Alle Bewertungen, die wir veröffentlichen, wurden von echten rebuy Nutzer:innen geschrieben.
★★★★★
☆☆☆☆☆
Kleine Feuer, kleine Geheimnisse
Edith S. - Bewertet am 08.05.2018
Zustand: Sehr gut
Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Wie konnte es soweit kommen?
Einige Monate vorher: Die Welt für Elena Richardson scheint in Ordnung. Alles verlief genau wie immer geplant: Studium, Ehemann, Haus (in Shaker Heights, einem Vorort in dem alles nach Regeln funktioniert) und viele… wohlgeratene Kinder (bis auf die Jüngste). Doch da zieht Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl in die Vorstadt. Pearl ist begeistert von der begüterten Familie Richards und die Kinder der Richards sind fasziniert vom unkomplizierten und minimalistischen Lebensstil der Warrens. Sehr schnell ändert sich alles in den beiden Familien und nichts ist mehr als es scheint.
Der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen. Die Charaktere sind sehr gut getroffen, die Unterschiede der verschiedenen Gesellschaftsschichten glaubhaft hervorgehoben. Ich werde mir auf jeden Fall auch das erste Werk der Autorin besorgen.
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Eindeutige Leseempfehlung!
Annalena C. - Bewertet am 18.04.2018
Zustand: Exzellent
Handlung:
"Kleine Feuer überall" ist nach "Was ich euch nicht erzählte" der zweite Roman der amerikanischen Autorin Celeste Ng.
Handlungsort ist ein Vorort Clevelands namens Shaker Heights, in dem das Leben der Menschen von vorne bis hinten geregelt wird. So sind nicht nur die erlaubten… Anstrichfarben je nach Art des Hauses streng vorgeschrieben, sondern auch zu Halloween gibt es eine Sirene, die Anfang und Ende für die Kinder in der Nachbarschaft bekannt gibt.
Elena Richardson und ihre Familie verkörpern genau diesen Ordnungssinn.
Als jedoch die alleinerziehende Künstlerin Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl nach Shaker Heights ziehen, fängt die Idylle an zu bröckeln.
Inhalt:
Vorweg möchte ich sagen, dass "Kleine Feuer überall" keine spannungsgeladene Geschichte ist. Es gibt zwar einige Momente, in denen Spannung aufgebaut wird, jedoch lebt die Erzählung von den tiefgründigen Charakterstudien und den Familiendynamiken.
Ein bisschen verwirrend fand ich es leider, dass Gedankengänge mitunter sehr schnell gewechselt und von einer Situation zur anderen gesprungen wurde.
Schreibstil:
Schon wie in dem ersten Roman, konnte mich Celeste Ng mit ihrem ganz besonderen Schreibstil begeistern.
Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen, da es so flüssig zu lesen war.
Fazit:
Insgesamt hat mir hat dieses Buch wirklich sehr gut gefallen. Die Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen und das Buch hat einige moralische Fragen aufgeworfen, die mich auch im Nachhinein noch beschäftigen.
Hat dir die Bewertung geholfen?
★★★★★
☆☆☆☆☆
Kleine Feuer überall
Anna E. - Bewertet am 06.04.2018
Zustand: Sehr gut
In Shaker Heights ist die Welt in Ordnung. In der ersten vollends geplanten Stadt sind nicht nur die Straßen wie sauber mit dem Lineal gezogen, sondern es herrscht überall Idylle, Freundlichkeit und Glück. Die Familien sind stabil, die Kinder allesamt schlau und ohne größere Probleme. So scheint es… zumindest. Als die Familie Richardson ihr Heim abgebrannt vorfindet, löst sich schnell der glänzende Lack, der die Probleme bisher kaschiert hat.
Schon in „Was ich euch nicht erzählte“ hatte mich die Autorin mit ihrer Erzählkunst eingefangen, sodass ich mit entsprechend hohen Erwartungen ans neue Buch gegangen bin. Enttäuscht wurde ich nicht, wieder einmal hat mich Celeste Ng mit ihrem feinen, leisen Stil in ihren Bann gezogen. Sie versetzt den Leser in die idyllische Kleinstadt, die Dynamik der Gemeinde wird hervorragend aufgegriffen und schnell kann man sich als Leser in die verschiedenen Figuren einfühlen. Dass hier nicht alles Gold ist was glänzt, das hat man als Leser schnell begriffen, die Enthüllungen sind trotzdem bisweilen überraschend. Gerade das langsame Entwickeln der Handlung, gepaart mit intensiven Gefühlen und einer zunehmend Beklemmung, machten für mich den Reiz der Geschichte aus. Ng zeichnet ihre Figuren sehr menschlich, jeder wird sich in irgendeinem Protagonisten wiederfinden können. Man kann ihre Gedanken und Handlungen immer gut nachvollziehen, verstehen muss man ja nicht jeden. Die Autorin greift eine Vielzahl an gesellschaftlichen Themen auf, von Rassismus über kulturelle Unterschiede bis hin zu der Frage was eine gute Mutter/Familie ausmacht. Es werden oft beide Seiten beleuchtet, immer wird der Leser jedoch zum Nachdenken angeregt. An mancher Stelle hätte ich mir die Handlung etwas extremer gewünscht, dass die Protagonisten noch mehr wagen, noch mehr ihr wahres Ich zeigen. Doch unterm Strich hat mich „Kleine Feuer überall“ sehr angesprochen und ich habe es sehr gerne gelesen.
Elena Richardson lebt Ende der 1990er Jahre den amerikanischen Vorstadt-Traum: Mit ihrem Mann, einem Anwalt, und ihren vier Kindern wohnt die Journalistin in einem perfekten Haus in Shaker Heights, einer perfekten Gegend nahe Cleveland/Ohio. Image ist hier alles. Doch als die alleinerziehende… Fotografin Mia mit ihrer Tochter Pearl in die Gegend zieht, enthüllt die Autorin Celeste Ng nach und nach, welche Probleme sich hinter der perfekten Vorstadt-Fassade verbergen. Freigeist Mia bleibt nur so lange an einem Ort, bis sie ein Fotografie-Projekt abgeschlossen hat, dann zieht sie mit ihrer Tochter und ihrem wenigen Hab und Gut weiter.
Beide Familien vertreten komplett unterschiedliche Werte, aber haben auf den ersten Blick ihren Platz im Leben gefunden. Erst als sich die fünf Kinder näher kennenlernen, beginnt die Fassade auf beiden Seiten zu reißen. Anhand dieser scheinbar normalen Familien behandelt Celeste Ng wichtige Themen wie Alltagsrassismus, sexuelle Selbstbestimmung sowie die Bedeutung von Mutter- und Vaterschaft. Dabei zeichnet sie die ganz alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen auf sehr feinfühlige Weise nach. Bis auf das herunterbrennende Haus, das den Rahmen der Geschichte bildet, gibt es keine großen, übertrieben dramatischen Ereignisse. Stattdessen schlägt Ng viele leise Töne an und schreibt in einem angenehm unprätentiösen, klaren Stil. Auf diesem Weg zeigt sie geschickt, wie aus kleinen, lange schwelenden Feuern schließlich ein Großbrand wird.