Mutige Männer auf mörderischer See - nach einer wahren Begebenheit erzählt Craig Gillespie in fulminantem 3D von einer waghalsigen Rettungsmission.
Be-swingt geht's los mit einem Blind Date. Bernie, ein schüchterner junger Mann, hat sich mit der selbstbewussten Telefonistin Miriam verabredet. Zögernd betritt er das Diner. Es funkt sofort. Als Lovestory in einer kleinen Küstengemeinde, in einer prototypische US-Idylle beginnt "The Finest Hours". Ein schöner, liebevoll ausgestatteter Set mit gedeckten Farben, warmen Brauntönen suggeriert die Ruhe vor dem Sturm.
"Based on a true story" - "wahre Geschichten" sind angesagt - verrät das Insert. Das Jahr ist 1951, Ort der Handlung Wellfleet, Massachusetts. Ein Zeitsprung führt zum 18. Februar 1952. Ein gewaltiges Unwetter fegt über Neuengland. Schnee, Wind, eisige Temperaturen. Ein Notruf geht bei der Küstenwache ein. Die SS Pendleton, ein Öltanker, ist in Seenot geraten. Daniel Cluff (Eric Bana), Chef der Station, stellt einen Rettungstrupp zusammen. Vier Mann unter Führung von Bernie Webber (Chris Pine) stechen in einem kleinen Holzboot in See auf ein Himmelfahrtskommando.
Meisterlich fällt das wummernde, wahrhaft höllische Sounddesign aus, dazu sieht man meterhohe krachende Wellen - "The Perfect Storm" wie einst bei Wolfgang Petersen. Das havarierte Transportschiff ist entzweigebrochen, 30 Seeleute sind im Heck gefangen. Offizier Ray Sybert (Casey Affleck) übernimmt ruhig das Kommando - "you're the man!" wird ihm versichert. Bombastisch schwillt die Musik von Carter Burwell ("Hail, Caesar!") an. Tote gibt's zu beklagen, Blut fließt nicht. Mit Blick aufs Family Entertainment spart die Produktion die Verletzlichkeit menschlicher Körper im Bild konsequent aus.
"The Finest Hours" ist Superheldenkino der anderen Art mit "normalen" Männern, die in einer Extremsituation über sich hinauswachsen, ideal besetzt mit Pine und Affleck. Ben Foster glänzt als mutiger Sidekick, "Hulk" Bana gibt den zaudernden Feigling. Ein undankbarer Part, der ihm wenig Spielraum lässt. Die fulminante 3D-Kamera von Javier Aguirresarobe, der bereits bei "Fright Night" mit Regisseur Craig Gillespie kooperierte, saugt den Zuschauer förmlich ins tosende Geschehen hinein. Im Dreischritt springt der Plot vom Rettungsboot zum Tanker ans Land und wieder zurück. Ein B-Movie im A-Look. geh.