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Der Umwelt zuliebe
Beschreibung
Regisseur Peter Berg legt in seinem Katastrophenthriller den Fokus voll auf packende Action - die Folgen des Unglücks streift der Film nicht im Ansatz.
Der 20. April 2010 markiert eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte: Aufgrund schwerster Versäumnisse geriet die von Transocean für den Ölgiganten BP betriebene Explorationsplattform Deepwater Horizon nach einem sogenannten Blowout in Brand. Elf Arbeiter verloren an diesem Tag ihr Leben, geschätzte 800 Millionen Liter Rohöl strömten in den Golf von Mexiko - mit verheerenden Folgen für die Umwelt. 2015 einigte sich der BP-Konzern mit der US-Regierung auf Zahlungen in Höhe von rund 18,7 Mrd. Dollar, den bis dahin höchsten jemals ausgehandelten Schadensersatz.
Stoff für eine filmische Aufarbeitung liefert das Unglück somit wahrlich mehr als genug. Dass der ursprünglich vorgesehene Regisseur J.C. Chandor ("Der große Crash - Margin Call") noch vor Beginn der Dreharbeiten den Posten an Actionspezialist Peter Berg ("Battleship", "Lone Survivor") abgab, ließ indes bereits ahnen, dass Deepwater Horizon weniger in Richtung Wirtschaftskrimi tendieren würde, als sich vielmehr in die Riege klassischer Katastrophenthriller einzureihen. Tatsächlich reicht es für die immensen ökologischen und wirtschaftlichen Folgen der Ölpest noch nicht einmal zur Randnotiz. Berg legt seinen Fokus voll auf das Geschehen aus Sicht der Menschen an Bord der Plattform, ohne sich dabei mit allzu viel Hintergrund zu beschweren. Der Film hält sich nur mit dem Nötigsten an Exposition auf, gut die Hälfte seiner Laufzeit wird der GAU auf hoher See geradezu minutiös nachgezeichnet, bis schließlich Pyrotechnik und CGI-Flammen zur Höchstform auflaufen dürfen. Die titelgebende Plattform ist mithin der wichtigste Protagonist in Deepwater Horizon - und ihr Niedergang ist handwerklich perfekt inszeniert. Gelegentlich mag sich der Eindruck aufdrängen, Berg habe seinen Helden einmal mehr bisweilen geradezu übermenschliche Kräfte verliehen; diverse Berichte damals Betroffener bestätigen jedoch wichtige, teils geradezu unglaubliche Details des Films. Ohnehin ist die leichte Überzeichnung zu verschmerzen - zumal das Drehbuch der von Mark Wahlberg und Kurt Russel angeführten Darstellerriege trotz knapper Charakterzeichnung genug Futter gibt, um den Zuschauer mit den Menschen im Auge des Feuersturms bis zum Schluss mitfiebern zu lassen. Einen zusätzlichen emotionalen Anker liefert Kate Hudson als bangende Ehefrau. Trotz der Konzentration auf persönliche Schicksale kommt das krachende Spektakel dann auch nicht ohne kritische Zwischentöne daher: Der Film bleibt - wenn auch vorwiegend auf die Person von John Malkovich als skrupellosem BP-Vertreter abstellend - wenig schuldig, was die Frage der Verantwortung betrifft. Und wenn Berg die Stars & Stripes im Schein des Infernos wehen lässt, darf man das guten Gewissens auch als einen erhobenen Mittelfinger an die Gier der Konzerne interpretieren.
Marc Mensch.
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