod ihres Mannes kniet sie sich in die Arbeit, macht Karriere und beisst die Zähne zusammen, verbringt ihre Zeit mutterseelenallein. Den Avancen ihres Chefs begegnet sie mit Schroffheit. Warum sie aus einem Impuls heraus den nicht gerade attraktiven Quotenschweden in der Firma küsst und sich fast unfreiwillig auf eine emotionale Reise begibt, weiß sie selbst nicht.
Mit seinem Bruder Stéphane, einem Casting-Director, inszeniert David Foenkinos nach seinem gleichnamigen Bestseller den ersten gemeinsamen Spielfilm und balanciert gekonnt zwischen Komik und Tragik. Was ziemlich Fingerspitzengefühl erfordert, denn die seltsame Freundschaft, die sich zwischen der jungen Witwe und dem unbeholfenem Frauenversteher entwickelt, ist delikat und zerbrechlich wie Glas. Ein falsches Wort, eine falsche Geste und das fein gesponnene Netz würde zerreißen, der unerklärbare Zauber wäre dahin.
Der Charme der Dramödie liegt in dem totalen Gegensatz zwischen der smarten Audrey Tautou und dem Umstandskrämer François Damiens, der mit Zähigkeit, Strickjacke und einer Portion entwaffnender Naivität sein Ziel erreicht. Wie das Paar zwischen Nähe und Distanz, Abwehr und Hingabe die Waage hält, wird zum famosen Pas de deux raus aus der Kältekammer der Seele. Kameramann Rémy Chevrin begleitet mit seiner Lichtsetzung die Stimmungen der Hauptfigur vom totalen Glück über Trauer bis zur Wiedergeburt. Und es tut so richtig gut, wenn wie im Märchen die Prinzessin den "Frosch" küsst und aus ihm ihren Herzensprinzen macht. mk.
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