"Hercules"ist hip und kindergerecht. Damit beendet das Disney-Studio seine dunkle Periode der schwerverdaulichen Animationsdramen "Pocahontas" und "Der Glรถckner von Notre Dame", die auch kommerziell nicht รผberzeugen konnten. John Musker und Ron Clements, die Macher von "Arielle - Die kleine Meerjungfrau" und "Aladdin", segeln nun mit bewรคhrten Fun-Zutaten auf gewohntem Erfolgskurs und kรถnnen der griechischen Mythologie eine leichtherzige und modernisierte Story um den stรคrksten Halbgott der Welt abgewinnen.
Die familienorientierte Formel beinhaltet die typischen Charakteristika vom liebenswerten Held mit Herz, fiesen Finsterling, humorvollen Sidekicks und schmissigen Gesang. Die optische Prรคsentation geht auf das Konto des englischen Politkarikaturisten Gerald Scarfe, dessen ansprechender Zeichenstil mehr von eckig-spitzen Formen, als man es von Disney-Produktionen bisher gewohnt ist, dominiert wird. Bei seiner Farbpalette geht er mit krรคftig-leuchtenden Farben in die Vollen, die mit den verwaschenen grau-schwarzen Tรถnen von Hades' Hรถllenreich kontrastieren. Das Drehbuchautoren-Team legte zudem viel Wert auf spritizig-schnellen Wortwitz, mit dem das antike Ambiete up to date gebracht wird.
Der Held wird nach seiner Geburt im pastellfarben schimmernden Olymp durch die รผblen Machenschaften Hades, des Herrn der Unterwelt, von seinen Eltern Zeus und Hera getrennt. Er wรคchst auf der Erde auf, von Adoptiveltern groรgezogen und aufgrund seiner unermeรlichen Krรคfte von seiner Umwelt als "Freak" gehรคnselt und gemieden. Erst nachdem er sich beim putzigen Satyr Phil(octetes) (im Original von Danny De Vito gesprochen) ins "Heldentraining" begibt - man denke an "Karate Kid" -, wandelt er sich vom verlachten Zero (Null) zum gefeierten Hero, mit eigenen Actionfiguren, Videos etc. (Ein selbstironisch-selbstgefรคlliges Augenzwinkern bezรผglich der 7000(!) verschiedenen erhรคltlichen Merchandising-Artikel). Die spaรigen Sidekicks sind zum einen die verschuรelten Teufelchen Pain und Panic und Hercules gefiedertes Roร Pegasus. Eine harmlose Romanze mit der schnuckeligen Dame Meg in vermeindlichen Nรถten steht ebenfalls in den Karten. Nicht fehlen darf natรผrlich die obligatorische moralische Botschaft, es kommt nicht auf die Kรถrperkraft, sondern auf die Grรถรe des Herzens an.
Nach bewรคhrter Disney-Tradition wird die Vorlage fรผr unbeschwerte Unterhaltungszwecke zurechtgebogen, was die oftmals blutige Legende des mythologischen Helden extrem entschรคrft. Von den รผberlieferten zwรถlf Aufgaben, lรถst Hercules lediglich das Abschlachten der neunkรถpfigen Hydra und den dreikรถpfigen Hund Kerberos reitet er nur, ohne ihn zu tรถten. Beim Showdown bekรคmpft Hercules die von Hades befreiten Titanen, welche witzigerweise wie monstrรถse Inkarnationen von "Twister", "Vulkan" und Mr. Freeze aus "Batman und Robin" anmuten.
Mit Hades (seine Mimik wurde nach der seines Originalsprechers James Woods modelliert) wurde ein charismatisch-witziger nicht zu einschรผchternder Bรถsewicht kreiert, der mit seinem locker-schnoddrigen Neunziger-Business-Jargon zu begeistern weiร. รberhaupt wurden viele kleine satirische Sticheleien zur Freude der erwachsenen Zuschauer eingebaut. Der musikalische Score wurde von Alan Menken und David Zippel in vorwiegend optimistischem Dur komponiert, und das Gros der insgesamt acht Songs wird von einer souligen Cartoon-Gospelgruppe (unter dem Lead einer Whitney-Houston-Kopie) intoniert. Rundum gelungenes Familienentertainment also, das an den Kinokassen bรคrenstarke Umsรคtze vorlegen dรผrfte. ara.