Disneys "Magical Kingdom" macht mit "Fantasia 2000", dem ersten Film des neuen Millenniums, seinem Namen alle Ehre. 60 Jahre, nachdem Walt Disney mit seinem ambitioniertesten Prestigeprojekt "Fantasia" den Massen mit einer Auswahl von musikalischen Zeichentrickepisoden klassische Musik zugänglich machen wollte, bringt sein Neffe Roy E. Disney als ausführender Produzent sieben neue und eine klassische Animationsfolge weltweit in die Imax- und später in die regulären Kinos. Künstlerisch wie technisch darf das Disneystudio seinem Repertoire damit eines seiner wahrhaft magischsten Highlights hinzufügen.
Ursprünglich schwebte Walt Disneys "Fantasia" als ein kontinuierliches Projekt vor, dem regelmäßig neue Folgen hinzugefügt werden sollten. Doch die Rezeption des Publikums im Kriegsjahr 1940 war eher lauwarm und so trat der Klassiker erst mit seiner Neuveröffentlichung in den Jahren 1956, 1969 und 1977 und später auf Video seinen Siegeszug an. Zehn Jahre war die Neuauflage nun in Arbeit, und die Entscheidung zunächst nur im kostspieligen Imax-Format - als erster Zeichentrickfilm überhaupt und dabei von einer außergewöhnlichen Länge von 75 Minuten - fügt sich nahtlos in die Vision von Gründungsvater Disney ein. Er hatte für das Original-"Fantasia" ein neuartiges Stereo-Soundsystem entwickelt und wäre vom atemberaubenden Imax-Erlebnis begeistert gewesen. Statt eines Sprechers findet sich hier eine Reihe von "Gastgebern", wie Steve Martin, James Earl Jones, Angela Lansbury und Bette Midler, die mit ihren vorwiegend locker-amüsanten Ansagen die Übergänge zu den einzelnen Episoden liefern. Die Musik wird vom Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Dirigent James Levine vorgetragen.
Begonnen wird zu den Klängen von Beethovens 5. Sinfonie mit einem abstrakt dargestellten Kampf zwischen Gut und Böse, das respektive von regenbogenbunten schmetterlingsgleichen Dreiecken und dunklen, spitzen Formen symbolisiert wird. Darauf folgt, unterlegt von Ottorino Respighis "Pini Di Roma", eine atemberaubend-majestätische New-Age-Sequenz von fliegenden Walen, die nicht nur durch antarktische Gewässer gleiten, sondern nach einer Supernova durch die Lüfte und schließlich durchs Weltall schweben. Anschließend wird mit Gershwins "Rhapsody in Blue" wieder ein weltlicherer Ton angeschlagen. In einer Hommage an Al Hirschfelds Zeichenstil wird ein Tag im Leben der verschiedensten Bewohner New York Citys in den jazzigen 30er Jahren skizziert. Als nächstes steht "Der standhafte Zinnsoldat" nach dem Märchen von Hans Christian Andersen auf dem Programm, wobei Schostakowitschs 2. Klavierkonzert zu hören ist. Der entspricht am ehesten einem modernen Disney-Cartoon, der vielen Kindern sehr zusagen wird, da eine abgeschlossene Geschichte erzählt wird. Weiter geht es mit der zweiminütigen Sequenz zu Saint-Saens' Musikstück "Karneval der Tiere", die sich um einen jojo-spielenden Flamingo dreht, der in bester Slapstickmanier den Unbill seiner Artgenossen auf sich zieht. Mit "Der Zauberlehrling" mit Musik von Paul Dukas kommt die einzige Episode aus dem Original zum Einsatz, wobei Mickey Maus' Abenteuer nach viel technischem Aufwand, zwar etwas dunkler und grobkörniger, dennoch nicht visuell unangenehm hervorsticht. "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar beschallt Donald Ducks Geschichte, der Noah vor der Sintflut hilft die verschiedenen Tierpärchen auf die Arche zu bugsieren. Den Abschluss bildet die faszinierende Feuervogelsuite von Strawinsky, die anhand von symbolisierten Natur- und Schöpfungskräften den universellen Kreislauf von "Leben, Tod und Erneuerung" illustriert und das aufwendige Familienerlebnis mit einer besonders schönen Note enden läßt. ara.