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★★★★★
☆☆☆☆☆
Setzt sich im Kopf fest
Melissa M. - Bewertet am 26.04.2017
Zustand: Exzellent
Ich möchte nicht so viel verraten, aber ich muss ehrlich sagen, ich bin mir nicht sicher, wie ich zu den Charakteren und der Geschichte stehe.
Am Anfang erscheint alles glasklar, aber es wird immer verworrener und am Ende des Buches wusste ich gar nicht mehr, was ich denken soll. Dadurch nimmt… die Geschichte am Ende natürlich erzähltechnisch noch mal einiges an Fahrt auf. Trotzdem gibt es nichts, was mich total schockiert oder vom Hocker gerissen hat, und für mich eine 5 Sterne Bewertung rechtfertigen würde.
Denn letzten Endes ist die Spannung eigentlich wie man erwarten sollte: man erlebt die Geschichte eben nicht „live“ von Moment zu Moment mit, sondern eben „nach“. Dadurch stellt sich für mich kein wirkliches Mitfiebern ein. Man ist sich einfach während des ganzen Buches bewusst, dass alles schon geschehen ist. Ich hätte mir gewünscht, man würde etwas mehr „in den Moment gesogen“ werden.
Was mich jedoch überrascht hat, und das Buch für mich lesenswert macht, ist eben genau, dass man nicht weiß, was man denken soll. Deswegen glaube ich, der Autor spielt hier sehr bewusst und geschickt mit der Theorie eines unglaubwürdigen / nicht immer ehrlichen Erzählers, wenn er aus Roddys Perspektive schreib. Sagt er die Wahrheit? Ist wirklich alles so passiert? Man weiß es einfach nicht. Und genau aus diesem Grund bleibt einem das Buch doch noch Tage nach Leseende im Kopf.
Letzten Endes ist man als Leser eigentlich genau in der Rolle einer der Geschworenen beim Prozess. Man kann sich seine Meinung nur bilden, aufgrund der Dinge, die einem erzählt werden. Aber es wird einem sicherlich nicht alles erzählt und man wird nie wissen, was wirklich geschehen ist.
Das ist für mich die Stärke dieser Geschichte.
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☆☆☆☆☆
Verzweiflungstat und ihre Aufarbeitung
Silke J. - Bewertet am 05.04.2017
Zustand: Exzellent
Roderick Macrae hat zweifellos drei Menschen getötet. Diese Tatsache versucht er weder zu leugnen noch sich seiner Verantwortung durch Flucht zu entziehen. Er wird eingesperrt und ihm wird der Prozess gemacht. Eigentlich eine klare Angelegenheit. Sein Rechtsanwalt versucht mit allen Mitteln ihn vor… der Höchststrafe zu bewahren und setzt all seine Hoffnung auf zeitweise Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren. Ein Vorgang wie er tagtäglich bei Gericht vorkommt. Wir sind aber nicht im Jetzt und Heute, sondern im Jahre 1869. Das Buch beruht auf den original Aufzeichnungen von Roderick Macrae und den Prozessunterlagen. Es ist interessant zu sehen mit welchen Methoden und Überlegungen die Kriminalpsychologen der damaligen Zeit, man kann sagen den Pionieren dieser Richtung, sich dem Fall widmen. Ihre Deutungen und Erklärungen sind nebulös und stark subjektiv eingefärbt und zeigen ein Dilemma vor dem heutige Kollegen auch noch oft stehen.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Wahrheit oder Fiktion
Beate S. - Bewertet am 06.03.2017
Zustand: Exzellent
Im August 1869 passiert in dem Bauerndorf Culduie an der Westküste Schottlands ein Dreifachmord, verübt vom siebzehnjährigen Roderick Macrae. Macrae hat den Constable Lachlan MacKenzie und zwei seiner Kinder auf brutalste Weise erschlagen.
Das Dorf Culduie besteht nur Häusern, in denen 25 Menschen… leben und als Kleinbauern (Crofter) ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Familie Macrae lebt unter ihnen mit zwei Kühen, sechs Schafen und einem gepachtetem Feldstück, dass sie bewirtschaftet. Entbehrungsreich, voller harter Arbeit und mit sehr wenigen Kontakten zu den anderen Bewohnern ist das Leben der Familie, weshalb zunächst unverständlich ist, wie es zu solch brutalen Mehrfachmorden kommen konnte.
Für einen Thriller ungewöhnlich ist von Anfang an klar, dass Roderick die Morde begangen hat, die Spannung bezieht das Buch aus der Frage nach dem Warum und daraus, ob die Verteidigung in der Lage ist, ihn vor dem Tod am Galgen zu bewahren.
Der Autor Graeme Macrae Burnet schafft mit diesem ungewöhnlichen Thriller ein raffiniertes Puzzle und verwirrt den Leser zum einen mit den Berichten selbst, zum anderen damit, dass er sich selbst im Vorwort in die Geschichte einbringt, indem er behauptet, er sei zufällig bei Recherchen auf Dokumente zu diesem Fall gestoßen. Es werden von ihm sehr gekonnt Zweifel an der Echtheit geschürt, sowohl bei den Aussagen und Niederschriften der am Fall Beteiligten als auch am gesamten Fall selbst.
Sehr gut lesbar, unglaublich spannend und absolut ungewöhnlich und unkonventionell hat Burnet über das Verbrechen geschrieben. Neben der vereinnahmenden Geschichte der Morde und des Prozesses hat er eine Konstruktion geschaffen, die über Realität auf äußerst raffinierte Weise reflektiert und den Leser letztlich fragend zurücklässt. Bravo dafür!
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Psychologisch super geschrieben
U. M. - Bewertet am 04.03.2017
Zustand: Exzellent
1869, eine harte Zeit im Bauerndorf Culduie in Schottland. Die Bauern mussten ihren Lehnsherren von ihrem mageren Ertrag auch noch die Pacht zahlen. Dabei hatten sie selbst kaum genug zum Leben.
Eines Tages werden der tyrannische Lachlan Broad, die 15jährige Tochter und der dreijährige Sohn… ermordet aufgefunden. Täter ist der 17jährige Nachbar Roderick Macrae, der die Taten offen zugibt, sein Motiv jedoch nicht offenbart. Bis zu seinem Prozeß ist Roderick im Gefängnis von Inverness inhaftiert. Man versucht seine Beweggründe herauszufinden, zu verstehen, was ihn zu diesen Taten getrieben hat.
Auf Anraten seines Anwalts Andrew Sinclair schreibt Roderick in der Zeit seiner Inhaftierung die Gedanken, Gründe und Abläufe seiner Taten auf. Für den Prozeß waren sie als Beweismittel jedoch nicht erlaubt.
Mich hat die psychologische Ausführung des Buches sehr beeindruckt. Verhandlungen und Beweisführungen im 19. Jahrhundert waren schwierig und mühsam.
Ein sehr eindrucksvolles Werk, was Graeme Macrae Burnet zu einem sogar auf die Shortlist geschafft hat.
Mein Geschmack wurde mit „Sein tödliches Projekt“ absolut getroffen.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Hervorragend!
Edith S. - Bewertet am 25.02.2017
Zustand: Exzellent
Im Buchhandel hätte ich den Thriller wahrscheinlich nicht einmal in die Hand genommen, das Cover mit seiner schlichten Aufmachung sticht nicht sehr ins Auge. Auch der Titel ist etwas ungünstig gewählt.
Aber die Story hat mich so in seinen Bann gezogen, die Schreibweise und Aufmachung dermaßen… fasziniert, dass ich es kaum mehr aus der Hand legen wollte.
August 1869: der siebzehnjährige Roderick Macrae ermordet seinen Nachbarn (und dessen Kinder) auf grausame Weise. Aber was hat den Jungen dazu getrieben???
Sein Rechtsbeistand überredet ihn seine Beweggründe nieder zu schreiben und so kommen ungeahnte Dinge zu Tage...
Doch kann er ihn vor den Galgen bewahren?
In Form von sehr unterschiedlichen Zeugenaussagen, Protokollen und Zeitungsberichten, spannt sich ein Faden durch die Geschichte, dessen Ausgang man unbedingt erfahren will!