Martin Scorseses meisterlich strenge Adaption des Romans von Shusaku Endรด รผber zwei junge Jesuitenpriester im Japan des 17. Jahrhunderts.
Nicht zum ersten Mal lรคsst Martin Scorsese auf die Raserei die Abbuรe folgen. Direkt nach dem exzessiven "Casino" drehte der ehemalige Priesterschรผler, der dann doch lieber das Kino zu seiner Kirche machte, den fast wortlosen "Kundun" รผber das Leben des Dalai Lama. Nun kehrt der 74-Jรคhrige nach seinem Bacchanal "The Wolf of Wall Street" abermals zurรผck mit einem Film, der nicht unterschiedlicher sein kรถnnte. Tatsรคchlich hatte Scorsese in den letzten 30 Jahren immer wieder Anlรคufe unternommen, Shusaku Endรดs 1969 erschienenen Roman รผber zwei junge Jesuitenpriester, die im 17. Jahrhundert die Reise von Portugal nach Japan anzutreten, von wo die Kunde stammt, ihr einstiger Mentor habe dem Glauben entsagt. Rodrigues und Garupe - gespielt von Andrew Garfield und Adam Driver - wollen erkunden, ob die Gerรผchte wahr sind und den wenigen verbliebenen Glรคubigen, die nicht unter der Knute der Christenverfolung in die Knie gegangen sind, Trost spenden.
Wรคhrend sich die Prรคmisse liest wie eine Variation von Herz der Finsternis, ist "Silence" doch im Grunde ein Film gewordener Glaubenstest, fรผr die beiden Priester, aber
auch fรผr den Filmemacher und das Publikum. Und zwar so streng und fromm, dass Scorsese zwar nicht ganz an die ganz bewusste Schmucklosigkeit des von Paul
Schrader apostrophierten Kinos des Transzendentalen eines Dreyer oder Bresson heranreicht, sein mit so viel Hingabe und Herzblut gemachter Film aber wie aus der Zeit gefallen wirkt. Wer bereit ist mitzuarbeiten, mit Pater Rodriues durch alle erdenklichen seelischen wie kรถrperlichern Qualen zu gehen, wird schlieรlich belohnt mit einem intensiven, kathartischen dritten Akt, der an dem rรผttelt, wie wir unser Leben fรผhren. In Martin Scorseses Hรคnden ist "Silence"
weniger die von Endรด intendierte gallige Kritik an der japanischen Gesellschaft (weshalb der Roman in Japan zwischenzeitlich auf dem Index stand), sondern ein Monument an die Unerschรผtterlichkeit des Glaubens.
Dafรผr sorgt eine Coda, die nicht im Roman zu finden ist. Sie ist Martin Scorsese so pur und rein, wie es nur mรถglich ist. ts.
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