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★★★★★
☆☆☆☆☆
Fesselnde Geschichte, die verzaubert
Annegret H. - Bewertet am 04.05.2017
Zustand: Exzellent
„Der Freund der Toten“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Autorin Jess Kidd vereint eine spannende Geschichte um einen brutalen Mord mit magischen Elementen und einem wunderbar poetischen und schwarzhumorigen Stil.
Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem die Autorin… unmissverständlich klarmacht, dass 1950 ein Mord geschehen ist. Doch die Einwohner des irischen Dorfes Mulderrig verweigern sich der Realität und möchten die Vergangenheit am liebsten vergessen – alle haben dabei ihre eigenen Motive. 26 Jahre später kommt Mahony, der Sohn der Ermordeten, zurück an den Schauplatz des Geschehens, um herauszufinden, was mit seiner Mutter passierte. Er wuchs in einem Waisenhaus in Dublin auf und besitzt nur ein Foto von seiner Mutter, aber keine Erinnerung an sie. Das Besondere: Mahony kann als einziger die Geister der Toten sehen. Diese kommunizieren aber nicht so, wie er es sich wünscht, weshalb er auf die Hilfe der Lebenden angewiesen ist. In Mulderrig trifft er zahlreiche schräge Charaktere. Je näher Mahony der Wahrheit kommt, desto dramatischere Dinge geschehen…
Die Geschichte und die vielschichtigen Charaktere haben mich absolut gefesselt. Auch die übernatürlichen Elemente gefielen mir sehr gut, da sie hervorragend zu der düsteren Stimmung des Buches passen. Gleichzeitig finde ich es gut, dass keiner der Charaktere zaubert oder irgendeine andere übernatürliche Gabe hat. So erhält sich die Geschichte trotz der Geister irgendwie ein realistisches Gefühl.
Trockener Humor lockert das Buch immer wieder auf und Jess Kidds Stil mit den poetischen Metaphern und dem ungewöhnlichen Sprachgebrauch ist einfach wunderbar. Die Autorin hat mit „Der Freund der Toten“ ein starkes Debut vorgelegt und ich freue mich schon jetzt auf ihre folgenden Romane.
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☆☆☆☆☆
The walking dead
Anna E. - Bewertet am 17.04.2017
Zustand: Exzellent
Mitte der 70er Jahre wird das verschlafene irische Dörfchen Mulderrig plötzlich gehörig wachgerüttelt: Mahony, ein junger Hippie, ist auf der Suche nach seinen Wurzeln. Diese Wurzeln sind dem Dorf nicht nur sehr peinlich, sondern sollten eigentlich auch die ganze Zeit hübsch in der Erde versteckt… bleiben. Genau wie die Toten, die Mahony sehen kann.
Man könnte meinen, ähnliche Familiendramen mit etwas Gruselfaktor gäbe es zuhauf. Könnte man. Man darf aber nicht den außergewöhnlichen Erzählstil der Autorin vergessen, der macht dieses Buch nämlich zu etwas ganz Besonderem. Jess Kidd belebt jeden Stein und jeden Baum; allerdings nicht auf die Herr-der-Ringe-Ent-Art, sondern eher wie es vielleicht ein Dichter der Romantik getan hätte. Äste beugen sich über Kinder, Holzwürmer singen, Flussinseln schlafen, Sonnenlicht folgt den Leuten auf Schritt und Tritt. Dieser Erzählstil schafft eine unglaublich dichte und lebendige Atmosphäre, die mich begeistert hat. Die Autorin kann jedoch nicht nur mitreißend erzählen, sondern auch ihr irisches Dörfchen mit allerlei Marken beleben. Egal ob der ungeliebte Pfarrer oder die alte, aber mit allen Wassern gewaschene Mrs Cauley, ich fand sie großartig gezeichnet und an den richtigen Stellen etwas überspitzt dargestellt. Denn Kidd beweist Humor und eine spitze Feder. Auch die Toten, die mit Mahony kommunizieren können, fügen sich hervorragend in die Geschichte ein, ohne dass diese zu sehr ins Gruselgenre abdriftet. Es handelt sich eigentlich um völlig normale Menschen, die halt den kleinen Schönheitsfehler haben, tot zu sein. Einziger (kleiner) Kritikpunkt meinerseits ist die Tatsache, dass Mahony sich sofort zum Schwarm sämtlicher (!) Dorffrauen entwickelt. Das war mir zu übertrieben, aber vielleicht wollte die Autorin ein bisschen Freie-Liebe-Feeling der Hippies in die Geschichte bringen. Doch das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch und so hat sich „Der Freund der Toten“ schon jetzt zu einem meiner Jahreshighlights gemausert.