Die neueste Adaption der klassischen Tragödie imponiert mit düsterer Atmosphäre und expressiven Bildern.
In Zeiten, in denen "Game of Thrones", von Shakespeare durchtränkt, Höhepunkte in Optik, Charakterzeichnung und Intensität liefert, erschließt Justin Kurzel ("Die Mörder von Snowtown") "Macbeth" einer neuen Generation. Dabei ordnet sich der Text dem Bild unter, wirkt die lebensfeindliche Natur des schottischen Hochlands und die erfahrene Grausamkeit des Menschen persönlichkeitsverändernd auf die Titelfigur.
Michael Fassbenders Macbeth ist martialischer angelegt als all seine Vorgänger, schlägt im Actionprolog mit Superzeitlupe und "Braveheart"-Vehemenz für seinen König eine Rebellion nieder. Wie der integre, loyale Kriegsheld zum Verräter und paranoiden Tyrannen mutiert, zeichnet Kurzel mit den vertrauten Stationen nach. Der wahnhafte Glaube an Fremdbestimmung, verdichtet in den Weissagungen dreier Hexen, und eine Koalition von Ehrgeiz und Enttäuschung treiben Macbeth zu den Morden an seinem König und den vermuteten Rivalen, die seinem Thron gefährlich werden könnten. Neu ist die Psychologisierung des Ehepaars Macbeth, die Traumatisierung durch den Verlust des Sohns und die Erlebnisse auf dem Schlachtfeld - private Aspekte, die es in der Vorlage nicht gibt. Wie Andrea Arnolds Brontë-Adaption "Wuthering Heights" ist der Ansatz realistisch, sind die Menschen winzige, der wuchtigen Landschaft und ihrer eigenen Natur ausgesetzte Kreaturen. Trotz der gewaltigen Kulisse wirkt die Szenerie oft klaustrophobisch, wenn Nebel den Raum begrenzt und die Kamera an den Gesichtern klebt.
Visuell hat "Macbeth", der die Actionelemente mit Schlachtouvertüre, kinetischen Treibjagden und Duellen ausspielt, seine Stärken, während er in der Entwicklung der Hauptfiguren und deren Beziehung hinter Roman Polanskis Klassiker von 1971 zurückbleibt. Das Sinnlich-Erotische, das bei Polanski die verbale Vergiftung und Manipulation der Titelfigur durch Lady Macbeth schlüssig begleitete und begründete, fehlt in dieser aktuellen Version. Marion Cotillard spielt eine humanere Variante der skrupellos Ehrgeizigen, deren Abgleiten in den Wahnsinn jedoch ungenügend vorbereitet wirkt. Ein klares Plus ist Sean Harris, der Macbeths Rivalen Macduff und seinem Motto "Meine Stimme ist nur in meinem Schwert" große Intensität verleiht. kob.