Die Geschichte eines Vaters, der seine Kinder in unberührter Natur aufzieht, ist berührend, humorvoll und bietet Stoff für hitzige Diskussionen.
Es beginnt mit einem archaischen Initiationsritual, das einen Jungen die Schwelle zum Erwachsensein nehmen lässt, und endet mit einem zivilisatorischen Kompromiss, der nun den Reifungsprozess des Vaters illustriert. Dazwischen erzählt die in Sundance und Cannes sehr positiv aufgenommene zweite Regiearbeit von Schauspieler Matt Ross eine originelle und thematisch packende Geschichte, die in der Konfrontation von Utopie und Realität widersprüchliche Gefühle zwischen Euphorie, Irritation und Ablehnung auslöst.
Bereits im ironischen Titel "Captain Fantastic" ist die duale Reaktion angelegt, dass man den von Viggo Mortensen gespielten Protagonisten, der die Konsumgesellschaft verachtet, sie aber im Nachnamen trägt, fantastisch, aber auch fragwürdig finden kann. Ben Cash und seine Frau haben versucht, sechs Kinder in der Wildnis des pazifischen Nordwestens auf ein autarkes und systemkritisches Leben fernab von staatlicher Bevormundung und technologischem Würgegriff vorzubereiten. Tagsüber werden Körper und Geist trainiert, abends gibt es "Naturfernsehen", wird am Lagerfeuer über Literatur, Geschichte und Politik diskutiert und gemeinsam musiziert. Als diese Hippie-Idylle vom Tod der Mutter erschüttert wird, tritt der Cash-Clan die Reise in das Herz der Finsternis an, fährt durch Amerika zu den Schwiegereltern, um den letzten Wunsch von Mama Cash zu erfüllen.
Subtilität ist nicht die größte Stärke eines Films, der seinen Titelhelden ausgerechnet im Supermarkt kollabieren lässt und seine Kritik an der Monokultur Amerikas in puncto Ernährung und Bildung wie eine Signalflagge zur Schau trägt. Dass das Paradies Schattenseiten hat, Toleranz für Andersdenkende fehlt und sektenähnliche Strukturen herrschen, zudem die klugen Kinder das Kindliche verlieren und sozial inkompetent wirken, weiß der Film aber sehr wohl, überlässt das Urteil aber dem Zuschauer. Und der ist hin und her gerissen zwischen Bewunderung und Verstörung, feiert die Rebellion und hinterfragt deren Auswüchse. "Captain Fantastic" ist humorvoll, provokativ, kritisch, emotional, vor allem aber eines: nachwirkend. kob.
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