Exquisites Drama über Jacqueline Kennedy, das sich auf die Zeit kurz nach dem Attentat auf ihren Mann konzentriert.
Pablo Larrain, dessen unkonventionelles Biopic über den Poeten und Politiker "Neruda" von seinem Heimatland Chile für die Oscars eingereicht wurde, ist 2016 mit einem weiteren Biopic, das sich ebenfalls Oscar-Hoffnungen machen kann, in den Kinos: "Jackie" über die Frau von John F. Kennedy (und Aristoteles Onassis) verzeichnete einen hervorragenden Locationschnitt beim limited Release in den nordamerikanischen Kinos. Der bereits für den Oscar-nominierten "No" und "El Club" hochgeschätzte Filmemacher übernahm die Regie von Darren Aronofsky, der als Produzent mit seiner Protozoa an Bord blieb. An Bord blieb auch die für seinen "Black Swan" Oscar-prämierte Natalie Portman als Titelheldin. Sie ist das auch in Trauer makellose Gesicht des Filmes und glänzt in einer weiteren starken Performance als die von Regisseur und Drehbuchautor Noah Oppenheim zwiespältig angelegte First Lady und Stilikone. Sie konzentrieren das Porträt auf wenige, hochdramatische Wochen, vor, während und vor allem kurz nach dem Attentat auf ihren Mann. Die dramaturgische Klammer liefert ein Interview, das Jackie - selbst- und zielbewusst, aber auch zerbrechlich - einem Journalisten (Billy Crudup) gibt, um ihre Sicht zu schildern und sich ihren Platz (und den ihres Mannes) in der Geschichte zu sichern. Hier geht es um Jackie und nur am Rand um J.F.K., die in anderen Filmen verewigt wurden wie dem höchst populären von Oliver Stone, und auch weniger um das tödliche Attentat - auch wenn es in blutigen Bildern präsent ist. Geschildert wird viel mehr, wie Jackie die Beerdigung ihres Mannes als ein an Abraham Lincolns Beerdigung erinnernden Medien-wirksamen Trauermarsch und Staatsakt inszeniert. Denn (ein Platz in der) Geschichte ist ihr wichtig, wie auch der von ihr moderierte Rundgang durch das Weiße Haus demonstriert. Diese eindrucksvollen Szenen, die einem realen Dokumentarfilm nachempfunden sind bzw. auf dessen Material zurückgreift und es mit neu gedrehtem kombiniert, sind der Kern von "Jackie". Der für die Öffentlichkeit inszenierte Rundgang, in dem Jackie quasi mit Dauerstrahlen die von ihr gekaufte bzw. renovierte historische Einrichtung präsentiert, wird von weiteren Rundgängen komplettiert, in denen Jackie noch im blutverschmierten rosa Kostüm, das sie in Dallas trug, und später in anderer, aber immer höchst schicker Kleidung trauernd durch die Zimmer wandelt. Das sind die besten Szenen in diesem Drama, in dem man selten ganz ins Innere der Titelfigur sehen kann, weil sie trotz Trauer und Verzweiflung so sehr um den Schein bemüht ist. Figuren mit Herz sind Greta Gerwig als Jackies Assistentin und John Hurt als ihr Beichtvater im hochkarätigen, durchgehend auf hohem Niveau agierenden Ensemble. Exquisit in Ausstattung und Kostüm und mit einem ungewöhnlichen Score aus moderner E-Musik und dem "Camelot"-Musical versehen empfiehlt sich dieses bereits in Venedig und von diversen Kritikervereinigungen prämierte Porträt für Oscar-Würden.
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