Packender Drogenthriller, in dem eine junge FBI-Agentin in eine undurchschaubare Aktion gegen ein mexikanisches Drogenkartell verwickelt wird.
Knapp zwei Jahre nach "Prisoners" bestätigt Denis Villeneuve, dass er der richtige Mann ist für jene Art von erwachsener Mainstreamunterhaltung mit fein schraffierten Grauflächen, die selten geworden ist in Hollywood. "Sicario" ist spanisch für "Auftragskiller" und reißt mit als packender, pulsierender und moralisch höchst ambivalenter Drogenthriller, wie man ihn in der Krimiliteratur von Don Winslow kennt, im Kino in dieser intelligenten und kompromisslosen Form aber eher noch nicht gesehen hat. Sicher drängen sich Vergleiche mit "Traffic" auf und vielleicht auch mit "Savages", der auf einer Vorlage Winslows basierte, aber wie Villeneuve hier im Krieg Nordamerikas gegen die mexikanischen Drogenkartelle fast en passant höchst problematische Allianzen aufdeckt, wurde noch in keinem Film dieser Preisklasse thematisiert. Die CIA im Bett mit dem kolumbianischen Medellin-Kartell, um der ausufernden Gewalt in Mexiko Herr zu werden - eine Gewalt wohlgemerkt, die erst möglich gemacht wurde, weil es der CIA in den Achtzigerjahren gelungen war, das Medellin-Kartell massiv zu schwächen.
Das ist starker Tobak, aber eigentlich gar nicht unmittelbarer Gegenstand der Handlung dieses atemlosen Höllentrips, in den eine junge FBI-Agentin aus Arizona geschickt wird, gespielt von der atemberaubenden Emily Blunt in einer ähnlichen Rolle, wie sie Jessica Chastain in "Zero Dark Thirty" bekleidet hat. Als Teil einer legal fragwürdigen Undercover-Aktion unter Leitung eines mysteriösen, von Josh Brolin mit entschlossener Zen-Coolness gespielten Typen und eines noch undurchsichtigeren Vollstreckers, maßgeschneidert für Benicio Del Toro, soll sie mitwirken, ein mexikanisches Drogenkartell zu schwächen. Ein erster problematischer Einsatz im mexikanischen Juarez liefert einen Vorgeschmack auf die sensationell spannenden Setpieces, die noch folgen werden. Höhepunkt ist schließlich eine Mission in einem Drogentunnel, der von Mexiko in die USA führt: Villeneuve filmt ihn durch Nachtsichtgeräte und mit Röntgenblick als ultimative Höllenfahrt, die sich schließlich, als das wahre Ziel der Drogenkrieger offenbar wird, nur als Mittel zum Zweck erweist. Immer wieder filmt Villeneuve zu Beginn seiner Szenen Staubpartikel, die erst im gleißenden Sonnenlicht sichtbar werden: Genauso ist der ganze Film. Erst wenn man richtig genau hinsieht, offenbart sich, um was es eigentlich geht. Und dieses Ziel wird mit unerbittlicher, bisweilen deprimierender Härte verfolgt, auch wenn es nur einen Pyrrhussieg darstellen kann in einem Krieg, der nur Verlierer kennt. ts.
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