In seinem bezaubernden, für den Oscar nominierten Animationsfilm taucht Tomm Moore tief in die keltische Mythologie ein und fasziniert mit einem sehr eigenen Zeichentrickstil.
Das irische Kino ist nicht unbedingt für seine florierende Animationsfilmindustrie bekannt. Doch seit Tomm Moore mit seinem 2009 gegründeten Studio Cartoon Saloon Filme macht, tut sich was auf der grünen Insel. Sein erstes Werk "Das Geheimnis von Kells" war bereits ein visuell bezauberndes Märchen, das 2010 für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert wurde. Diese Ehre wurde nun auch seinem Nachfolger "Die Melodie des Meeres" zuteil. Moores zweiter Film basiert auf einer alten irischen Sage und handelt von den Geschwistern Ben und Saoirse, die mit Hilfe einer magischen Muschel in eine abenteuerliche Geschichte voller Mythen und Fabelwesen eintauchen. Dass sie dort landen, hat auch mit Saoirse zu tun, ist sie doch in Wirklichkeit ein Robbenmädchen, das an Land menschliche Gestalt annimmt. Am Ende muss Saoirse sich entscheiden, ob sie als Mensch an Land oder als Robbe im Meer weiterleben will.
In "Die Melodie des Meeres" vertraut Moore ganz auf klassische 2D-Animation, der Strich ist einfach und geradlinig, die Hintergründe flach und schnörkellos. Dank der Verwendung von blassen Pastellfarben, bei denen Grau-, Blau- und Grüntöne dominieren, und von runden, weichen Formen, die sich sowohl in den Personen (Augen, Kopf) und Tieren (Robben, Eulen) als auch in der Umgebung (Felsen, Häuserfenster, Kreisverkehr) wiederfinden, erhält der Film seine ganz eigene Note, eine sehr persönliche Handschrift. Unterstützt wird die melancholische Geschichte, an deren Anfang wie bei den großen Vorbildern "Bambi" oder "Heidi" der Verlust der Mutter steht, von einem starken Soundtrack, der zum einen sphärisch anmutende Harmonien, zum anderen typisch irische Folklore-Melodien enthält.
Wegen seiner komplexen Handlung, der geheimnisvoll-düsteren Grundstimmung und einigen spannenden Sequenzen wie der Angriff der Eulen, dürfte das Werk, das durch seine Detailverliebtheit und Originalität begeistert, allerdings für Kinder im Vorschulalter kaum geeignet sein. Für alle anderen (auch Erwachsene) ist dieser faszinierende Trip zwischen zwei Welten ein visuelles Erlebnis, das so nebenbei auch noch einen tiefen Einblick in die uns fremde keltische Mythologie gewährt. lasso.