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★★★★★
☆☆☆☆☆
Zwei Stücke, die unterschiedlicher nicht sein könnten
Sandra W. - Bewertet am 19.08.2019
Zustand: Exzellent
Der Klappentext: „Der kabaretteske Monolog >>Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten<< beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich in seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen, Dienstverordnungen, statistischen Erhebungen… zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist.“
„>>Einladung zum Klassentreffen<< In ihrer Schulzeit hatten Marina und Carsten eine Liebesbeziehung. Nach 20 Jahren soll ein Klassentreffen stattfinden. So meldet sich Carsten, einer der Initiatoren, auch bei Marina, deren Leben nach Schicksalsschlägen zeitweilig aus den Fugen geraten war. Die gemeinsame innige Zeit ist für sie längst Vergangenheit, ein Früher. Aber an Carstens Gefühlen hat sich anscheinend nichts geändert. Sein Anruf weckt auch bei Marina Erinnerungen. Das unverfänglich begonnene Telefonat führt beide in ein Wechselbad der Gefühle…“
Im ersten Stück „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ haben wir den pedantischen Hans Fredenbek, der aus seinem Beamten-Alltag berichtet. Er ist extrem kleinlich, muss alles ganz genau und im Voraus wissen und hat eine extrem sprunghafte Erzählweise. Er spricht das Publikum zwar direkt an, man hat aber trotzdem gleich das Gefühl, dass er eigentlich einen Monolog führt, weil er sich immer wieder in Details verliert und so abschweift, dass er nicht mehr weiß, was eigentlich die Ausgangsaussage seiner Erzählung war. Seine Ausführungen wirken auch oft abgehackt. Er fängt von etwas an zu erzählen und plötzlich wechselt er das Thema, mitten im Satz. Man merkt auch zeitweise wirklich, dass er mit dem Leben außerhalb seiner Arbeit komplett abgeschlossen hat; wer mit seiner Frau nur noch per Formular kommuniziert und während seines Urlaubs nur noch daran denkt, wie er sich ein Gefühl von Arbeitsalltag schaffen kann, hat kein Privatleben mehr. Nicht mal die Tatsache, dass seine Frau ihn verlässt, scheint ihn wirklich zu interessieren, denn GEAHNT hat er das.
Beim zweiten Stück „Einladung zum Klassentreffen“ handelt es sich um ein Telefonat zwischen Marina und Carsten, die während ihrer Schulzeit mal eine Liebesbeziehung hatten und sich nach 20 Jahren – aufgrund eines anstehenden Klassentreffens – zum ersten Mal wieder sprechen. In der Zwischenzeit ist viel passiert, eines hat sich jedoch nicht geändert, nämlich Carstens Liebe zu Marina. Die beiden schwelgen in Erinnerungen und das Gespräch bliebt nicht ungehört, denn Marina, die zum Zeitpunkt des Gespräches im Zug sitzt, unterhält die anderen Fahrgäste, die natürlich mit großem Interesse verfolgen, was passiert ist und wissen wollen, wie es mit den beiden weitergeht ^^ Ich frage mich auch so oft, wenn ich in der Bahn neben jemandem stehe, der lautstark telefoniert, ob es unhöflich wäre, wenn ich hinterher noch Fragen stelle, falls mir noch etwas unklar ist 😋
Dieses Stück ist wirklich toll geschrieben und hat schon fast was von Seifenopern-Romantik 😄 Wie dieses Telefonat zwischen Marina und Carsten ausgehen würde, habe ich allerdings schon irgendwie GEAHNT ^^
Ich kann sagen, dass mir das Buch wirklich gut gefallen hat. Das erste Stück um Herrn Fredenbek war sicher sprachlich etwas anspruchsvoller, aber nicht minder interessant und witzig wie das Telefonat zwischen Marina und Carsten. Sicher muss man auch diese Art von Humor mögen und verstehen, um was es eigentlich geht, was die Kernaussage des Autors ist; für mich persönlich war es eine Herausforderung, den Monolog von Hans Fredenbek zu lesen, denn wenn man auch liest, was in den Klammern steht, die ja lediglich beschreiben, was er gerade auf der Bühne macht, welche Musik gerade auf seinem Kassettenrekorder spielt... dann verliert man leicht den Faden, weil es seine Sätze sehr auseinander reißt. Und trotzdem muss ich sagen, dass ich Hans Fredenbek extrem witzig fand. Seine Ausführungen, gerade auch was seine heimliche Liebe zu seiner Arbeitskollegin angeht und wie man als Mann eine Frau bezirzt, haben mich wirklich zum Schmunzeln gebracht. Sicher ist es sehr klischeebehaftet, wie Fredenbek dargestellt wird. Aber gerade das macht ihn auch so sympathisch, denn ich glaube keiner hat je solch einen Beamten kennen gelernt, der sich während seines Urlaubs auf einer Rasthof-Toilette einschließt und Sprechstundentermine an Reisende verteilt, die eigentlich nur ihre Blase erleichtern wollen ^^
Für mich persönlich ist es ein sehr buntes erstes Theaterstück gewesen, das ich gern früher in der Oberstufe mal gelesen hätte. Zu Analysezwecken bestens geeignet, denn es ist schon eine Herausforderung, diese Art von Texten zu lesen.
Der Dialog zwischen Marina und Carsten war wesentlich leichter zu lesen, als das erste Stück und es war aufgrund der Dialogform auch sehr viel übersichtlicher. Die Stimmung war auch um einiges lockerer und das hat mir sehr gut gefallen, denn es ließ sich flüssig lesen und hatte trotzdem Spannung, die Martin Schörle wirklich gut verstanden hat, aufrechtzuerhalten. Ich finde es immer schön, mal solche Dialoge zu lesen, die Ups & Downs haben, die so viele verschiedene Stimmungen in sich vereinen und wo man manches Mal denkt "Ach Mädchen, leg doch nicht JEDES Wort auf die Goldwaage". Aber als Frau erkennt man sich da sehr gut wieder in Marinas Mustern ^^
Die drei Protagonisten haben mir auf jeden Fall wirklich Spaß gemacht und mir einige schöne Lesestunden beschert. Und das ist für mich das Wichtigste. Wenn man lange Zeit immer nur Romane, also feste Geschichten, gelesen hat, ist es beim ersten Lesen eines Theaterstücks anfangs sicher etwas befremdlich. Aber wenn man sich für diese Art der Literatur interessiert, kommt man schnell rein in die Texte.
Von mir erhält dieses Buch 🌟🌟🌟🌟, denn es war anspruchsvoll auf der einen und locker, leicht auf der anderen Seite. Ein sehr lesenswertes Werk und ein großes Lob an den Autor. Vielen Dank 🙏
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Zwei Theaterstücke (Sehr gut)
Heinz Peter B. - Bewertet am 20.04.2019
Zustand: Exzellent
Das Buch von Martin Schörle besteht, wie der Titel bereits verrät, aus zwei Theaterstücken, die beide völlig verschieden aufgebaut und erzählt werden (und einen verschiedenen Inhalt aufweisen). Handelt es sich bei “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” um einen Monolog (ein Erzähler) so… haben wir in “Einladung zum Klassentreffen” einen Dialog, zweier Freunde (wechsel von Er/Sie). Die Tatsache das es sich bei beiden Stücken um ein Theaterstück handelt, vergisst man beim Lesen jedoch recht schnell. Das einzige was einen mal herausreißen kann, sind die Regieanweisungen, die sich aber dank kursiven Druck und Klammern, gut vom Rest abheben. Allerdings sind es auch genau diese Angaben, die dem/der Leser/-in wichtige Informationen und Details verraten, die das Bild im Kopf beim Lesen, noch genauer werden lassen.
Das erste Theaterstück “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten”ist, wie bereits erwähnt ein Monolog, in dem der/die Leser/-in bzw.- Zuschauer/-in recht viel über den Beruf von Hans Fredenbek erfährt. Dies geschieht auf eine recht humorvolle und teilweise doppeldeutige Art, bei der der Protagonist dazu neigt, einige Dinge etwas überspitzt wiederzugeben (aber er liebt seinen Beruf eben).
Lässt sich “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” noch relativ normal und wie ein Buch lesen, wird beim zweiten Stück “Einladung zum Klassentreffen” schon klarer, dass es sich um ein Theaterstück handelt. Hier unterhalten sich zwei Personen, weshalb es beim Lesen einen Wechsel zwischen Er und Sie gibt. Trotz dieser Tatsache, lässt sich auch dieses Stück recht flüssig lesen. In diesem Stück lässt sich eine Entwicklung beider Charaktere erkennen, die viele verschiedene Gefühlslagen beinhaltet, die man alle sehr gut erkennen kann. Außerdem erzählt der Autor eine Geschichte, die dem/der ein oder anderen bekannt vorkommen könnte.
Cover: Das Cover ist in schlichtem Weiß gehalten. Auf der Vorderseite sehen wir mittig die Zeichnung eines Mannes, welche diagonal geteilt zu sein scheint. Die beiden Teile der Zeichnung spiegeln dabei Teile aus den Zwei Theaterstücken wieder (Das Büro und die Schule). Im Laufe des Buches, werden einem aber auch noch andere Kleinigkeiten auffallen, die im Buch eine mehr oder weniger große Rolle spielen.
Über der Zeichnung steht der Titel bzw. stehen die Titel der beiden Theaterstücke, welche durch einen breiten Strich getrennt sind.
Ein Blick auf die Rückseite wirkt anfänglich etwas überladen, allerdings wurde durch das Hervorheben der Titel, die Übersicht etwas erleichtert.
Mir persönlich gefällt die schlichte aber dennoch passende Gestaltung des Covers, besonders der Zeichenstil. Es enthält alles, was ein Cover enthalten muss und passt gut zum Inhalt des Buches.
Fazit: Auch wenn das Buch von Martin Schörle anfangs etwas verwundern mag, da es sich um Theaterstücke handelt, so legt sich diese Verwunderung beim Lesen recht schnell und schwingt in ein tolles Lesevergnügen um. Das Einzige das mein Lesevergnügen trüben konnte, war die Tatsache, dass das Ende des Buches doch recht schnell erreicht wurde. Ich kann jedem nur die Empfehlung aussprechen, sich auf dieses Buch einzulassen und sich die zugegeben, recht kurze Zeit zu nehmen, um in zwei wirklich unterhaltsame Theaterstücke einzutauchen.
Für mich war dieses Buch etwas Besonderes, auf das ich mich glücklicherweise eingelassen habe. Von mir gibt es 5/5 Sterne.