Mit dem formal wie inhaltlich herausragenden Porträt der titelgebenden Philosophin gibt die Spezialistin für TV-Biografien Cordula Kablitz-Post ihr bemerkenswertes Leinwand-Debüt.
Regisseurin Cordula Kablitz-Posts herausragendes Leinwanddebüt "Lou Andreas-Salomé" über die gleichnamige Philosophin, Schriftstellerin und Psychoanalytikerin mag vielleicht einen uninspirierten Filmtitel besitzen, ist aber sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene absolut sehenswert. In knapp zwei Stunden präsentiert die Filmemacherin, die sich durch ihre Fernsehbiografien über Nina Hagen, Mickey Rourke oder Christoph Schlingensief einen Namen gemacht hat, Ausschnitte aus dem Leben einer extrem intelligenten, emanzipiert denkenden und höchst streitbaren Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Im Zentrum des Biopics über Andreas-Salomé, 1861 in St. Petersburg geboren und 1937 in Göttingen verstorben, stehen die bewegenden Beziehungen zu ihren berühmten Zeitgenossen Friedrich Nietzsche, der sie verehrte, Rainer Maria Rilke, den sie liebte, und Sigmund Freud, der ihren scharfen Verstand zu schätzen wusste. Kablitz-Post geht es hier aber nicht darum, historische Prominente spekulativ in Szene zu setzen, sondern sie bleibt ganz nah bei ihrer Hauptfigur, beginnt mit der Erzählung im schicksalsträchtigen Jahr 1933 und springt in Rückblicken durch die Dekaden um die Jahrhundertwende.
Statt auf Effekte und Make-Up zu setzen, lässt sie die Protagonistin von vier Schauspielerinnen verkörpern. Ein kluger Schachzug, denn sowohl Helene Pieske (als Kind) und Liv Lisa Fries (als rebellischer Teenager) als auch Katharina Lorenz (mit der wohl verdienten meisten Leinwandzeit) und Nicole Heesters (als 72-jährige Lou) lösen ihre Aufgaben vorbildlich. So entsteht das Bild einer Frau, die allen Konventionen trotzt, aber auch jenes einer ganzen Epoche, deren Streifzug von St. Petersburg über Rom und Wien bis nach Berlin führt. Maßgeblichen Anteil an der formalen Brillanz des Films haben Kameramann Matthias Schellenberg ("Die fetten Jahre sind vorbei"), der Andreas-Salomé bei Ortswechseln stets durch eine dreidimensionale Postkartenlandschaft spazieren lässt, und Judit Varga, deren minimalistische Musik zum Teil an Michael Nymans formidable Kompositionen für Peter Greenaway erinnern. Selten war ein Biopic über eine Künstlerpersönlichkeit so spannend und lehrreich, so unterhaltsam und fordernd zugleich. lasso.
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