Mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ralf Rothmann setzt Adolf Winkelmann dem Ruhrpott der 1960er ein Denkmal und erzählt gleichzeitig eine kauzige Coming-of-Age-Story.
Dem Ruhrpott als Schauplatz seiner Kinofilme fühlte sich Adolf Winkelmann seit jeher verbunden, man denke nur an seine Kultkomödie "Die Abfahrer" um drei arbeitslose Jugendliche oder an "Nordkurve", in dem er das Dortmunder Fußball-Leben auf tragikomische Weise analysiert. Aber erst jetzt hat der Filmemacher das ultimative Werk über das Kohlerevier realisiert. "Junges Licht" basiert auf dem gleichnamigen Roman des wie Winkelmann vor Ort aufgewachsenen Schriftstellers Ralf Rothmann und erzählt die Geschichte einer Kindheit im Kohlebergbaugebiet der 1960er. Julian ist zwölf Jahre alt und meist sich selbst überlassen, der Vater arbeitet unter Tage, die psychisch gestörte Mutter ist vorwiegend mit sich selbst beschäftigt. Und so beginnt der heranwachsende Junge sich selbst und seine Umwelt zu entdecken, rettet einen streunenden Hund vor dem Feuertod, verliebt sich in seine frühreife Nachbarin und wird ungewollt mit den sexuellen Praktiken und Vorlieben seines Vaters, des Vermieters und des Anführers der lokalen Jugendbande konfrontiert.
Winkelmann erzählt dies alles in ruhigen, fast kontemplativen Bildern, geht sparsam mit Dialogen um und lässt seinen Figuren viel Zeit für ihre Entwicklung. Als Glücksgriff bei der Besetzung stellt sich dabei der talentierte Oscar Brose heraus, der den gottesfürchtigen Messdiener Julian mit der richtigen Mischung aus Schüchternheit, Naivität und Frechheit anlegt. Unterstützt wird er von schauspielerischen Schwergewichten wie Peter Lohmeyer als überfreundlichem, latent homosexuellem Nachbarn, der die meisten Kalauer zum Besten geben darf, Charlie Hübner als anbetungswürdige Vaterfigur und Lina Beckmann als der Liebe unfähige Mutter. Gemeinsam mit seinem altgedienten Chefkameramann, dem Tschechen David Slama, findet Winkelmann betörend ästhetische Bilder für eine längst vergangene, glorreiche Epoche des Kohlebergbaus. Auch bei Ausstattung und Kostümen stimmt jedes Detail, wodurch ein hohes Maß an Authentizität erreicht wird. Warum der Regisseur sich dazu entschieden hat, immer wieder zwischen Schwarz-weiß- und Farbbildern zu wechseln, erschließt sich indes nicht. Und auch die Filmmusik, die hauptsächlich aus drei sich wiederholenden Motiven besteht, wirkt wie ein Fremdkörper, findet nur selten Bindung zur Handlung. Dennoch fasziniert die spröde Variante von Truffauts "Sie küssten und sie schlugen ihn", in der sich zwar mit Ausnahme von Julian nur unsympathische, unverschämte und unglückliche Charaktere tummeln, vor allem durch ihre minutiöse Milieuschilderung, die so zur liebenswerten Hommage an den Kohlenpott der Wirtschaftswunderjahre gerät. lasso.
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