Dumm und Dümmehr - in Louis Leterriers giftig-galliger Agentenparodie spielen Sacha Baron Cohen und Mark Strong als ungleiche Brüder Weltenretter.
"Bad Taste" hat einen Namen: Sacha Baron Cohen. Der kehrt jetzt in gewohnter "Borat"- und "Brüno"-Manier auf die Leinwand zurück. Als Weltenretter ist er diesmal unterwegs, an der Seite seines Bruders, seines Zeichens Top-Spion des britischen Geheimdienstes M16. "Grimsby" heißt der durchgeknallte Spaß im Original, aus dem Titel gebenden Nest stammen "Der Spion und sein Bruder", beide wurden als Kinder im Zuge einer Adoption getrennt und finden nach 28 Jahren wieder zusammen.
Zunächst meint man in einem "Bond"- oder "Bourne"-Abenteuer zu sitzen. Sebastian (Mark Strong) macht Jagd auf einen Top-Terroristen - und Regisseur Louis Leterrier lässt es "Transporter"-geschult gleich mächtig krachen: Mega-Explosionen, waghalsige Stunts, Verfolgungsjagden, Feuer- und Faustkämpfe. Bruder Nobby (Cohen) übt sich derweilen auch im Nahkampf, auf einer Matratze, die er zu erwerben gedenkt. Aber erst nach ausgiebigem Test mit seiner wuchtigen Holden, frech besetzt mit Rebel Wilson ("Pitch Perfect"), die ihm neun Kinder geschenkt hat und nicht viel von Unterhosen hält - sie liebt nach eigenem Bekunden den luftigen "Basic Instinct"-Stil.
Womit der Ton bei dieser atemlosen Agentenparodie, in Prinzip eine einzige lange Gagparade, gesetzt ist. Konsequent unter die Gürtellinie zielt der gallige Spaß, Gift wird aus Hoden gesaugt, Feuerwerks- und Giftgasraketen im Allerwertesten versenkt und als Gipfel der Geschmacklosigkeit besticht ein Elefanten-Bukkake, das die Brüder, die sich auf der Flucht vor ihren Verfolgern in die Vagina eines Dickhäuters gerettet haben, über sich ergehen lassen müssen. Dazwischen wird zu "Tubthumping" ("He drinks a whiskey drink, he drinks a vodka drink, he drinks a lager drink"...) gesoffen, dem Fußball und dem Wembley-Trauma gefrönt - das Finale steigt während des England-Deutschland-WM-Endspiels in Chile - und die Vorgeschichte der Butcher Boys erzählt.
Als Bösewicht will die erblondete Penélope Cruz, dauerlächelnde Chefin einer Menschenrechtsorganisation, die Weltbevölkerung dezimieren, Daniel Radcliffe - der Nachspann vermerkt, dass er beim Film nicht mitgewirkt hat - und Donald Trump werden mit Aids infiziert und für die optischen Reize sorgt Isla Fisher ("Der große Gatsby") als Sebastians Partnerin, deren Gesicht Oliver Woods Kamera immer wieder umschmeichelt. Der Fokus bleibt aber auf dem wüst aufspielenden Baron Cohen, der mit George-Best-Koteletten als Liam-Gallagher-Lookalike lustvoll vom Leder zieht, während der tadelsfrei gewandete "Rock'N'Rolla" Strong ihm gekonnt die Bälle zuspielt. Wer hier nicht immer wieder unkontrolliert losprustet, geht wohl zum Lachen in den Keller. geh.