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★★★★★
☆☆☆☆☆
Harte Realität
Melissa M. - Bewertet am 28.01.2018
Zustand: Exzellent
Vorneweg: Wer mit klischeehaften Charakteren nichts anfangen kann, sollte das Buch mit Vorsicht genießen!
Unsere Protagonistin Nora ist in der Literatur mittlerweile - würde ich sagen - ein typischer Charakter. Sie hat eine harte Vergangenheit, kämpft mit ihren Dämonen - hier mal wieder dem… Alkohol -, ist sozial eher abweisend und dabei aber auch noch - natürlich - super intelligent. Dann gibt es da noch das homosexuelle Paar, nebst dem untreuen Karrierepaar und dem rebellierenden Teenager.
Das klingt nun erst mal negativ, aber wie so oft: es funktioniert eben.
Ich war sehr skeptisch, was den Verlauf der Geschichte angeht. Ein junges Mädchen verschwindet spurlos, es gibt böse Männer, das übliche eben. Dachte ich. Aber man muss der Autorin zugestehen, dass sie einen gekonnt immer wieder in die falsche Richtung führt. Umso mehr Vergnügen hatte ich dadurch an der Auflösung der Geschichte, die zumindest für mich etwas neues war. Wenn man allerdings mehr Bücher in die Richtung liest, würde ich dafür nicht meine Hand ins Feuer legen.
Alles in allem ein sehr solider Thriller, der sich nirgends zu lange aufhält und dadurch gekonnt Spannung aufbaut. Man sollte allerdings keinen allzu realitätsnahen Storyverlauf erwarten. Das ganze geht - wohlgemerkt für mich - eher in Richtung Temperance Brennen trifft auf Jason Bourne.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Spannend und bewegend
Kerstin P. - Bewertet am 06.12.2017
Zustand: Exzellent
Zum Inhalt:
Als Privatdetektivin Nora Watts um fünf Uhr morgens einen Anruf erhält, ahnt sie nichts Gutes. Tatsächlich erwartet sie ein neuer Fall, der alte Wunden wieder aufreißt: Ihre Tochter Bonnie, die sie vor 15 Jahren zur Adoption freigegeben hat, wird vermisst. Nora ist die letzte… Hoffnung der verzweifelten Adoptiveltern, denn die Polizei hat die Suche nach der chronischen Ausreißerin längst aufgegeben. Obwohl Nora ihrer Vergangenheit am liebsten den Rücken kehren würde, lässt ihr der Fall keine Ruhe – und nur wenn sie sich ihren Dämonen stellt, kann sie das Mädchen retten.
Zur Autorin:
Die Kanadierin Sheena Kamal studierte Politikwissenschaften an der University of Toronto. Sie ist in der Film- und Fernsehbranche tätig, zuletzt war sie bei der Entwicklung einer Crime-Drama-Serie für Recherchen zuständig. Ihre Erfahrungen inspirierten sie dazu, ihren ersten Thriller zu schreiben.
Meine Meinung:
Mit Nora Watts ist Sheena Kamal ein absolut toller und bewundernswerter Charakter gelungen.
Nora hatte es in ihrem Leben nie leicht, als Blues-Sängerin hoffte sie auf den großen Durchbruch, aber leider machte ihr das Leben da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Durch einige Kontakte landet sie in einem Detektivbüro in Vancouver, arbeitet als lebender Lügendetektor und verbringt ihre Freizeit mit ihrer Hündin Whisper. Ihre „Wohnung“ im Keller der Detektei. Als ihre leibliche Tochter verschwindet wendet sich das Blatt und ihr ruhiges zurückgezogenes Leben gerät aus den Bahnen. Immer wieder gerät sie in gefährliche Situationen und verfällt erneut dem Alkohol. Auch wenn Nora denkt sie wäre alleine auf dieser Welt, ist sie es nicht. Denn es gibt Bekannte die sich um sie sorgen und diese greifen häufig in letzter Sekunde ins Geschehen ein und retten ihr somit das Leben.
Die Charaktere finde ich durch die Bank weg toll. Sheena Kamal geht sehr auf die unterschiedlichen Personen ein und beschreibt ihr Umfeld, Privatleben, Gefühle, Ängste und Sorgen. Es tun sich menschliche Abgründe auf. Einige heikle Themen, wie es sie aber leider zuhauf in der Realität gibt werden hier behandelt. So zum Beispiel Noras Alkoholsucht, ihre posttraumatische Belastungsstörung, Homosexualität, Adoption, Trennung der Eltern, schwierige Teenager in der Pubertät. Das alles und noch einiges mehr hat die Autorin meiner Meinung nach perfekt in eine tolle und spannende Geschichte integriert.
Auch die Suche nach den „bösen Buben“ gestaltet sich hier als gar nicht so einfach. Ich wurde mehrmals aufs Glatteis geführt.
Die bildhaften Beschreibungen ermöglichen einem ein sofortiges Eintauchen ins Buch. Ich hatte alles direkt vor Augen und keine Probleme mir die Umgebung bildlich vorzustellen.
Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen. Er lässt sich flüssig lesen.
Das Cover gefällt mir ebenfalls. Schlicht gehalten mit wenig Farbe, absolut passend für diesen Thriller.
Fazit:
Eine ganz klare Leseempfehlung für alle die es gerne spannend mögen und sich ganz nebenbei mit ernsten Themen beschäftigen.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Die Protagonistin macht‘s
Anne H. - Bewertet am 01.11.2017
Zustand: Exzellent
Nora Watts erhält einen merkwürdigen Anruf. Sie fragt sich, woher diese Menschen, sie kennen können, woher sie überhaupt wissen, dass sie Menschen aufspürt, denn eigentlich tut sie das im Verborgenen, so wie sie ihr gesamtes Leben eigentlich eher auf der unsichtbaren Seite Vancouvers, in dunklen… Gassen, in ihrer Kellerwohnung, in der Nacht, gestaltet. Beim ersten Treffen wird der Anknüpfungspunkt klar: das verschwundene Mädchen ist ihre Tochter, ihre Adoptiveltern haben sie nun verzweifelt angerufen, um herauszufinden, ob Bonnie ihre leibliche Mutter kontaktiert hat. Nora ist geschockt, sofort ist sie zurückversetzt in die traumatisierenden Umstände um Bonnies Zeugung und Geburt, ihre tief vergrabene Vergangenheit. Aber natürlich lässt sie das Thema nicht los, und plötzlich tauchen weitere Geister der Vergangenheit einer nach dem anderen auf, ihre Ermittlungen gehen plötzlich in eine ganz andere Richtung, in viel größere wirtschaftliche und kriminelle Dimensionen als zunächst gedacht. Schnell ist klar, dass Bonnie nicht abgehauen ist, nicht mit ihrem Freund verschwand, nicht versucht hat, Nora endlich zu finden. Aber nun setzt Nora alles daran ihre Tochter zu finden, doch zunächst muss sie herausfinden, wem sie überhaupt trauen kann und da sie das eigentlich niemandem tut, außer ihrer Hündin Whisper, wird das ein mühsames und gefährliches Unterfangen, denn ihr Treiben bleibt nicht unbemerkt.
Untiefen von Sheena Kamal ist kein typischer Thriller. Viel wichtiger – in meinen Augen – und der entscheidende Aspekt dieses Buch zu bewerten, ist für mich die Protagonistin Nora Watts. In der Handlung selbst macht man auch die ein oder andere logische Schwäche aus, es ist auch nicht durchweg unglaublich spannend, doch die Autorin hat es geschafft, einen Charakter zu schaffen, mit einer Vergangenheit, mit sehr vielen Schwächen, einigen Stärken, vielen vielen Problemen mit sich selbst und mit der Umwelt. Das Leben war einfach nicht nett zu ihr, noch nie, nichts passt so gut auf sie wie „life is a b*tch“, einfach in allen Facetten. Sie ist zutiefst misanthropisch, depressiv, Alkoholikerin, zunächst trocken, dann nicht so sehr, aggressiv, eigenbrötlerisch. Und sicherlich sehr intelligent, zielstrebig, „hart im Nehmen und ohne Rücksicht auf Verluste handelnd“. Ihre ganze Familiengeschichte ist ein Drama in drei Generationen, die zeigt, wie belastend es für Menschen sein muss, die eigene Herkunft für sich selbst nicht klären zu können. Das beginnt mit Noras Vater und setzt sich in Noras Tochter fort.
Sehr interessant fand ich hingegen hier den gewählten Erzählstil der Autorin. Die Geschichte wird von Nora aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei sie den Leser immer wieder direkt anspricht („verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe xy getan, weil…“), so dass ein sehr persönliches Gefühl der Adressierung entsteht. Nora Watts ist keine Romanfigur, in die man sich leicht hineinversetzen kann oder mit der man sich überhaupt identifizieren möchte als Leser, aber Sheena Kamal gelingt es, dass man als Leser begreifen und nachvollziehen kann, warum sie so ist wie sie und wie sie handelt, ohne, dass man das jetzt besonders gut finden muss. Aber das Buch kann man dadurch als Ganzes sehr wohl ziemlich gut finden.