Wie schon in "Firelight" ist unerfüllter Kinderwunsch auch der Motor dieses Familiendramas, das auch heitere Momente integriert, Frauen als unabhängige und Priester als zerissene Geschöpfe etabliert und die Kluft zwischen Wohlstand und Armut thematisiert.
Der Wunsch zur Harmonisierung dieses reichen Themenkatalogs von Lesli Linka Glatter ("Now & Then - Damals und Heute") scheitert trotz gelungener Ansätze an der Tatsache, daß sich Tendenzen zum Klischee-Melodram mit seriösen Gefühlen nicht vereinbaren lassen.
Unausgewogenheit ist der gemeinsame Nenner eines Films, der in Einzelelementen gefällt, aber als Ganzes nicht überzeugt und ratlos macht. Warum wird der Prolog der Komik willen gedehnt, die Reparatur einer tragisch erschütterten Ehe aber auf wenige Sätze reduziert? Warum wird ein als tugendhaft-schüchtern eingeführter Jungmann nach zwei, drei sexuellen Trainingseinheiten mit einer Frau in Richtung ungehobelter Poltergeist entwickelt? Warum wirken manche Dialoge reif, andere hingegen billig? Von konstanter Qualität ist jedoch die Darstellung Stowes, die emotionale Nuancen präzise vermittelt, und sich damit zwei Jahre nach "12 Monkeys" wieder mit einem Klasse, Wärme und Sensibilität reflektierenden Auftritt für größere Aufgaben empfiehlt. Sie ist die Frau, die drei Männer lieben und letztlich keiner bekommt. Eine Frau, die sich ihren Freiraum bewahrt hat, obwohl ihr einflußreicher, ihr ergebener Mann (William Hurt) zu starkem Kontrollverhalten neigt. Seine Zeugungsunfähigkeit und ihr Wunsch nach einer Schwangerschaft lassen die beiden einen für die Zeit (1935) verwegenen Plan schmieden. Ein ausgewählter junger Mann (echter "Starship Trooper": Neil Patrick Harris) soll "Sex machen", deutet den Akt nach mehreren Versuchen aber als "Liebe machen" um, was nicht ohne Konsequenzen bleibt. Nach vollendeter Dienstleistung reklamiert der Verliebte Rechte, gefährdet die Verschwiegenheit des Unternehmens und schweigt wenig später unter der Erde. Leider hat Eleanor weniger Vertrauen zu ihrem Mann als mancher, mit "Rebecca" bekannte Zuschauer, hält ihn für den Mörder und läßt sich in dieser Phase der Distanz auf die Nähe eines Priesters ein (mitunter übermotiviert: Kenneth Branagh), der 17 Jahre später sein "Dornenvögel"-Dilemma beichtet. Das Tangieren von Colleen McCulloughs Herz-Schmerz-Territorium zerrt "Wunsch & Wirklichkeit" am stärksten in ein Klischee, in das Regisseurin Glatter mit ihrem anfangs feministisch-liberalen Zug kaum geraten wollte. Was am Ende zurückbleibt, ist der Eindruck eines sperrigen, hausbacken inszenierten Melodrams, dessen Sprunghaftigkeit in Charakterzeichnung und Dramaturgie manchen Zuschauer zwischen Ablehnung und Zustimmung pendeln lassen könnte. kob.