Weltweit versucht man sie zu kultivieren, aber richtig blüht sie derzeit nur im britischen Kino - die Komödie mit kleinem Budget, aber großer Wirkung. Aus der schmalen Prämisse eines riesigen Lottogewinns, der ein verschlafenes irisches Kaff erstmals richtig träumen ließe, wenn nur der Gewinner seinen Triumph überlebt hätte, hat Autor-Regisseur Kirk Jones ein äußerst charmantes Kinovergnügen entwickelt, das sich in den USA mit bislang etwa 15 Mio. Dollar Einspiel bereits als Volltreffer erwies und auch von deutschen Zuschauern umarmt werden könnte, wenn sich der Mangel eines Werbe-Wunders wie strippende Männer kompensieren läßt.
Dabei gibt es auch in diesem Kinodebüt des englischen Werbefilmers Kirk Jones nackte Männer zu bestaunen, aber im Unterschied zu "Ganz oder gar nicht" ist Textilfreiheit hier nicht Ziel und Schlußpunkt aller Bemühungen, sondern ein schrulliges Randereignis, das von situationsabhängiger Notwendigkeit bestimmt wird. Grund für den Spontan-Akt zweier rüstiger 70jähriger, die nackt auf einem Motorrad durch die traumhafte, aber kaum tropisch warme Natur ihrer Küstenenklave Tulaigh Morth brausen, ist ein mit 6,8 Mio. Pfund recht satter Lottogewinn, den einer von 52 Einwohnern des idyllischen irischen Fischernestes laut einer Zeitungsnotiz verbucht haben muß. Gefundenes Fressen für die sympathischen Beutegeier Jackie O'Shea (Ian Bannen) und seinen besten Freund Michael (der trocken-komische Haudegen David Kelly), die im ersten Drittel des Films mit komischen Schleim- und Schmeichelaktionen den unbekannten Krösus zu ermitteln versuchen, dann aber mit einem noch größeren Problem konfrontiert werden. Denn unbemerkt vom Dorf, fault der Glückspilz Ned Devine schon in seinem Haus dahin, seit ihn die Nachricht seines Triumphes mit einem finalen Schlag ereilte. Trotz dieser Sackgasse gibt das Freundesduo ungebremst Gas - und den kauzigen Michael gegenüber dem Mann von der Lottogesellschaft als den Verstorbenen aus. Das sorgt für heitere Turbulenzen, schrullige Situationskomik und einen hinreißenden, in Parallelmontage erzählten Klimax, welcher der nicht minder witzigen Ouvertüre Paroli bietet. Verglichen damit bleibt ein Seitenarm des Plots, eine dörfliche Love Story, belanglos und verzichtbar. Auch wenn anfänglich kaltes Kalkül im Spiel ist, ist dieser auf der Isle of Man in touristisch verführerischem Cinemascope gedrehte Film passend zum irischen Ambiente von ausgesuchter Wärme und Herzlichkeit und eigentlich ein idealer Auftakt für den neugegründeten Helkon-Verleih, um nach zu erwartender positiver Presseresonanz auch an den Kassen den Lohn ernten zu können. kob.