Colm McCarthy legt ein packendes Kinodebüt vor, das dem Zombiefilm neue Facetten abgewinnt und bei den Genrefestivals in Austin und Sitges sowie bei den British Independent Film Awards prämiert wurde. Dabei verdient es das Horrordrama auch im Mainstream wahrgenommen zu werden. Chancen hat es bei den BAFTAS, wo "The Girl with all the Gifts" nach einem Roman und Drehbuch von Mike Carey als bestes britisches Debüt nominiert wurde.
Der schottische Regisseur verfügt über einige Erfahrung im Fernsehbereich, er inszenierte Folgen von "Peaky Blinders" und "Ripper Street". Seine Kunst demonstriert er gleich in den Eingangsszenen, in denen man nicht so recht weiß, worum es eigentlich geht, man dennoch sofort hineingezogen wird in die Geschichte des Mädchens Melanie (Sennia Nanua ausdrucksstark), das als Streberin in einer Schulklasse vorgestellt wird, die ihre Lehrerin Helen (Gemma Arterton) verehrt, einer Klasse, in der Kinder wie Schwerverbrecher gefesselt sind und nach dem Unterricht in Zellen gesperrt werden. McCarthy nimmt sich genügend Zeit, seine Figuren zu charakterisieren, sie psychologisch nachvollziehbar agieren zu lassen, bevor er die Genre-typische Gewaltexplosion mit aller gegebenen Härte ausmalt, die durch das ruhige, zwingende Vorspiel umso effektiver wirkt.
Die Story lässt Melanie und Helen, einen erst brutal wirkenden Soldat (Paddy Considine), der sein Herz (für Kinder) zeigt, und eine Wissenschaftlerin (Glenn Close), die ihre Forschung gnadenlos vorantreibt, will sie doch der Menschheit das Überleben sichern, gemeinsam dem Angriff der Zombies entkommen und "The Road" folgen. Im Laufe der düsteren Dystopie, die freundschaftlicher Witz und kindliche Neugierde aufhellen, werden die Rollen zwischen Lehrer und Schüler getauscht, wird die Grenze zwischen Gut und Böse verschoben und die Definition von Leben und Mensch(lich)sein hinterfragt und konsequent zu Ende gebracht.
Vieles funktioniert nach Genre-typischen Regeln, aber McCarthy setzt sie zwingend ein, spielt mit ihnen. Der Film bleibt nicht durchgehend auf dem hohem Niveau des genialen Anfangs, aber das ausgezeichnete Spiel des kleinen Ensembles, die passende Ausstattung und Location, die mitreißende Kameraarbeit und der ungewöhnliche, herausragende, elektronische Score ergeben ein tolles Empfehlungsschreiben für seine Macher. hai.
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