Hintersinnig und brillant erzählte Erfolgsgeschichte des Mannes, der McDonald's zum Weltkonzern machte.
Es gebe keinen zweiten Akt im amerikanischen Leben, sagte F. Scott Fitzgerald. Ray Kroc würde ihm entschieden widersprechen. Denn um den zweiten Akt in Krocs bemerkenswertem Leben geht es in dem neuen Film von John Lee Hancock, in dem der Regisseur von Filmen wie "Alamo" und zuletzt "Saving Mr. Banks" seiner Faszination für den Mythos Amerika eine neue Facette hinzufügt: Ray Kroc ist 52 Jahre alt und ein gescheiterter Handelsvertreter, der die USA Mitte der Fünfzigerjahre durchkreuzt wie ein Song von Chuck Berry, um in Schnellimbissen moderne Mixgeräte zu verkaufen. Außer Spesen ist nicht viel. Bis ein Fast-Food-Restaurant im fernen San Bernardino sechs Mixer auf einmal bestellt. Kroc ist fasziniert von dem Etablissement der rührigen Brüder McDonald, die ein geniales System entwickelt haben, jedes Gericht zu jeder Zeit stets frisch auf dem Tisch zu haben. Ihr Geschäft floriert. Nur an Expansion verschwenden die beiden keinen Gedanken.
"The Founder" erzählt die Geschichte einer feindlichen Übernahme, die Geschichte eines Parasiten, der sich den Traum anderer ohne Rücksicht auf Verluste zu Eigen macht, bis McDonald's sein persönlicher amerikanischer Traum geworden ist. Weder Vision noch Talent seien verantwortlich für Erfolg, sagt Ray Kroc, während er eine Filiale nach der anderen eröffnen lässt, auf Grundstücken, die ihm gehören, und ein Imperium errichtet. Auf Hartnäckigkeit käme es an. John Lee Hancock erzählt diese verblüffende Erfolgssaga absolut brillant und punktgenau als Tragödie, als Horrorfilm, in dem das Monster allzu menschlich und nachvollziehbar ist, aber sich trotzdem nichts aus dem Leben Anderer macht: die McDonald's, die eigene Frau, seine Seele müssen auf der Strecke bleiben.
Das ist erwachsenes amerikanisches Kino, wie es selbst fast vom Wandel der Zeit geschluckt worden ist, jene Art von Kino, mit der Barry Levinson oder Sydney Pollack in den Achtzigerjahren Publikumserfolge haben, das heute aber ein Dasein in der Nische fristet, obwohl es doch alles hat, was anregende zwei Stunden Unterhaltung bieten können: ein faszinierendes Sujet, eine vielschichtige Erzählung voller verblüffender Details, Lacher, Drama. Und in Michael Keaton einen Star, der seinen beiden alles überragenden Darstellungen in "Birdman" und "Spotlight" nun einen dritten Galaauftritt hinzufügt, bevor er sich mit der Rolle des Bösewichts in "Spider-Man: Homecoming" wieder in die Hände des Mainstreams begibt. Dabei ist sein Ray Kroc doch ein Bad Guy wie man ihn sich besser nicht vorstellen kann. Weil man den Mann in sein Herz schließt und ihm die Daumen drückt. ts.