Zweiter Film mit dem von Tom Cruise verkörperten Helden der Lee-Child-Romane, der diesmal einer des Mordes beschuldigten Army-Offizierin beispringt.
Lediglich 220 Mio. Dollar weltweit konnte "Jack Reacher" Ende 2013 umsetzen, die erste Adaption eines Romans aus der Erfolgsreihe von Lee Child über den wortkargen Ex-Militär, der wie ein moderner Ronin anonym durch die Lande zieht und mit seinen überragenden Kampf- und Kombinationskünsten kitzlige Fälle löst. Dass Paramount dennoch grünes Licht für eine Fortführung gab, mag dem Umstand geschuldet sein, dass man dem Star Tom Cruise, der aus seiner Begeisterung für die Figur kein Hehl macht, entgegen kommen wollte, um ihn weiter gewogen zu halten. Und wohl auch der Tatsache, dass der Major jenseits von "Transformers", "Star Trek" und der Cruise-Reihe "Mission: Impossible" nicht unbedingt gesegnet ist mit zuverlässigen Franchises. Die Fortsetzung, eine Adaption des 18. Reacher-Romans "Die Gejagten" von 2013, jedenfalls ist auch gleich ein Reboot: Hatte Christopher McQuarrie den ersten Film mit einem Maximum an Stilwillen nach Vorbild der kompromisslosen Tough-Guy-Movies mit Steve McQueen als cooles Actionmovie mit Look and Feel der Siebziger gestaltet, wurde der Schose jetzt ein deutlich modernes, stromlinienförmigeres Äußeres verliehen und als militaristisches B-Movie neu eingetütet. Nun wird Fans der Buchreihe weiterhin auffallen, dass Cruise nicht dem unnahbaren Zwei-Meter-Hünen der Vorlagen entspricht, was vor drei Jahren noch für einige Kontroversen gesorgt hatte, und doch werden sie sich mehr an die Pageturner Childs erinnert fühlen als zuvor. War Reacher im ersten Films noch ein großes Enigma, kitzelt Cruise hier mit Hilfe seines "Last Samurai"-Regisseurs Ed Zwick mehr den Menschen heraus, der sich hinter der unnahbaren Oberfläche verborgen hält. Zugleich erhöht man die dramatische Fallhöhe, indem man ihm mit der wunderbaren Cobie Smulders als unschuldig des Mordes beschuldigte Army-Offizierin Turner - bei Child Heldin von mittlerweile vier eigenen Büchern - und Danika Yarosh als aufmüpfige Teenagerin Sam zwei weibliche Figuren an die Seite stellte, die für mehr Emotionen sorgen. Und für etwas mehr Leben, weil Reacher Verantwortung nicht einfach nur für sich selbst übernehmen, sondern im Katz-und-Mausspiel mit der Militärpolizei und einem etwas farblos bleibenden Bösewicht mit überragenden Kampfqualitäten auch noch Andere vor Schaden bewahren muss. Das ungleiche Trio hat als unkonventionelle Familie unter Beschuss die besten Szenen, während die militärisch angehauchte Action bisweilen ähnlich beliebig wirkt wie der Untertitel des Films - "Kein Weg zurück". Natürlich bleibt man als Zuschauer dennoch bei der Sache, folgt man der Story durch Wendungen, Sackgassen und Irrwege bis zum Showdown auf den Dächern von New Orleans, letztlich weil Cruise die Figur als pragmatischen Gegenentwurf zu seinem energiegeladenen Ethan Hunt so souverän und mit sichtlicher Hingabe verkörpert. Was zu dem Kuriosum führen wird, dass der erste "Jack Reacher" zwar der bessere und markantere Film war, die Fortsetzung aber erfolgreicher sein könnte, ein Triumph der Konvention, umgesetzt von Profis, die wie Jack Reacher im Film immer genau wissen, was sie tun. ts.
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