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Der Umwelt zuliebe
Beschreibung
Es gibt Regisseure, bei denen Superlative angebracht sind. Tom Tykwer ist einer davon. Kein deutscher Film sorgte stilistisch-erzählerisch in den letzten Jahrzehnten weltweit für größeres Aufsehen als sein "Lola rennt". Und keine deutsche Produktion brachte in diesem Zeitraum mehr Geld in die internationalen Kassen als seine Verfilmung von "Das Parfüm".
So gesehen war es nur eine Frage der Zeit, bis der Berliner Filmemacher auch einer Hollywood-Produktion seinen Stempel aufdrückte. Immer wieder hatte er ansatzweise seine Vorliebe für das Thriller-Genre bewiesen - auch in seinem ersten englischsprachigen Film "Heaven". Mit "The International" bringt er diese Vorliebe und sein Gespür dafür vollends zur Entfaltung.
Wie hoch diese Produktion in der Branche gehandelt wird, zeigt allein die Beteiligung von Produzent Charles Roven - der zuletzt mit "The Dark Knight" selbst für Superlative sorgte - den größten Blockbuster des Jahres 2008. Mehrere Jahre lang entwickelten er und Tykwer das Projekt, bis Autor Eric Singer die entscheidenden Anstöße lieferte. Denn das Vorhaben war überhaus anspruchsvoll: Authentisch-realistische Verschwörungsthriller sind längst eine Seltenheit geworden, weshalb der mittlerweile 34 Jahre alte "Die drei Tage des Condor" immer noch als Maßstab des Genres gilt.
Doch den Beteiligten gelang ein bewundernswerter Spagat: Einerseits treibt "The International" seine Handlung durch eine Serie von Spannungsmomenten vorwärts, geizt dabei auch nicht mit actionreichen Sequenzen, die die Möglichkeiten der internationalen Schauplätze spektakulär nutzen - ob bei einer Schießerei im New Yorker Guggenheim-Museum oder einer Verfolgungsjagd über die Dächer von Istanbul. Andererseits bleibt der Film ständig auf seine Charaktere fokussiert.
Der Eröffnungsfilm der Berlinale ist die perfekte Synthese aus Hollywood-Blockbuster und persönlichem Film. Schon das erste Bild ist symbolträchtig - anstatt mit einer klassischen Totalansicht einen Schauplatz zu etablieren, eröffnet "The International" mit einer Nahaufnahme von Clive Owen, der als Interpol-Agent die verbrecherischen Machenschaften einer Großbank aufzudecken versucht.
Und so sind es letztlich die Überzeugungen und Befindlichkeiten einzelner Personen, die die Handlung definieren - ob Owens verzweifelter Einzelkämpfer, eine von Naomi Watts dargestellte New Yorker Staatsanwältin, die sich zwischen bürgerlichem Dasein und ihrer beruflichen Mission entscheiden muss, oder ein Ex-Stasi-General (Armin Mueller-Stahl), der im Zeitalter der kapitalistischen Globalisierung seine früheren Ziele verraten hat.
Auf diese Weise gelingt es Tykwer und seinem Autor, ein komplexes Handlungsgeflecht zu stricken, dessen Verstrickungen trotz des hohen Tempos nachvollziehbar bleiben.
Sinnigerweise könnte der Drahtzieher aktueller nicht sein - als Repräsentant des Bösen fungiert eine internationale Bank, für die Mord nichts weiter ist als eine Geschäftsstrategie. Doch Tykwer zeigt ihre Vertreter nicht als Klischee-Killer in Nadelstreifen, sondern menschliche Individuen mit plausibler Logik.
So bedient er gekonnt die Mechanismen des Hollywood-Blockbusters und schafft zugleich einen überaus persönlichen Film - die ideale Voraussetzung für einen Erfolg, der für neue Superlative gut sein sollte.