Charmant-leichtfüßige französische Komödie über einen Mann, der sich aus dem Alltag ausklinkt und sich in eine neue Freiheit paddelt.
Es gibt Filme, die bestehen aus vielen kleinen Glücksmomenten nach denen man leise lächelnd aus dem Kino kommt, sich rundum wohl und für alle Unbill gewappnet fühlt. Bruno Podalydès' Anti-Stress-Komödie gehört zu dieser seltenen Spezies. Erstmals spielt der César-Preisträger (Bester Kurzfilm "Versailles Rive Gauche", Bestes Erstlingswerk "Dieu Seul Me Voit") die Hauptrolle in einem seiner Filme, einen Grafikdesigner der von kleinen Fluchten träumt, sich aber nicht so richtig traut. Seine Leidenschaft gilt Flugzeugen und wagemutigen Piloten wie dem legendären Jean Mermoz. Aber statt sich über einen Fluggutschein zum 50. Geburtstag zu freuen, fürchtet er, seinen Traum zu verlieren und entdeckt plötzlich seine Liebe zum Kajak, für ihn ein Flugzeug ohne Flügel. Bald bastelt er auf der Dachterrasse im Do-it-yourself-Verfahren ein Boot und macht Trockenübungen. Bis seine Frau (Sandrine Kiberlain) sein Geheimnis entdeckt und ihn samt Ausrüstung zum Fluss kutschiert. Doch statt ans Meer verschlägt es ihn in die idyllische Provinz zur herzlich-sinnlichen Wirtin eines Ausflugslokals (Agnès Jaoui).
Podalydès erzählt zärtlich von der Machbarkeit der Illusionen, es muss nicht der Amazonas sein, es reicht auch eine kleine Wasserstraße bei Paris, statt Abenteuer in der Ferne lockt die Nähe. Ein ganz neuer Ansatz, die Midlife-Krise zu verfilmen - eine Nacht im Zelt unter dem Sternenhimmel, kühlen Absinth bis zum Abwinken, zwei Lebenskünstler und eine junge Seelenverwandte, da fühlt sich der Reisende wie im Siebten Himmel. Die Mischung aus feiner Alltagsbeobachtung und leichter Verrücktheit, verziert mit einer Portion Poesie und ein wenig Melancholie, entwickelt sich zur Hymne auf die einfachen Dinge des Lebens, den Genuss ohne Reue mit der Unbeschwertheit eines Kindes, das Loslassen und sich Fallenlassen, ohne die soziale Wirklichkeit ganz auszublenden. Kamerafrau Claire Mathon orientiert sich bei der Lichtsetzung an Jean Renoirs unvergesslicher "Landpartie" und wenn dann noch Alain Bashung "Vénus" besingt und Georges Moustaki mit dunklem Timbre "Le temps de vivre" beschwört, dann möchte man sich treiben lassen, irgendwohin, wo Leben, Magie und Märchen noch eine Allianz bilden. mk.
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