Hinreiรende Gaunerkomรถdie รผber zwei Brรผder, die die Tageskasse eines NASCAR-Rennens ausnehmen wollen.
Es mag mannigfaltige Grรผnde fรผr Steven Soderbergh gegeben haben, vier Jahre nach seinem Abschied vom Spielfilm mit Side Effects doch wieder auf den Kinoregiestuhl zurรผckzukehren: das smarte Drehbuch von Rebecca Blunt, der Versuch, einen eigenen Spielfilm selbst in den USA in
die Kinos zu bringen. Fรผr das Publikum ist aber nicht entscheidend, was man vorne reinpackt, sondern was hinten rauskommt. Und das ist im Fall von "Logan Lucky" eine hinreiรende Gaunerkomรถdie รผber zwei Brรผder aus Virginia, die in einem hirnrissig erscheinenden Raubzug die Tageskasse eines NASCAR-Rennens klauen. Oder, wie es im Film selbst einmal heiรt, ein "Ocean's 7/11". Die einzigen, die hier nicht in den Witz eingeweiht sind, sind die, die ausgeraubt werden. Darin besteht auch der subversive Spaร an diesem Lo-Fi-Heist, der vor allem im lakonischen Ton Parallelen zu den Ocean's-Filmen aufweist. Nur dass hier nicht elegante Gentleman-Gangster mit unerschรถpflich tiefen Taschen und allen zur Verfรผgung stehenden technischen Gimmicks ans Werk gehen, sondern ein paar Hillbillys aus dem Hinterland, die sich als schlitzohrig, bauernschlau und grundsympathisch entpuppen. Das Herz von "Logan Lucky" schlรคgt fรผr die einfachen Menschen vom Land, die sich auf eigene Faust durchs Leben schlagen mรผssen. Wie in den amoralischen Gaunerspรครen der Siebzigerjahre, in Filmen wie "Vier schrรคge Vรถgel" oder "Klauen wir gleich die ganze Bank", ist man natรผrlich auf der Seite der Outlaws: Vรคter, die sich abmรผhen, den Unterhalt fรผr ihre Tรถchter zu bezahlen, oder Kriegsveteranen, die im Dienst fรผr Onkel Sam einen Unterarm verloren haben, aber dennoch als Bartender arbeiten und ausgezeichnete Wodka Martinis mixen, oder patente Friseusen, die ein Leben buchstรคblich auf der รberholspur fรผhren. Das zumindest sind die Logans, gespielt von Channing Tatum, Adam Driver und Riley Keough, die fรผr ihren Raubzug die Hilfe eines Sprengstoffexperten benรถtigen, der Joe Bang heiรt - Daniel Craig, der hier aussieht wie Kevin Spacey, wenn der Jean-Paul Gaultier spielen wรผrde. Weil der aber im Knast sitzt und in ein paar Monaten ohnehin entlassen wird, muss man einen Weg finden, ihn aus dem Knast zu holen, den Heist durchzuziehen und ihn wieder in
seiner Zelle abzuliefern, ohne dass es jemand bemerkt. Dazu schlรคgt die Handlung wilde Haken und hat noch ein paar versteckte Trumpfasse im รrmel. Untermalt mit von David Holmes' perfekt ausgesuchter Musik von CCR, Lord Sutch und den Groundhogs, ergibt sich ein Film, der vor allem ein Vergnรผgen im Stil der Komรถdien sein will, mit denen Michael Ritchie in den Siebzigern gepunktet hat: Wer mehr als nur
Fun an den schrรคgen Figuren und unerhรถrten Finten haben will, muss nur ein bisschen an der Oberflรคche kratzen, denn dann erzรคhlt "Logan Lucky" fast soviel รผber das Amerika der Abgehรคngten wie jรผngst "Hell or High Water".ts.