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★★★★★
☆☆☆☆☆
Spannender Umweltthriller
Carmen M. - Bewertet am 23.04.2018
Zustand: Sehr gut
Laline Paull hat eine spannende Geschichte geschaffen, bei der es hauptsächlich um die Umstände von Toms Tod und die Freundschaft zwischen Tom und Sean geht. Doch es geht um viel mehr: Um das Schmelzen des Polareises aufgrund des Klimawandels, der Umgang mit der Natur, die Profitgier der… Unternehmen, die Freundschaft, Verrat und Liebe. Der Leser begleitet Sean ab dem Zeitpunkt, als ihm das Auffinden von Toms Leiche mitgeteilt wird. Nach und nach erfährt man durch Rückblicke wie die beiden sich kennen lernten und von ihren Plänen für eine Lodge auf Spitzbergen, die neben ihrem geschäftlichen Treiben die Arktis schützen soll. Wie die Lodge die Natur schützen soll, habe ich überhaupt nicht verstanden. Die Rückblicke geschehen zu verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit, die nicht immer gekennzeichnet sind. So war ich zu Beginn des Buches bei einigen Blicken in die Vergangenheit verwirrt und musste mich erst einmal zurechtfinden, wie weit es zurück ging.
Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder kurze Ausschnitte aus realen Berichten von Forschern und anderen Menschen, die eine Zeit lang in der Arktis lebten. Diese Einblicke in die Welt der ewigen Kälte und des ewigen Eises haben mir sehr gut gefallen. Man hat viel über das Leben unter diesen widrigen Bedingungen erfahren.
Paulls Schreibstil ist angenehm und schnell zu lesen. Sie beschreibt die Ereignisse in der Arktis so bildhaft, dass man das Gefühl hat, man säße im Kino vor einer riesigen Leinwand. Nach ca. einem Drittel nimmt die Geschichte so richtig Fahrt auf und die Spannung steigt, als die Untersuchung zu Toms Tod bei Gericht beginnt. Seans Gefühle zum Tod seines Freundes, sein Verhalten und seine Empfindungen bei der Aussage vor Gericht sind sehr gut beschrieben. Ich konnte die Stille im Gerichtssaal hören und die Anspannung der Anwesenden fühlen. Das Ende ist berührend und aufwühlend, ich hatte Tränen in den Augen.
Fazit:
Laline Paull hat ein großartiges Buch geschaffen, das berührend und aufwühlend ist, eine tolle Geschichte über die Freundschaft erzählt und den Umgang mit der Natur aufgreift.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Ließ mich ziemlich kalt
Anne H. - Bewertet am 09.04.2018
Zustand: Exzellent
Das Abschmelzen der Polkappen ist soweit vorangeschritten, dass neue schiffbare Handelsrouten in den Sommermonaten entstehen. Äußerst lukrativ und zeitsparend und auf den ersten Blick weniger problematisch als transkontinentale Kanäle in politisch labilen Regionen der Welt. Die Kreuzfahrtschiffe… sind ohnehin schon da. Die Arktis ist nicht mehr unberührte, menschenfeindliche Natur sondern Wirtschaftsraum, Tourismusgebiet, Teil der besiedelten Hemisphäre. Natürlich haftet ihr noch immer ein besonderer Nimbus an, noch immer ist sie gewaltig, ein beeindruckendes Szenario, noch können Menschen sich daran erinnern, dass dies vor kurzem noch nicht so war, alleine das Wort „Arktis“ immer einen Hauch von Abenteuer verbreitete. Gefahrlos ist sie auch nun nicht, Eisbären, so wenige es noch sind, bleiben gefährliche Raubtiere, Gletscherspalten unberechenbar. In eine solche stürzte fünf Jahre vor Einsetzen der gegenwärtigen Romanhandlung der Umweltaktivist Tom Harding. Zeuge seines Unfalls war sein Freund Sean Cawson. Wie er seit seiner Jugend fasziniert von den Expeditionsberichten und der Natur der Arktis, ist dieser Naturraum ihr Steckenpferd geworden. Ziel ihrer Träume und ihres Engagements. Doch zogen die beiden noch an einem Strang in dieser neuen, nutzbaren Arktis? Wie genau kam Tom Harding zu Tode? Die Ereignisse holen Sean nun ein, und er muss sich mit alten Dämonen, alten und neuen Wahrheiten auseinandersetzen.
Grundsätzlich eine absolut interessante Thematik in einem fantastischen Naturraum und in einer zwar nicht bezifferten, aber vorstellbaren sehr sehr nahen Zukunft. Leider weiß aber die Handlung an sich nicht zu fesseln und KEINE der handelnden Personen besticht für mich durch einen hohen Identifikationsgrad, oder sorgt für ausgeprägte Sympathien, ich fand sie im Grunde alle komisch, im Sinne von, wenig greifbar. Von daher kam auch bei mir wenig Empathie auf.
Vieles bleibt mir auch leider im kompletten Verlauf der Handlung unklar, z.B. warum es überhaupt zu einer gerichtlichen strafrechtlichen?zivilrechtlichen?/Untersuchung?/Anhörung?/Verfahren? kommt. Was ist der Aufhänger dazu? Nur der Leichenfund? Gab es denn nach dem Unglück/Unfall damals keine? Warum löst nun das Auftauchen der Leiche den Wunsch nach Aufklärung aus? Merkwürdig, zumal dann die Geschehnisse bei Gericht den gesamten Rahmen für das Erzählen der Geschichte in Rückblenden und aktuellen Geschehnissen darstellt. Das ist erst einmal gar nicht mal uninteressant und unspannend. Die Rückblenden haben mir dabei durchweg besser gefallen und auch die Tatsache, dass diese nur zu einem sehr langsamen Erkenntnisgewinn geführt haben, zunächst nur für den Leser, am Ende aber auch für den Protagonisten, denn das war sogar eigentlich sehr gut.
Was aber irgendwie am Ende bei mir übrigbleibt, ist die Ratlosigkeit darüber, was die Autorin dem geneigten Leser denn nun eigentlich mitteilen wollte. Denn man könnte auch reichlich negativ an die Sache gehen und ganz klar sagen: Nützt ja eh nichts? Egal ob Öko-Realo oder Öko-Fundi: es gibt immer einen, dem deine ganzen Bemühungen so meilenweit vom Allerwertesten entfernt sind, dass sie nur vermögen, ihm aus großer Distanz müde zuzuwinken? Selbst der, der in den Augen des Aktivisten schon längst selbst zum Ausbeuter im Namen der Ökologie geworden ist, ist nur Instrument der wahrhaft mächtigen, den ökonomischen Global Players, egal ob Mensch oder Konzern, egal ob auf Kosten humanitärer oder ökologischer Katastrophen? Jeder Mensch ist ein Eisberg? Das was er dir nicht zeigt, ist die Gefahr? Ich weiß es nicht und komme nicht dahinter, was ihre Intention ist. Dafür hatte das Buch einfach auch zu viele Längen, Widersprüchlichkeiten und hinterlässt leider offene Fragen im nicht-interessanten-spekulativen-sondern-eher-nervigen-Sinne bei mir…