Tief bewegendes Drama aus Deutschland über eine werdende Mutter, die vor der Entscheidung steht, ob sie ihr schwer krankes Kind behalten soll.
Anne Zohra Berrached war 2013 mit "Zwei Mütter" in der Perspektive Deutsches Kino. Nun präsentierte sie "24 Wochen" im Wettbewerb der Berlinale und erschütterte das Publikum. Kaum zu glauben, dass ihr mutiges und differenziertes Drama um die Entscheidungsfindung einer Frau, ob sie ihr schwer krankes Kind bekommen soll, erst ihr Abschlussfilm an der Filmakademie Ludwigsburg ist, so reif ist es erzählt. Mit seinen authentischen Dialogen, die so klingen, als wären sie vom Mund abgeschaut - und es auch sind, wie die Regisseurin bei der Pressekonferenz erzählt -, und glaubwürdigen Figuren, deren Schmerz man nachempfinden kann, empfiehlt sich ihr Film als würdiger Anwärter für einen Bären, sei es für die überragenden Schauspieler Julia Jentsch, die für "Sophie Scholl" schon einmal einen Bären gewann, und Bjarne Mädel, das Drehbuch von Carl Gerber und Berrached oder die feinfühlige Regie.
Der Film beginnt leichtfüßig mit einem Auftritt von Jentschs Figur Astrid als Comedian, die sich über Schwangere in der heutigen Zeit lustig macht, und zeigt sie in einer glücklichen Beziehung mit ihrem Manager (Mädel) und als patente Mutter einer kleinen Tochter. Die Diagnose Down Syndrom ist ein Schock, das Paar nimmt es schließlich mit Humor und Pragmatismus, bittet nur Astrids Mutter um Hilfe (Johanna Gastdorf ebenfalls hervorragend), bis auch noch ein schwerer Herzfehler beim Jungen entdeckt wird. Berrached und Gerber beobachten genau, wie die Beziehung des Paares sich verändert, wie das Umfeld reagiert und wie Astrid langsam bewusst wird, dass sie sich der Situation nicht gewachsen fühlt und schließlich für eine Abtreibung entscheidet, die die Regisseurin dem Zuschauer nicht erspart. Spätestens bei dieser Szene, bei der die Kamera wie auch im ganzen Film nah an seinen Figuren bleibt, werden nicht nur die Eltern im Publikum zu Tränen gerührt und zeigt sich das Feingefühl der Regisseurin. Ein Talent, auf deren kommende Filme man gespannt sein darf - und der man ein größeres Budget als ZDF- Kleines Fernsehspiel wünscht. hai.