Klassische Science-Fiction- und Horrorelemente vereinen sich im Regiedebüt von Ridley Scotts Sohn Luke.
Nachdem Bruder Jake zweimal und Halbschwester Jordan einmal vorgelegt haben, bekommt auch der jüngste Sohn von Ridley Scott seine Regiechance. Visuell genutzt hat er sie, denn Bilder und Action zeigen Sorgfalt und Kompetenz, während die Dramaturgie zwischen verhalten und berechenbar erst im letzten Drittel ein Ausrufezeichen setzt, das Wirkungstreffer erzielt.
Hauptschauplatz des in Nordirland für nur acht Millionen Dollar realisierten Films ist ein unterirdisches Labor in einem abgelegenen Waldstück im Nirgendwo. Hier, hinter einer Schutzverglasung in Hannibal-Lecter-Gedächtnisarchitektur, lebt die junge Morgan, ein im Labor erschaffenes Geschöpf, das in Wachstum, Intelligenz und Stärke eine neue menschliche Evolutionsstufe darstellt. Doch genregemäß ist dieser Fortschritt an dubiose Zwecke gebunden und mit Begleiterscheinungen zu bezahlen - einer Instabilität der Emotionen und einer undurchschaubaren Persönlichkeit, die sich menschlich zeigt, vielleicht aber auch nur gibt. Nach einer explosiven Attacke Morgans schicken die ominösen Auftraggeber des Experiments Problemlöserin Lee (Kate Mara) vor Ort, um Morgans Verhalten zu evaluieren.
Während der Film die anwesenden Wissenschaftler und ihre Beziehungen zueinander skizziert, und ein knackiger Koch versucht, Eiskönigin Lee aufzutauen - ein platter Versuch, der gleichzeitig aber subtiler dramaturgischer Hinweis ist - bleibt der Fokus stets auf dem Rätsel der Titelfigur, die von Anya-Taylor Joy, der Entdeckung aus dem Horror-Indie "The Witch", angemessen unheimlich dargestellt wird. Nach einer der besten Szenen, in der Paul Giamattis Psychologe versucht, Morgan aus der Reserve zu locken, schaltet der Film nach langer Ruhephase in den Actionmodus, zeigt er Konsequenz und Kompetenz, auch wenn Figuren, im Ringen zwischen Elterninstinkt und Vernunft, Entscheidungen treffen, die menschliche Intelligenz grundsätzlich infrage stellen. Der Gesamteindruck bleibt aber positiv, sofern man nicht die Neuerfindung des Rads erwartet. Auf die Schwarze Liste gesetzt werden muss "Das Morgan Projekt" jedenfalls nicht, da stand er schon drauf, denn das Drehbuch platzierte sich 2014 auf der Black List der besten, noch nicht verfilmten Drehbücher Hollywoods. kob.
Hersteller: Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany, Darmstädter Landstr. 114, Frankfurt am Main, Deutschland, 60598, germany@fox.com