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Der Umwelt zuliebe
Beschreibung
Wenn ein leiser italienischer Film im lauten Amerika ein großes kommerzielles Echo erzeugt, lohnt es sich aufzuhorchen. Mit wenigen Kopien hat "Der Postmann" bislang über sieben Mio. Dollar eingespielt und renommiertere Konkurrenz hinter sich gelassen. Auch wenn sich dieses Phänomen nicht verbindlich erklären läßt, sind kulturüberschreitender Charme, ein großes Herz und die außerordentliche Leistung seines Hauptdarstellers überzeugende Gründe für den Erfolg dieses Films. Als schüchterner Postmann Mario Ruoppolo ist Massimo Troisi, der kurz nach Beendigung der Dreharbeiten einem chronischen Herzleiden erlag, die Seele eines Kinovergnügens, das seine Botschaft über Freundschaft, menschliche Wärme und die verzaubernde Macht der Poesie unaufdringlich in die Welt hinausträgt. Troisi selbst hatte die literarische Vorlage, Antonio Skarmetas Roman "Ardiente Paciencia", Michael Radford ("1984") ans Herz gelegt, der sich nun acht Jahre nach "Die letzten Tage von Kenya" wieder im Kino zurückmeldet. Der britische Regisseur erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem einfachen italienischen Postboten und dem späteren chilenischen Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda, der wegen kommunistischer Aktivitäten Jahre im Exil verbringen mußte, darunter 1952 einige Monate auf einer beschaulichen Insel vor der neapolitanischen Küste. Ruoppolo wird der persönliche Briefträger des Lyrikers Pablo Neruda (Phillipe Noiret), durch den er Zugang zur Welt der Poesie findet. Im Glanz dieses großen Geistes fällt Licht auch in Marios Leben, der mit Nerudas Gedichten seine große Liebe (Maria Grazia Cucinotta) erobert. Mit leisem Humor und einem Schuß Wehmut fängt dieser zärtliche Film Sympathien ein, läßt durch viele Großaufnahmen von Troisis Mimik, die Bewunderung, Verlegenheit und Enttäuschung scheinbar mühelos variiert, eine Seele transparent werden. Es ist tragisch, daß die Figur des Briefträgers gerade durch das sichtbare, sich auch in Troisis Stimme niederschlagende Leiden an Ausdruck gewann. Eine Tragödie wäre es deshalb, dem Zuschauer diese mit dem Tod erkaufte berührende Authentizität durch die Synchronisation vorzuenthalten. Wenn dieser humane cineastische Sonderling untertitelt selbst in den USA sein Publikum fand, sollte ihm das auch in den deutschen Kinos zuzutrauen sein. kob.
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